Viel Beifall erhält die Chefin von Vaude, Antje von Dewitz, in der Bürger-Universität der Zeppelin-Universität für ihren Vortr
Viel Beifall erhält die Chefin von Vaude, Antje von Dewitz, in der Bürger-Universität der Zeppelin-Universität für ihren Vortrag „Nachhaltiges und erfolgreiches Wirtschaften“. Von Moderator Hannes Werning (rechts) gibt’s Blumen, von Gesprächspartner Thomas Brandt Schokolade. (Foto: sig)
Siegfried Großkopf

Mit dem Ziel, die Welt lebenswerter zu machen, hat die vielfach ausgezeichnete Chefin von Vaude in Obereisenbach, Antje von Dewitz, vor der Bürger-Universität der Zeppelin-Universität die Unternehmen aufgefordert, mehr Verantwortung zu übernehmen und nicht nur die Finanzbilanzen im Blick zu haben. In ihrem von viel Beifall begleiteten Vortrag zum Thema „Nachhaltiges und erfolgreiches Wirtschaften“ rief sie am Beispiel ihrer Firma zu nachhaltigem Produzieren auf, zu dem neue Wege gefunden werden müssen.

Antje von Dewitz bezeichnete sich als „Outdoor-Mensch“ und ihr Unternehmen – das sie 2009 von ihrem Vater Albrecht übernommen hat – als Teil der globalen Textilindustrie, die ebenfalls zur Umweltverschmutzung beiträgt. „Wir sind Teil einer problematischen Branche“, räumt sie ein. Mit der Firmenübernahme hat sie begonnen, Verständnis für Nachhaltigkeit zu wecken, ihr Haus grün (als Teil ihrer DNA) und ökologisch zu machen, und zwar nicht nebenher, was nicht möglich ist, sondern komplett. Wirtschaften zum Wohle aller ist ihr Credo.

In ihrem 500 Mitarbeiter starken Unternehmen im Tettnanger Stadtteil, in dem 60 Prozent Frauen arbeiten, und unterschiedliche Arbeitszeitmodelle sowie ein Kinderhaus dazu beigetragen haben, dass Vaude, eigenen Angaben zufolge, zu einer der kinderreichsten Firmen geworden ist, hat sich seit ihrer Übernahme vieles getan. Alternative Mobilität ist längst hoch angesiedelt. Die Zeiten, in denen jeder mit dem Auto zur Arbeit kam, sind längst vorbei. E-Bikes wurden angeschafft, Parkplätze zurückgebaut und diejenigen belohnt, die umweltfreundlich in die Firma kommen. Wer eine Mitfahrgelegenheit bietet, erhält einen besseren Parkplatz. Der stündliche Bus von und nach Meckenbeuren erübrigt die Autonutzung obendrein.

Nachhaltigkeit zu erleben, so die Mutter von vier Kindern, bedeute einen unglaublichen Mehrwert, was auch für die eingerichtete Bio-Kantine gilt. Lieferte früher der Metzger das Mittagessen, wird in der Kantine jeden Tag gekocht und ein vegetarisches und ein Fischgericht angeboten. Ergebnis: zwei Drittel der Mitarbeiter essen mittlerweile vegetarisch.

Auf Produktseite gestaltet Vaude die gesamte Lieferkette als auch den Lebenszyklus der Produkte nach ökologischen und fairen Gesichtspunkten. So arbeitet das Obereisenbacher Unternehmen mit dem Umweltstandard „bluesign“, der die gesamte textile Wertschöpfungskette kontrolliert. Als erstes Outdoor-Unternehmen wurde Vaude nach Eco Management and Audit Scheme (EMAS) öko-zertifiziert. Mit dem eigenen Green-Shape-Label werden Produkte gekennzeichnet, die nach eigenen Angaben besonders umweltfreundlich und ressourcenschonend hergestellt werden. Heute liegt der so genannte Green-Shape-Anteil in der Vaude-Bekleidung bei über 90 Prozent.

Appell an alle Unternehmen

„Lasst uns Lösungen finden“, appellierte Antje von Dewitz zu mehr nachhaltigem Produzieren, das ihr Unternehmen auch erfolgreich und innovativ werden ließ. Wobei sie auch an Schwierigkeiten und notwendige Überzeugungsarbeit auf dem Weg dorthin erinnerte. Wegen Zielkonflikten habe man sich in ihrem Haus „anfangs die Köpfe eingeschlagen“. „Stark zu sein treibt uns heute an“, erlebt sie eine „unheimlich tiefe Befriedigung“ durch das, was das Unternehmen tue und sich engagiere. Sie wollte sich schon immer für eine lebenswerte Welt einsetzen, versteht sie es als Privileg, so arbeiten zu dürfen, nimmt sie ihre soziale Verantwortung unter anderem in der Flüchtlingshilfe wahr.

Ob der Standort Obereisenbach geschickt gewählt sei, wird sie in der Diskussion gefragt. Den Standort zu wechseln ist nie Thema gewesen. Sie ist ein Fan davon, Dörfer attraktiv zu halten, outet sie sich unter langem Beifall.

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