Der Magier: Das Kunstmuseum Stockach zeigt Joan Miró

Joan Miró: „Zur Jahrhundertfeier der Druckerei Mourlot“ (Ausschnitt)
Joan Miró: „Zur Jahrhundertfeier der Druckerei Mourlot“ (Ausschnitt) (Foto: Moehrle)

Spanien hat der Kunst der Moderne eine Fülle ganz großer Maler und Bildhauer geschenkt: Picasso, Miró, Dali, Tàpies, Chillida, um nur einige zu nennen. Miró ist gewiss ein Sonderfall. Sein Freund Tàpies, Katalane wie Miró, fand, dieser (1893-1983) habe für die Sprache der Malerei, für die Freiheit der Malerei mehr geleistet als Picasso. Tàpies sieht Picasso „noch ein wenig an die klassische Malerei gebunden“.

Miró ist ein Solitär, vergleichbar bestenfalls mit Paul Klee. Das zeigt beispielhaft eine Ausstellung der Stadt Stockach in deren Kunstmuseum. Sie versammelt bis zum 13.November mehr als 80 Lithographien, Radierungen und Zeichnungen. Also nur Arbeiten auf Papier, meist Auflagen-Kunst – und das ist doch ein Event, das einem diesen Magier der modernen Kunst näherbringt. Merkwürdigerweise und durchaus zu Unrecht spielt in den unzähligen Publikationen, die über Mirós Werk veröffentlicht wurden, die Grafik kaum eine Rolle. Zu Unrecht deshalb, weil Miró in seinen Arbeiten auf Papier immer wieder große Arbeiten vorbereitet oder darüber reflektiert. Arbeiten, die heutzutage zum immateriellen Kulturerbe der Kunstwelt gehören und weltweit gezeigt werden.

Miró experimentiert – wie in Stockach zu sehen – mit Farben, Formen wie Mond, Sterne, Sonne, Augen, figürlichen Abstraktionen des Menschen, immer wieder mit dem Thema Frau, mit animalischen, also tierischen Symbolen. Ein Spieler, ein Magier, ein Zauberer, wirklich nur Klee vergleichbar. Miró changiert ständig zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion. Man nennt ihn einen Surrealisten. Was Ludwig Wittgenstein einst über Georg Trakls Gedichte geschrieben hat – „ich verstehe sie nicht, aber ihr Ton entzückt mich“ – das mag auch für Joan Mirós Grafiken und sein großes Werk gelten. Vieles ist Magie. Magie der Zeichen, unverständlich, hintergründig und geheimnisvoll.

Die älteste Grafik Mirós in der Stockacher Schau, eine Lithographie, stammt aus dem Jahre 1930. Politisch besonders engagiert hat sich der Künstler, obwohl Republikaner und damit Gegner Francos, nicht. Als 1936 der Spanische Bürgerkrieg ausbrach, flüchtete Joan Miró nach Paris. Erst nach dem 2.Weltkrieg zeichneten sich seine Grafiken durch leuchtende Farben und freundlicher wirkende figurative Zeichen aus. Darauf liegt der Schwerpunkt der Stockacher Werkschau. Einige Farblithographien zu Alfred Jarrys Theaterstück „König Ubu“ zählen zu den schönsten Blättern dieser Ausstellung.

Die Stadt Stockach zelebriert ihre Miró-Schau mittels eines umfangreichen Begleitprogramms, mit Events, Führungen, Aktionen wie Malen wie Miró, Workshops für Kinder, ja sogar mit einem Miró-Feinschmeckerabend, alles zusammen fast 100 Veranstaltungen. Am Ende muss eines Stockachers gedacht werden, des Bauunternehmers Heinrich Wagner, der ein großer Kunstsammler war und seiner Heimatstadt im Jahre 2016 seine ganze Kollektion – 329 Arbeiten, meist Grafiken – als Leihgabe übergeben hat. Alle zwei Jahre zeigt das Stadtmuseum Stockach deshalb aus der Sammlung Wagners Werke, wie auch die Miró-Ausstellung, deren Bilder zum Teil aus dieser Sammlung kommen. Wagner sammelte Werke von Dix, Beckmann, Bargheer bis Chagall und Miró und vieles andere. Ein Glücksfall für seine Stadt. Und so ist diese Ausstellung auch eine Hommage an Heinrich Wagner.

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