Der Stoff, der die Essenz des Sees enthält

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Ralf Schäfer

Velia Dietz hat ihr Studium mit einer Diplomarbeit abgeschlossen, die die Geschichte des Bodensees seit der ersten Seevermessung erzählt. Die Textildesignerin verarbeitet den See, seine Eigenarten, Materialien, die historischen Momente, die verschiedenen Stimmungen und die Vielfalt der natürlichen Erscheinungsformen in ihren Modeentwürfen.

Zu sehen sind drei Arbeiten mit Bezug zum Zeppelin noch bis Dienstag im Restaurant Zeppelin Hangar.

Der Bodensee ist für Velia Dietz nicht unbekannt. Sie kam schon immer hier her, hat hier Urlaub gemacht und schließlich in einer Segelschule als Segellehrerin gearbeitet. Ihr eigentliche Passion aber ist die Textilkunst.

Geschichte des Sees

Der Entwurf von Mode, die Idee, Kleidungsstücke zu fertigen, die – ohne vorweg zu greifen – in der Lage sind, Geschichten zu erzählen. Als Abschlussarbeit ihres Studiums an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart bei Professor Karl Höing legte sie eine Arbeit vor, die den Titel trägt „395,23 Meter über dem Meeresspiegel“. In dieser Höhe liegt der Bodensee. Die Arbeit ist die Aufarbeitung der Historie, des Charakters und der Wesenszüge des Bodensees und seiner Region mit künstlerischen Mitteln. Und das ist ihr auf bemerkenswerte Weise gelungen. Sie verarbeitet die erste Seevermessung durch Graf Eberhard von Zeppelin, die der mit einem beschwerten Kupferdraht vorgenommen hat, ebenso wie die Seegfrörne oder die Verschmutzung des Sees in den 70er Jahren. Das Sipplinger Wasserwerk kommt ebenso in ihren Arbeiten vor wie modernste Vermessungstechnologie des Seenforschungsinstitutes Langenargen oder eben der Zeppelin und die Hagelnetze. In Accessoires, Zitaten oder direkter Übernahme des Materials finden sich die Ergebnisse ihrer umfangreichen Recherchen über den See, ihrer Erfahrungen und Experimente in den Kleidungsstücken wieder. Aus Angelschnur gestrickte Stoffe, aus Zeppelinstoff gefertigte Federelemente, oder aus Mikrosieb der Sipplinger Trinkwasserentnahme gelaserte Elemente bilden neben selbst gewebten, gestrickten und bedruckten Stoffen die Basis für die Arbeit. Jede thematisiert ihrerseits einen Aspekt der Geschichte, untereinander aber stellen sie Querverbindungen dar, die als Ganzes gesehen, ein Kunstwerk über den See und seine Region ist. In den Arbeiten von Velia Dietz kann man sich verlieren. Sie erschließen sich schon ohne Erklärung der Künstlerin, werden mit der Hintergrundgeschichte und der Kenntnis des Materials noch um so spannender.

In den Strukturen, Maserungen und Gestaltungen der Arbeiten sind all die Dinge zu erkennen und zu erahnen, die die Designerin über den See erzählen möchte. Sie sind aber auch für sich genommen Arbeiten mit sehr anspruchsvoller Gestaltung und ansprechenden Formen. Stimmig wird in solchen Situationen gerne gesagt. Soll heißen, dass die Arbeiten harmonieren und wo nötig Kontraste und Akzente setzen.

Velia Dietz hat Angelschnur verstrickt und daraus textile Strukturen geschaffen, die einem Zeppelininnengerüst ähnlich sehen. Sie hat Glaslinsen umhäkelt und bestrickt, dass daraus die Dreikantmuschel ihre Form in einem Schal findet. Die Arbeiten sind zu vielfältig, um hier komplett besprochen zu werden.

Drei Exponate aus ihrer Diplomarbeit stellt sie derzeit im Restautant Zeppelin Hangar aus. Sie bestehen aus Zeppelinhülle und -Stoff, den ihr die Reederei zur Verfügung gestellt hat. „Ich bin überall sehr freundlich empfangen worden“, sagt die Künstlerin, die mit dieser kleinen Schau beginnt, ihre Arbeit zu zeigen. Verdient hätte das, was Velia Dietz da als Essenz des Bodensees in ihren Arbeiten zeigt, einen größeren und umfangreicheren Ausstellungszusammenhang. Vielleicht findet der sich ja noch.

Exponate aus der Diplomarbeit sind bis Dienstag im Restaurant Zeppelin Hangar zu sehen. Fotos sehen Sie auch auf

www.schwaebische.de

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