Die „Landshut“ soll ins Dornier-Museum

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Das am 13. Oktober 1977 entführte Flugzeug „Landshut“ nach der Landung in Mogadischu (Somalia).
Das am 13. Oktober 1977 entführte Flugzeug „Landshut“ nach der Landung in Mogadischu (Somalia). (Foto: dpa)
Hildegard Nagler

David Dornier, Direktor des Dornier Museums, hat am Freitag auf SZ-Anfrage bestätigt, dass seine Familie bereit wäre, die Lufthansa-Maschine „Landshut“, die seit Jahren flugunfähig im brasilianischen Fortaleza steht, im Dornier Museum auszustellen. Die Maschine war Ort einer dramatischen Flugzeugentführung im Jahr 1977.

Am Freitag war bekannt geworden, dass die Bundesregierung die Maschine gekauft haben soll. Sie gilt als Symbol für den „Deutschen Herbst“, das vom Terror der RAF geprägte Jahr 1977 in der Bundesrepublik. Die „Landshut“ war am 13. Oktober 1977 von vier Palästinensern entführt worden – sie wollten inhaftierte RAF-Mitglieder freipressen.

Nach einem „dramatischen Irrflug“, wie jüngst Außenminister Sigmar Gabriel sagte, wurde die Maschine am 18. Oktober im somalischen Mogadischu von einem GSG-9-Kommando gestürmt. Drei der vier Geiselnehmer wurden getötet, ein GSG-9-Mann und eine Stewardess verletzt. Zuvor schon hatten die Geiselnehmer Pilot Jürgen Schumann erschossen.

Bis Mitte der 1980er-Jahre flog die „Landshut“ dann im Dienst der Lufthansa. Danach wurde sie verkauft und flog für verschiedene Fluggesellschaften, zuletzt für eine brasilianische. Seit 2008 steht sie in Fortaleza. Bemühungen, die „Landshut“ nach Deutschland zurückzubringen, waren lange gescheitert. Fachleute beziffern die Rückführung und Restaurierung des Flugzeugs mit rund einer Million Euro. Der Kaufpreis der Maschine betrug dagegen nur rund 20 000 Euro, wie die Zeitung „Folha de S. Paulo“ berichtet.

Weitere Bewerber

Mehrere Städte hatten nach SWR-Informationen zuletzt Interesse bekundet die Maschine auszustellen, unter anderem Landshut und Flensburg. Zusätzlich bewirbt sich offenbar auch das Häfler Dornier-Museum. Dornier-Museumsdirektor David Dornier nannte im SZ-Gespräch allerdings auch eine Bedingung dafür: „Wenn wir ein solches Denkmal für unser Museum bekämen, wäre es toll. Allerdings müssten andere die Restaurierung bezahlen. Weder das Dornier Museum noch die Stiftung kann dafür Geld ausgeben, zumal wir derzeit mit der Stadt Friedrichshafen verhandeln. Wie bekannt ist, möchten wir, dass uns die Stadt hilft. Deshalb können wir für die ,Landshut‘ kein Geld ausgeben.“

Man sei seit Monaten wegen der „Landshut“ in Gesprächen so Dornier weiter. „Auch wenn die Maschine eigentlich nicht zu uns passt, gibt es doch einen Anknüpfungspunkt: Im Juli 1986 wurde ein Anschlag auf Dornier verübt. Ein Bekennerbrief wies auf das RAF-Umfeld hin. Meiner Meinung nach gehört die ,Landshut‘ nach Baden-Württemberg. Wir brauchen mehr Aufmerksamkeit, mehr Besucher, und tun alles, um mehr Besucher für die Stadt Friedrichshafen zu bekommen. Bei uns bekäme die ,Landshut‘ einen guten und würdigen Platz.“

Dornier will dem Auswärtigen Amt klar gemacht haben, dass dieses „wichtige deutsche Thema“ nicht zu Privatleuten in einen Hangar gehöre, sondern für die breite Öffentlichkeit erhalten und auch für sie zugänglich gemacht werden müsse. „Wir jedenfalls wollen unseren Teil dazu beitragen, dass dieses Denkmal nicht verschrottet wird“, betont Dornier.

Ginge es nach dem Museumsdirektor, soll die „Landshut“ originalgetreu wiederhergestellt werden und dann im Außenbereich des Museums stehen. „Einfach hinstellen kann man die Maschine natürlich nicht“, betont Dornier. Offenbar gibt es am Bodensee schon jetzt ein museales Konzept, der Museumsdirektor selbst spricht von „sehr guten Ideen“. Bei der Dokumentation der Geschichte der „Landshut“ hofft er auf Unterstützung durch das „Haus der Geschichte“. Und dann sagt David Dornier: „Ich habe die Geschichte der Landshut als junger Mensch mitbekommen. Es ist wichtig, dass sich jemand kümmert.“

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