Auf dem Foto sind zu sehen (von links): Andreas Sponar, stellvertretender Amtsleiter Sozialamt Bodenseekreis, Diakon Ulrich Föhr
Auf dem Foto sind zu sehen (von links): Andreas Sponar, stellvertretender Amtsleiter Sozialamt Bodenseekreis, Diakon Ulrich Föhr, Stefan Zorell, Stefanie Leonhard, Dekan Bernd Herbinger und Franz Bernhard Bühler, Vorsitzender der katholischen Gesamtkirchengemeinden. (Foto: Katholisches Verwaltungszentrum)
Schwäbische Zeitung

Nach 36 Jahren im Dienst der katholischen Kirche ist der bisherige Leiter der Herberge für Wohnsitzlose, Stefan Zorell, in den Ruhestand verabschiedet worden. Seine Nachfolgerin ist Stefanie Leonhard. Coronabedingt fand der Stabwechsel in kleinem Rahmen statt, wie das katholische Verwaltungszentrum mitteilt.

Zorell trat 1983 seinen Dienst als Jugendreferent des BDKJ Wernau an und betreute die Aktion Ferienspiele in der Weiler Mühle. Er baute diese zu einer erfolgreichen und begehrten Ferienfreizeit aus. Nicht nur die betreuten Kinder fanden hier jede Menge Freizeitspaß. Auch die ehrenamtlichen Jugendlichen bildete Zorell laut Mitteilung zu Jugendleitern aus, die früh erlernten, Verantwortung zu übernehmen und noch heute diese Zeit als prägend für ihren weiteren Lebensweg bezeichnen.

Als zum 1. Januar 1999 das Landratsamt Bodenseekreis die Trägerschaft für das sogenannte Aufnahmehaus an die katholische Gesamtkirchengemeinde übertrug, übernahm der studierte Sozialarbeiter dessen Leitung und wurde Fachberater, der Wohnsitzlosen umfassende Hilfe in allen Lebenslagen bot – angefangen vom Besorgen persönlicher Papiere, über die Beantragung finanzieller Hilfen bis hin zur Unterbringung in einer Suchthilfeeinrichtung, bestenfalls in einer eigenen Wohnung.

Das Aufnahmehaus war zu dieser Zeit noch in einer ehemaligen Fremdarbeiterbaracke im Industrieweg untergebracht. Trotz der räumlichen Einschränkungen gelang es Zorell die Wohnsitzlosenarbeit konzeptionell auf hohem Niveau weiterzuentwickeln. Nachdem der bauliche Zustand der Baracke nur noch den Abriss zuließ, engagierte Zorell sich dafür, dass die Gesamtkirchengemeinden 2013 den finanziell riskanten Neubau auf dem angestammten Grundstück wagte. Die Konzeption wurde neben der Erhöhung der Platzzahlen auch um die Betreuung wohnsitzloser Frauen erweitert, die bislang im Bodenseekreis keine Unterkunft fanden. Die Tagesstätte ist wertvoller Anziehungspunkt nicht nur für Wohnsitzlose, sondern auch für Häfler mit geringem Einkommen.

Außenstehende sind laut Mitteilung überrascht von der respektvollen und wertschätzenden Atmosphäre, die sie in der Herberge vorfinden. Eine herausragende Begabung von Stefan Zorell ist es, Bedürfnisse und Notwendigkeiten seiner Mitmenschen zu erkennen und diese nicht nur „irgendwie“ mit Notdürftigem zu bedienen, sondern angemessen und anständig mit Kreativität und Unternehmergeist. Er stellte dabei sehr hohe Ansprüche an sich selbst, bildete sich stetig weiter, war seinem Team das stärkende Rückgrat. Sein Engagement dehnte er unter anderem als Vorsitzender der Mitarbeitervertretung auf die gesamte Dienstgemeinschaft der Gesamtkirchengemeinde aus. Auch privat kämpft er für die Verbesserung der Lebensbedingungen, sei es durch seine Leidenschaft für den Ausbau des ÖPNV oder sein Interesse für erneuerbare Energien.

Seine Nachfolgerin Stefanie Leonhard ist Diplom-Sozialpädagogin und hat den Masterstudiengang in Sozialmanagement abgelegt. Schon beim Start ins Berufsleben zog es sie in den Bereich der Wohnungslosenhilfe, und sie stand bereits in Leitungsverantwortung in entsprechenden Einrichtungen für Wohn- und Eingliederungshilfen. Aus familiären Gründen lebt die 41-Jährige heute in Lindau.

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