Die neue ZU: „Haltbar, schön und billig“

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Feierstunde im neuen Graf von Soden- und Alfred Colsman-Forum des ZF-Campus: Werner Allgöwer, Insa Sjurts, Andreas und Wilma Br
Feierstunde im neuen Graf von Soden- und Alfred Colsman-Forum des ZF-Campus: Werner Allgöwer, Insa Sjurts, Andreas und Wilma Br (Foto: Anton Fuchsloch)
Schwäbische Zeitung

Mit ihrem 12. Sommerfest und einem Tag der offenen Tür hat die Zeppelin-Universität (ZU) am Samstag den Einzug in den neuen Campus im Fallenbrunnen gefeiert. Benannt ist der Standort nach ZF, dem Hauptsponsor des Um- und Neubaus der ehemaligen Flakkaserne. Mit einer Spende in Höhe von 20 Millionen Euro hat das Stiftungsunternehmen das Bauvorhaben erst ermöglicht.

Auch wenn man von ZU-Seite den Anschein einer offiziellen Eröffnung oder Einweihung vermeiden wollte – schließlich ist man ja noch nicht fertig, das Dach der Kaserne muss neu gedeckt werden, und auch an den Außenanlagen wird noch gearbeitet –, fehlte dem Sommerfestauftakt nichts an Glanz. Abgesehen von der Musik, die abends erst aufspielte, war in der neuen, nach Art eines Amphitheaters angelegten Aula, Aufbruchstimmung angesagt. Mit der „neuen Heimat“, wie ZU-Präsidentin Insa Sjurts den ZF-Campus bezeichnete, geht nach Einschätzung von Oberbürgermeister Andreas Brand eine „Neuausrichtung“ einher. „Wer im Gestern verharren will, hat hier keinen Platz“, sagte der OB.

Sjurts, seit April im Amt, ist die Hoffnungsträgerin des Neuanfangs. Die ZU als Ort des Diskurses soll nach ihren Worten gleichzeitig eine Welt der Disziplin sein, in der Lehren und Forschen zusammengehen und die offen für alle ist. Ihr Dank ging an sechs Adressen: die ZF als Hauptsponsor, OB und Gemeinderat, die mit „Augenmaß und Wohlwollen die Expansion unterstützen“, die Zeppelin GmbH und der Bodenseekreis, die Mittel für die Ausstattung zur Verfügung stellen, Architekten und Bauleiter und an alle Häfler für ihre Geduld, Offenheit und Unterstützung.

Bekenntnis in schwieriger Zeit

Die materiellen und personellen Turbulenzen (statt 22,5 Millionen Euro kostet der Um- und Neubau 28,5 Millionen Euro) und Verantwortlichkeiten (Präsidium und Geschäftsführung ausgetauscht) der vergangenen Wochen und Monate konnten die Freude nur am Rande trüben. „Unser Bekenntnis zur ZU steht, und das haben wir auch in schwieriger Zeit bewiesen“, sagte Brand und rechnete vor, dass Zeppelin, ZF und Stiftung jedes Jahr fünf Millionen Euro zur Verfügung stellen. Es gehe ja nicht nur um Gebäude, sondern um Inhalte. „Lassen wir die Vergangenheit hinter uns und schauen nach vorne“, appellierte der OB.

Die Studenten sehen das etwas anders. Die Uni sei ein Ort, an dem nichts außer Frage stehe, auch nicht die Uni selbst, sagte die Moderatorin, Donna Doerbeck. Provokant im Outfit, aber geradezu pathetisch-feierlich in ihren Dankesbezeugungen schlug die Studentin den Bogen vom „Strand der guten Hoffnung“ in Seemoos, wo die ZU vor zwölf Jahren ihre Zelte aufgeschlagen habe, zum „denkbar schönsten Ort für Forschung und Lehre“ im Fallenbrunnen. Mit Walter Gropius philosophierte sie über das Wesen der Dinge, respektive eines Gebäudes, das „haltbar, billig und schön“, seinen Zweck vollendet erfüllen müsse. Bei dem Zitat aus der Feder des Bauhaus-Gründers ging zwar ein Raunen durch die Aula, woraufhin die Moderatorin einräumte: „Zugegeben, ganz billig ist der ZF-Campus nicht“.

Ausgerechnet Peter Friedrich (SPD), Minister für Bundesrat, Europa und internationale Angelegenheiten des Landes Baden- Württemberg, der von Konstanz übern See gefahren kam, sprang ihr bei: Unter „billig“ habe man damals wohl nicht die rein pekuniäre Seite im Sinne von „Geiz ist geil“ verstanden, sondern gemeint, dass etwas „angemessen“ sei, eben „recht und billig“. Im Übrigen versicherte der Minister, dass das Land stolz sei auf das, was hier passiere und die Konstanzer „mit Respekt sehen, was in Friedrichshafen möglich geworden ist“.

Wissen ist nicht Selbstzweck

Dem Vorstandsvorsitzenden der ZF, Stefan Sommer, fiel die Moderatorin aus Dankbarkeit schier um den Hals und bewegte Kommilitonen sogar zu verhaltenen Hurra-Rufen, als dieser ans Rednerpult trat. Sommer wählte dann eher nüchterne Worte. Er finde den Bau angemessen, funktional und gelungen,und sei „froh, dass es keine billige Uni geworden ist“. Die Benennung der Aula nach den Gründervätern der ZF sei die richtige Botschaft: Auf dem Erfolg der Vergangenheit aufbauend und progressiv nach vorne denkend, gehe es in der Uni auch darum, Wissen zu generieren, das zur Weltmarktführerschaft befähige. Er wünsche sich eine lange, Frucht und Spaß bringende Zukunft mit der ZU.

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