Die Do X bei ihrem Erstflug im Juli 1929.
Die Do X bei ihrem Erstflug im Juli 1929. (Foto: Dornier-Museum)
Schwäbische Zeitung

Das Dornier-Museum feiert am 12. Juli mit einem Vortragsabend 90 Jahre Erstflug Do X. Eigentlich hätte Do X-Experte Jörg M. Hormann neben Peter Kielhorn, ebenfalls ein ausgewiesener Do X-Fachmann, zu diesem Anlass einen Vortrag halten wollen. Doch gesundheitsbedingt kann Hormann derzeit die Reise an den Bodensee nicht auf sich nehmen. Dornier-Flugboot-Experte Prof. Dr. Elmar Wilczek übernimmt an diesem Abend an seiner Stelle den Part des zweiten Referenten. Die Fragen von Hildegard Nagler hat Jörg M. Hormann aber gerne beantwortet.

Herr Hormann, was fasziniert Sie an der Do X?

Die beständige Umtriebigkeit, sich auch heute noch mit dieser technischen Meisterleistung, die bei schwierigsten Rahmenbedingungen Realität wurde, zu beschäftigen. Zwölf Motoren für ein Flugschiff sind auch heute noch ein Faszinosum allererster Güte.

Sie beschäftigen sich seit Jahren mit dem Projekt. Was war für Sie bisher das Erstaunlichste?

Dass immer mehr Menschen bei der ersten Wahrnehmung des Begriffes Do X eine korrekte historische Assoziation abliefern und nicht nachfragen: Do Zehn? Was soll denn das sein? Wie einem Finanzsenator vor einige Jahren passiert.

Das Flugschiff war seinerzeit eine Weltsensation, mit ihrem Erstflug hat die Do X Luftfahrtgeschichte geschrieben. Wo recherchieren Sie?

Eigentlich ist das schon Tagesgeschäft und fängt bei ebay an und hört mit diffiziler Netzrecherche nicht auf. Ich verfahre da nach meinem Grundsatz: „Nichts ist verloren!“ - außer man entsorgt irgendwelche Reste über eine öffentliche Müllkippe, wie bei Do X-Hinterlassenschaften mehrmals geschehen.

Nach ersten Tests auf dem Bodensee hebt die Do X am 12. Juli 1929 um 9.35 Uhr erstmals ab, weil Dornier-Chefeinflieger Richard Wagner unter Vollgas etwas zu stark am Steuer gezogen hatte. Was für ein Mensch war Wagner?

Wagner war einer der zuverlässigsten Einflieger von Claude Dornier und der Zufall gehörte nicht in seine Denk- und Handlungsabläufe. Sein Antippen im richtigen Augenblick spricht vielmehr für die sensationelle Feinabstimmung des Flugschiffes Do X.

Rund 240 000 Arbeitsstunden waren für die Konstruktion und den Bau der Do X nötig. Sind Sie bei Ihren Recherchen auf Zahlen gestoßen, wie viele Menschen mit der Konstruktion und dem Bau des Flugschiffs beschäftigt waren?

Da gibt es garantiert noch Unterlagen. Die ganze Do X-Finanzierung wurde durch Dorniers wirtschaftlicher Schieflage zur „Reichssache“ und die Aktenverwalter der Vorgänge sind heute unsere Staatsarchive. Ein weites Feld für eifrige Rechercheure.

Wie viele wären es heute?

500 bis 700 Mitarbeiter.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen