Was ist eigentlich ein Flashmob? Die Antwort darauf geben rund 50 junge Baptisten mit ihrem begeisternden Auftritt im Edeka-Mark
Was ist eigentlich ein Flashmob? Die Antwort darauf geben rund 50 junge Baptisten mit ihrem begeisternden Auftritt im Edeka-Markt am Romanshorner Platz. (Foto: Brigitte Geiselhart)
Schwäbische Zeitung
Brigitte Geiselhardt

Was ist eigentlich ein „Flashmob“? „Davon habe ich keine Ahnung. Und das, obwohl ich jeden Tag meine Zeitung lese“, sagt Clothilde Henning. Die 85-Jährige hat am Samstag gegen 18 Uhr ihren Einkauf im Edeka-Markt am Romanshorner Platz unterbrochen – und ist sichtlich davon beeindruckt, wie hier in den nächsten Minuten die Post abgeht. Mit der Aktion machen 48 Kinder und Jugendliche auf das Musical „Das Urteil – Pilatus und Jesus“ aufmerksam, das bald aufgeführt wird.

„Bei einem Flashmob tun viele, als ob sie sich gar nicht kennen und sich zufällig treffen. Einer fängt irgendwas an und alle anderen machen dann mit“, klärt die achtjährige Marielle Fleckhammer auf. Sie gehört zu den Protagonisten der Aktion, die bei umstehenden Kunden, auch beim Personal für spontane Begeisterung und Beifallsstürme sorgen wird. Zum Hintergrund: 48 Kinder und Jugendliche aus Friedrichshafen und darüber hinaus studieren derzeit das Musical „Das Urteil – Pilatus und Jesus“ ein, das in wenigen Wochen zur Aufführung kommen wird. Am Samstag stand wieder ein Probentag auf dem Programm. Aber auch ein Tag mit Überraschungen. Am Nachmittag fuhren die Sänger zusammen mit Andreas Thiel, bei dem alle organisatorischen und musikalischen Fäden zusammenlaufen, zum Franziskuszentrum. Auch dort wurde gesungen und szenisch geprobt. Und dann ging es mit dem Bus zum Hafenbahnhof und Richtung Edeka-Markt. Pst – natürlich alles streng geheim. Jedenfalls fast. „Natürlich war die ganze Aktion mit der Marktleitung abgesprochen“, erzählt Thiel.

Dann ist es soweit. Völlig unvermutet ergreift die 13-jährige Johanna das Mikrofon und zieht alle Aufmerksamkeit auf sich. Andere tun es ihr gleich. Immer mehr Kinder und Jugendliche stehen plötzlich in blauen T-Shirts da und stimmen leidenschaftlich ein. „Unser Land braucht neuen Glauben, die Vision der neuen Welt“ erklingt es aus zahllosen Kehlen. Leute bleiben stehen, zücken ihre Handys und Kameras – und spenden spontanen Beifall. „Tolle Aktion, sehr unterhaltsam“, kommentiert die 46-jährige Tanja Hahn. Auch Clothilde Henning ist be-geistert. „Die Kinder sind mutig, Sie kämpfen und bringen was zustande, das gefällt mir sehr gut“, sagt sie.

„Wirklich eine coole Sache“

Groß ist der Adrenalinausstoß natürlich bei den beteiligten Jugendlichen. „Klar, wir waren aufgeregt und nervös. Sowas haben wir schließlich noch nie gemacht. Das war wirklich eine coole Sache“, ist sich Johanna Flitz mit Anja Nessensohn und Emely Bäumler, die aus Meckenbeuren und Brochenzell kommen, einig. Dass ihnen die Einstudierung des Musical-Projekts großen Spaß macht, daran lassen sie wie alle anderen Sängerinnen und Sänger keinen Zweifel. „Ich bin mit dem Verteilen der Flyer kaum hinterhergekommen“, ist auch die 17-jährige Johanna Osterried vom Zuspruch der umstehenden Marktkunden mehr als angetan. „Ich bin zum ersten Mal dabei – aber bestimmt nicht zum letzten Mal“, freut sich der zehnjährige Jakob Iben. Jetzt muss aber nochmal fleißig geprobt werden.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen