Der Seemann träumt von Weihnachten zu Hause

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Unter seinem neuen Leiter Karl Reinhard Krüger singt der Seemanns-Chor Friedrichshafen in der Schlosskirche Lieder von der Weihn
Unter seinem neuen Leiter Karl Reinhard Krüger singt der Seemanns-Chor Friedrichshafen in der Schlosskirche Lieder von der Weihnacht auf hoher See. (Foto: Helmut Voith)
Helmut Voith

Auch wenn manche im Vorfeld skeptisch waren: Dem Seemanns-Chor Friedrichshafen ist es am frühen Samstagabend mühelos gelungen, die Schlosskirche gut zu füllen. Wie Pfarrerin Krüger zur Begrüßung sagte, passen Seemannslieder durchaus in eine Kirche, fuhren doch auch die späteren Apostel als Fischer hinaus aufs Wasser. Und wie der Seemanns-Chor schon in früheren Kirchenkonzerten in St. Canisius und in der Erlöserkirche zeigte, gibt es eine Reihe sehr schöner (vor)weihnachtlicher Seemannslieder.

Heute, wo viele Laienchöre überwiegend englischsprachige Lieder im Repertoire haben, ist es einmal etwas völlig anderes, Lieder auf Deutsch zu hören und jedes Wort zu verstehen. Das ist auch der langjährigen Schulung zu verdanken, bei der auf ordentliche Artikulation geachtet wurde, während es hier nicht um mehrstimmigen Kunstgesang geht, sondern um die Freude am Singen, die Freude gestandener Männer, die in ihren dicken blauen Pullovern, roten Halstüchern und weißen Schiffermützen schon fast selber wie Seebären aussehen – Seebären am Bodensee. Dass sie ein Benefizkonzert zugunsten der Renovierung der Schlosskirchenorgel gaben, erhöhte den Reiz.

Mit „Seemann, deine Heimat ist das Meer“, ein Lied, das sogleich zündete, sind sie eingestiegen – ihre Erkennungsmelodie, wie der Erste Vorsitzende Arthur Rusch sagte. Launig führte Wolfram Mattner durchs Programm, das mit dem berühmten Lied „Es kommt ein Schiff geladen“ aus dem späten Mittelalter ins Zentrum des Advents vorstieß. Mit „Rolling Home“ und „Advent auf See“, das unversehens zum „Advent am See“ wurde, bereiteten die neunzehn Männer mit ihrem neuen Dirigenten Karl Reinhard Krüger den Boden für das gemeinsam mit den Zuhörern gesungene Adventslied „O komm, o komm, Emanuel“ – später wurde auch „Es ist ein Ros entsprungen“ und „Macht hoch die Tür“ gemeinsam gesungen. Dieses Einbeziehen schafft Gemeinschaft – auch etwas, das vom hektischen Alltag weg zum Wesentlichen lenkt.

Seefahrt gilt gemeinhin als romantisch, doch die Lieder erzählen davon, dass sie auch von Heimweh geprägt ist, besonders an Weihnachten, wenn aus der Ferne, „tausend Meilen von zu Haus“, an die Lieben zu Hause gedacht wird. Da durfte das „Junge, komm bald wieder“ der Mutter ebenso wenig fehlen wie das „Weihnachten bin ich zu Haus“, von dem der Seemann träumt. Ein Abendgebet am Meer zeigte, wie es in Wahrheit innen drin bei den Seebären aussieht. Nostalgie schwingt mit, Erinnerungen an die Kindheit, doch die „Sterne der Heiligen Nacht“ funkeln überall. Mit viel herzlichem Beifall wurden die „Seemänner“ bedacht. Man spürte die innere Freude, die sie am Singen haben, und das hat sich übertragen.

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