Der „Rucksack im Kindergarten“ für die Sprachkompetenz

 Seit Juli ist Marion Morcher Projektkoordinatorin der Caritas Bodensee-Oberschwaben für das Sprachförderprogramm „Rucksack Kita
Seit Juli ist Marion Morcher Projektkoordinatorin der Caritas Bodensee-Oberschwaben für das Sprachförderprogramm „Rucksack Kita“. (Foto: Caritas/privat)
Schwäbische Zeitung

(sz) - Seit fast 15 Jahren gibt es in Friedrichshafen das Sprachförder- und Elternbildungsprojekt „Rucksack Kita" der Caritas Bodensee-Oberschwaben. Das Bildungs- und Lernprogramm mit umfangreichem Spiel- und Übungsmaterial ist für Eltern mit Migrationsgeschichte und deren Kinder im Kindergartenalter konzipiert, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Im Juli hat Marion Morcher in Elternzeitvertretung für ein Jahr die Caritas-Projektkoordinierung von „Rucksack im Kindergarten" übernommen. Für das neue Kindergartenjahr 2021/22 haben sieben Friedrichshafener Kindergartengruppen ihre Projekt-Teilnahme zugesagt. Die Projektdauer erstreckt sich über das gesamte Kindergartenjahr. Auch Familientreffs, Familienzentren oder Migrantenvereine können mitmachen.

„Wir möchten mit ‚Rucksack‘ die Erziehungskompetenzen der Eltern erweitern und die Sprachkompetenz der Kinder systematisch fördern", sagt Constanze Rauch, Leiterin des Caritas-Dienstes Familienhilfe und Migration. Auch in Zeiten einer Pandemie dürften Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit nicht aus dem Fokus geraten. Zeitnah seien daher Corona-konforme Konzepte entwickelt und umgesetzt worden. Die Caritas-Sprachförderprojekte „Rucksack Kita" und „Rucksack Schule", die von der Stadt Friedrichshafen mitfinanziert werden, sind konzeptionell eng mit den Kindergärten und Schulen verzahnt. „Rucksack“ greife gezielt die Stärkung der Muttersprache und der deutschen Sprache auf und fördere die Beteiligung der Eltern bei der Sprachentwicklung ihrer Kinder, so Constanze Rauch. „Gerade in den aktuell schwierigen Pandemie-Zeiten empfinden viele ‚Rucksack‘-Eltern das Projekt als unterstützend und sind offen für neue Kommunikationskonzepte."

Ehrenamtliche Stadtteilmütter begleiten die Familien, leiten die „Rucksack"-Gruppen in den Kindergärten und kooperieren mit den Erzieherinnen der teilnehmenden Kitas. Im vergangenen Kindergartenjahr wurden 40 Familien von sechs Stadtteilmüttern betreut. Die Verständigung erfolgte in Türkisch, Russisch, Arabisch, Englisch, Albanisch und Serbisch/Kroatisch. Die Einbindung von muttersprachlichen Stadtteileltern sei ein wesentlicher Erfolgsfaktor des Projekts, sagt Projektkoordinatorin Dr. Morcher. Von ihr erhalten die Elternbegleiterinnen, die über gute Beziehungsallianzen verfügen, Anleitung und fachliche Unterstützung. Sie sind konstante Ansprechpartnerinnen für die teilnehmenden Familien und Einrichtungen, bieten Lösungen bei Fragen und Problemen oder leiten die Eltern bei Bedarf an entsprechende Hilfestellen weiter.

„Ich freue mich sehr über meine neue Aufgabe", sagt Morcher. Sie hat Biologie studiert und in Neurologie promoviert, lebt seit fast 17 Jahren in Friedrichshafen und verfügt über vielfältige Erfahrungen in Sachen Integration. So unterrichtet sie seit fünf Jahren Deutsch als Zweitsprache beim CJD Friedrichshafen und Ravensburg, an der RWU Hochschule Ravensburg-Weingarten und an der Volkshochschule Friedrichshafen. Darüber hinaus begleitet sie beim CJD seit rund drei Jahren ein Projekt für alleinerziehende Mütter mit und ohne Migrationsgeschichte und ist seit zehn Jahren Geschäftsstellenleiterin beim BUND – Bund für Umwelt und Naturschutz Friedrichshafen. Vor zwei Jahren wurde sie in den Friedrichshafener Gemeinderat gewählt und wirkt als Stadträtin im Ausschuss Planen/Bauen/Umwelt und im Integrationsausschuss mit.

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