Die Schweiz siegt mit Poesie aus der Notaufnahme

Lesedauer: 4 Min
Vor beflügelter Kulisse (von links nach rechts): Florian Cieslik, Marvin Suckut, Lillemor Kausch, Yannik Steinkellner, Thomas Ju
Vor beflügelter Kulisse (von links nach rechts): Florian Cieslik, Marvin Suckut, Lillemor Kausch, Yannik Steinkellner, Thomas Jurisch, Adina Wilke und Gregor Stäheli. (Foto: Andre Weisser)
Schwäbische Zeitung
Andre Weisser

Über das Abheben, den Flug und die Abgründe der Gesellschaft; die chaotische Hochzeit und das Single-Leben: Am Sonntag haben sich sechs Poeten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz im Drei-Länder-Dichterwettstreit in Friedrichshafen gemessen. Die Schweiz wurde im Verlauf der Veranstaltung mit dem stärksten Applaus gewürdigt und sicherte der Eidgenossenschaft damit den Sieg des internationalen Turniers.

Im Hangar des Dornier Museums traten die modernen Dichter im eins gegen eins-Duell gegeneinander an, um die Publikums-Jury von sich zu überzeugen und Punkte für ihr jeweiliges Länderteam zu sammeln. „Mir gefällt das Format Poetry Slam besonders gut, weil das klassische Gedicht mit modernem Charakter versehen wird.

Sechs Minuten, keine Grenzen

Persönlich finde ich die unterhaltsamen Texte ansprechender als die ernsten, aber im Endeffekt hat jeder Auftritt seinen eigenen Charme“, sagte Christina Milz aus Amtzell. Sie war eine der 350 Besucher des Poetry Slams und reiste mit ihren Freunden an. Auch die Gruppe aus Amtzell bewertete mit, welches Länderteam schlussendlich den Sieg holte.

„Am Ende entscheiden Sie durch die Lautstärke des Applauses wer einen Punkt holt“, erklärte Marvin Suckut dem Publikum. Der bekannte Konstanzer Poetry-Slammer führte durch das Programm. Seit 2010 moderiert und veranstaltet er Poetry Slams rund um den Bodensee. Am Sonntag begrüßte er Thomas Jurisch aus Dresden, Florian Cieslik aus Frankfurt, Yannik Steinkellner aus Linz, Adina Wilke aus Wien, Lillemor Kausch aus St. Gallen sowie Gregor Stäheli aus Zürich auf der Bühne.

Jeder Text, der innerhalb von sechs Minuten und ohne Requisiten vorgetragen wird, muss selbstverfasst sein. Dem Inhalt seien laut Marvin Suckut keine Grenzen gesetzt. Deshalb entstand im Laufe des Abends ein bunter Strauß an Poesie.

Yannik Steinkellner aus Linz entschied sich für ein Poem, das vom Hangar des Dornier Museums inspiriert zu sein schien und die nach eigenen Aussagen „spannendste und nervenzerreißendste Sportart der Welt“ thematisierte: Das Skispringen. Sein Werk „Flieger“ handelt von einem Skispringer, der es satthabe zu landen und deshalb zum Lufthansa-Piloten umschult.

Im letzten Duell Deutschland gegen die Schweiz entschied Lillemor „Lille“ Kausch die Runde für sich. Ihre in Reimform vorgetragenen Erfahrungen aus der Notaufnahme brachten viele kuriose Situationen ans Tageslicht. Mit einer Mischung aus schwarzem Humor und Fremdscham überzeugte sie das Publikum und holte den Sieg für das Team aus der Schweiz.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen