DGH Sand Casting aus Friedrichshafen beantragt Insolvenzverfahren

Aktuell rechnet die Bundesregierung damit, dass ein typischer Rentner noch 48 Prozent seines durchschnittlichen Arbeitseinkommen
DGH Sand Castin aus Friedrichshafen hat Insolvenz beantragt. (Foto: Imago Images)
Schwäbische.de

Der Aluminium-Sandguss-Spezialist DGH Sand Casting hat Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Das schreibt das mit der Insolvenzverwaltung beauftragte Büro in einer Pressemitteilung. Das zuständige Amtsgericht Ravensburg hat demnach Franz-Ludwig Danko von der Kanzlei Danko Insolvenzverwaltung zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Danko mache sich derzeit ein Bild der Lage und prüfe die Sanierungsoptionen.

„Der Geschäftsbetrieb geht auch im vorläufigen Insolvenzverfahren vollumfänglich weiter“, wird Danko in der Mitteilung zitiert. Der Insolvenzverwalter habe sich nach seiner Bestellung umgehend mit seinem Team in das Unternehmen begeben. „Alle Aufträge werden nach wie vor pünktlich und in gewohnter Qualität bearbeitet.“ In einer Mitarbeiterversammlung hat der vorläufige Insolvenzverwalter am Donnerstag gemeinsam mit der Geschäftsführung die rund 265 Beschäftigten informiert, so die Mitteilung weiter. Deren Löhne und Gehälter seien gesichert und würden nun für drei Monate über die Bundesagentur für Arbeit als Insolvenzgeld gezahlt.

Ziel: Unternehmen und Arbeitsplätze halten

In den nächsten Tagen und Wochen will Danko in enger Absprache mit der Geschäftsführung, Kunden und Gläubigern die wirtschaftliche Situation und die Sanierungsmöglichkeiten analysieren. „Ziel ist es, das Unternehmen und die Arbeitsplätze wenn irgend möglich zu erhalten“, betonte der vorläufige Insolvenzverwalter laut Mitteilung. „Der Insolvenzgeldzeitraum verschafft uns jetzt eine wichtige finanzielle Atempause, um den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren und die Sanierungsoptionen auszuloten.“ Denkbar sind demnach etwa eine Investorenlösung oder eine Art Vergleich mit den Gläubigern. Welcher Weg erfolgversprechend ist, werde sich erst in den nächsten Wochen zeigen.

DGH Sand Casting fertigt in Friedrichshafen Aluminium-Sandguss-Teile für die Anwendung in der Automobilindustrie (Pkw und Nutzfahrzeuge) sowie in der Energie- und Wärmetechnik. Zu den Produkten gehören unter anderem Leichtbau-Teile und -Komponenten für Fahrwerk und Antriebsstrang – sowohl für Verbrenner als auch für Elektrofahrzeuge, sowie Wärmetauscher für Heizungssysteme. Kunden sind Unternehmen aus der Automobilwirtschaft und im Heizungsbau. Der Jahresumsatz betrug laut Mitteilung zuletzt rund 37,8 Mio. Euro, das Unternehmen beschäftigt rund 265 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Chip-Mangel und Krieg in der Ukraine

Wie viele Industrie-Unternehmen machen der DGH Sand Casting die Folgen der Corona-Pandemie stark zu schaffen. So sind die Umsätze seit Beginn der Pandemie um rund 35 Prozent zurückgegangen, heißt es in der Mitteilung der Insolvenzverwaltung weiter. Der Chip-Mangel sowie der Krieg in der Ukraine mit seinen Auswirkungen auf die Lieferkette und Energiepreise hätten die Situation zuletzt massiv verschärft. So habe eine Reihe von Kunden des Unternehmens die Produktion drosseln oder sogar zeitweise unterbrechen müssen. Infolgedessen sanken auch die Abrufzahlen bei DGH Sand Casting. Ein Teil der Mitarbeiter befinde sich seit geraumer Zeit in Kurzarbeit.

„DGH Sand Casting betreibt eines der modernsten Sandguss-Fertigungsstandorte Europas und verfügt über eine äußerst qualifizierte Belegschaft sowie einen hochkarätigen Kundenstamm“, lässt sich der Insolvenzverwalter weiter zitieren. „Das sind wichtige Grundvoraussetzungen für eine Sanierung.“

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