Los Lobos spielen ein kurzes, aber intensives Konzert im Großen Zelt.
Los Lobos spielen ein kurzes, aber intensives Konzert im Großen Zelt. (Foto: Tim Jonathan Kleinecke)
Tim Jonathan Kleinecke

Als Los Lobos nach ihrem Mega-Hit „La Bamba“ die Bühne des großen Kulturufer-Zelts verlassen haben, war das Publikum rundum zufrieden nach einem zwar eher kurzen, aber doch gelungenem Konzert der Tex-Mex-Band aus Los Angeles.

Zunächst mochte man erschrecken beim Betreten des Zelts: Die Sitzreihen gut gefüllt, im Stehbereich nur ein paar Dutzend Fans – auch bei Konzertbeginn hatte man genug Platz vor der Bühne.

Das war vor 30 Jahren anders, als Los Lobos (Die Wölfe) noch erheblich größere Hallen füllten. Schnell noch die Gitarren auf der Bühne zählen: 15 Stück, und schon geht’s los.

Sie beginnen ihr Konzert mit einem Unplugged-Set: Akustische Gitarren, Mandoline und Ukulele, und ein Guitarrón: Das sechssaitige dickbauchige Bassgitarren-Ungetüm aus Mexiko passt sehr gut zu seinem Bändiger Conrad Lozano. Mexikanische Traditionals bestimmen diesen ersten Teil, ziemlich rau und manchmal etwas rumpelig – aber so sind Los Lobos eben, die Band ist seit Anfang der 80er Jahre eher nicht für filigranes Kunsthandwerk bekannt, sondern für geradlinigen Rock.

César Rosas gibt mit schwarzem Haar, Ziegenbart und passender Sonnenbrille die Rampensau und schmettert nicht nur ihre Folk-Klassiker wie „La Pistola y el Corazon“, sondern scherzt auch mit dem Publikum: „The next song is „El Cuchipe“ – that means: German beer is f***ing awesome!“ – Deutsches Bier ist also sehr wohlschmeckend und bekömmlich.

Nach Unplugged kommt der Rock

Gut, ist das auch geklärt, aber was ist das für eine klare Flüssigkeit in den kleineren Gläsern auf der Bühne? Tequila? Den Song ersparen sie uns wie auch „La Cucaracha“, aber an „Guantanamera“ kommt die Band dann doch nicht vorbei.

Nach einer Umbaupause kommen sie mit elektrischen Gitarren zurück, dann heißt es Party-Rock: Los Lobos machen einen gemütlich-robusten Ritt durch diverse Stile, von Blues bis Folk, von Country bis Rock’n’Roll. David Hidalgo ist ein grandioser Gitarrist und Akkordeonist, seine Soli gehören zu den Höhepunkten der Show, ebenso wie die von Steve Berlin an Saxophonen und Flöte.

„Kennt Ihr hier Jerry Garcia? Er hätte gerade Geburtstag!“ fragt er, und schon ertönt „Bertha“ von den Grateful Dead – gute Bekannte der Band, da kann man sich auch mal einen Song ausleihen. Zwischendurch kommen sie auch mal länger ins Jammen, aber meistens bringen sie die Songs ohne viel Firlefanz auf den Punkt.

Kurz und knackig dann auch die Zugaben: Neil Youngs „Cinnamon Girl“ klingt wie beim Meister selbst, von ihrem größten Welthit „La Bamba“ machen sie einen Abstecher zu „Good Lovin‘“ – was bei exakt derselben Akkordfolge nun kein Hexenwerk ist. Aber seit wann sollen Wölfe auch zaubern können? Eine gute Rock-Party machen, das können sie schon.

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