Das Efeu und die Tonstelen bleiben zwar wie sie sind, die Nummern werden auf zusätzlichen Tafeln aber Namen bekommen.
Das Efeu und die Tonstelen bleiben zwar wie sie sind, die Nummern werden auf zusätzlichen Tafeln aber Namen bekommen. (Foto: Jens Lindenmueller)

Fast 20 Jahre, nachdem intensive Diskussionen in den politischen Gremien zum Verzicht auf eine Umgestaltung des Ehrenfeldes für sowjetische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter auf dem Hauptfriedhof geführt haben, soll es eine solche nun doch noch geben. Der Finanz- und Verwaltungsausschuss hat am Montag grundsätzlich zugestimmt, dafür erforderliche Mittel bereitzustellen. Inhaltlich auseinandersetzen soll sich mit der Thematik am Mittwoch der Kultur- und Sozialausschuss.

Besagtes Ehrenfeld für 453 im Zweiten Weltkrieg in Süddeutschland ums Leben gekommene Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene ist sehr schlicht und anonym gestaltet – so, wie es nach dem Zweiten Weltkrieg offenbar den Vorgaben aus der Sowjetunion entsprach. Die Reihengräber sind mit Efeu bepflanzt, die zwischendrin platzierten Tonstelen lediglich mit Nummern versehen. Die zentrale Infotafel ist kurz und knapp gehalten. Diskussionen über die Frage, ob diese Gestaltung noch zeitgemäß ist und dem Hintergrund gerecht wird oder ob es nicht angemessen wäre, den Nummern Namen zu geben, gab es in Friedrichshafen bereits in den Jahren 2001 und 2002. Sie endeten mit dem Beschluss, das Ehrenfeld zu belassen wie es ist, aber ein Buch herauszubringen, das am Friedhof öffentlich zugänglich ist und Aufschluss über die persönlichen Daten der hier Bestatteten gibt.

Am Wunsch vieler Friedhofsbesucher, auch das Ehrenfeld mit persönlichen Informationen über diese Menschen aufzuwerten, hat das Buch laut Auskunft der Stadtverwaltung allerdings nichts geändert – auch wegen dessen zeitlich begrenzter Verfügbarkeit. Deshalb geht die Stadt das Thema nun doch noch einmal an. An der Gestaltung des Ehrenfelds an sich soll zwar nichts geändert werden, geplant ist aber, an den 17 Grabreihen jeweils Tafeln mit Namen, Geburts- und Sterbedaten der Bestatteten aufzustellen. Zusätzliche Infotafeln sollen außerem den Hintergrund zur Entstehung des Ehrenfelds ausführlicher erläutern und einzelne persönliche Schicksale exemplarisch darstellen. Dass dazu mittlerweile eine Fülle an Informationen vorliegen, ist vor allem der umfangreichen Recherchearbeit der Historikerin Christa Tholander und des Stadtarchivs zu verdanken.

Im Zuge dieser Neugestaltung sollen auch am benachbarten Ehrenfeld, wo überwiegend deutsche Opfer der Luftangriffe auf Friedrichshafen bestattet sind, zusätzliche Infotafeln aufgestellt werden. Die Gesamtkosten beider Maßnahmen belaufen sich auf rund 55 000 Euro.

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