Der „Regisseur“ muss sechs Jahre lang hinter Gitter

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Fünf Prozesstage lang hat der Angeklagte geschwiegen, am letzten Verhandlungstag ließ er seinen Anwalt eine kurze Erklärung verlesen, in der er in 21 von insgesamt 40 Fällen seine Beteiligung als Chauffeur der Diebesbande einräumte, die bereits abgeurteilt ist. Ob der Verurteilte gut beraten war, während der Verhandlung zu schweigen, bezweifelten am Ende Beobachter, die davon wissen wollen, dass er nicht der Kopf der Bande gewesen sei, als der er dem Gericht erschien. Mit der Freiheitsstrafe von sechs Jahren ging die Kammer über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus, die fünf Jahre und sieben Monate beantragt hatte. Ein Strafmaß, das auch die Verteidigung als „richtig“ erachtet hatte.

Das „kurze Formalgeständnis“ am fünften Tag war für das Gericht nur noch von geringer Bedeutung, nachdem die Komplizen des 35-jährigen Mannes die gemeinsam begangenen Taten bereits gestanden hatten. Auch ohne das gestrige Geständnis hätte der Angeklagte überführt werden können, bemerkte der Vorsitzende in seiner Urteilsbegründung. Zwar habe es sich mildernd auf das Strafmaß ausgewirkt, die entscheidenden Hinweise hatten aber zwei bereits früher Verurteilte (wir berichteten) gegeben. Ohne deren Angaben, räumte Dr. Strasser ein, wäre eine Verurteilung schwierig gewesen.

Die Kammer befand, der Angeklagte sei der „Regisseur dieser ganzen Serie“ von Straftaten gewesen, die im Herbst vergangenen Jahres Hausbesitzer vom Bodensee bis in den Raum Sigmaringen, Ravensburg, Biberach und das Allgäu in Angst und Schrecken versetzte. 40 Mal stieg die Bande meist über Terrasse oder Balkon in Einfamilienhäuser ein, richtete zunächst hohen Sachschaden an und ließ mitgehen was wertvoll erschien. Vor allem Unterhaltungselektronik, Schmuck (teils Erbstücke und mit hohem ideellen Wert), Flachbildschirme, Laptops, Digitalkameras, Handys, Kreditkarten und Geld sowie in einem Fall ein Kleinkalibergewehr waren die Beute im Gesamtwert von etwa 190 000 Euro.

Eigentümer leiden noch heute

Dabei unterstrichen die Täter ihre hohe Professionalität: Aufbruchwerkzeug und Schuhe beispielsweise wurden nur einmal verwendet, um die Wiedererkennung zu erschweren. Zurück ließen sie oft verwüstete Wohnungen und Eigentümer, die unter diesen Erlebnisse noch heute leiden.

Sein Mandant sei in den eingeräumten Fällen lediglich als „Fahrer“ beteiligt gewesen, „aber in keinem Gebäude drin“, sagte der Verteidiger gestern. Der Staatsanwalt sprach daraufhin von einer „überraschenden Wende“ in dem Prozess, der kurz zuvor noch vor einer Fortsetzung stand, in der das Gericht gewillt schien, auch Geschädigte als Zeugen zu laden.

Vehement gewehrt

Der Anklagevertreter erinnerte an die Rolle des Angeklagten, der sich zunächst vehement gegen seine Inhaftierung gestemmt und behauptet hatte, er kenne seine Komplizen nicht. Der Staatsanwalt attestierte dem Angeklagten wie seinen bereits abgeurteilten Mittätern eine hohe kriminelle Energie und Skrupellosigkeit, da sie sich zu keinem Zeitpunkt mit dem gestohlenen Diebesgut zufrieden gegeben haben. Unverständlich ist für ihn, warum sich der gestern Verurteilte erst in dieser Phase zu einem Formalgeständnis durchgerungen hat.

Die hohe Strafe begründete die Kammer mit der beabsichtigten Abschreckung, den einschlägigen Vorstrafen des 35-Jährigen und der Tatsache, dass er die Verbrechen in einer Zeit beging, in der gleichzeitig ein Verfahren wegen gefälschter Ausweise gegen ihn lief. Dem Mann aus Montenegro droht nach der teilweisen Verbüßung der Strafe die Abschiebung. Von dem meisten Diebesgut fehlt noch jede Spur.

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