Ein „Vater Unser“ rund um die Osterkerze. Erstkommunionkinder zusammen mit Eltern und Mitgliedern des Vorbereitungsteams.
Ein „Vater Unser“ rund um die Osterkerze. Erstkommunionkinder zusammen mit Eltern und Mitgliedern des Vorbereitungsteams. (Foto: Brigitte Geiselhart)
Schwäbische Zeitung
Brigitte Geiselhart

Für 166 Mädchen und Jungen aus den zehn Pfarreien der katholischen Gesamtkirchengemeinde Friedrichshafen und der St. Gangolf-Gemeinde in Kluftern rückt der große Tag immer näher. Am Weißen Sonntag – oder den darauffolgenden Sonntagen – feiern sie ihre Erstkommunion. Dass die Vorfreude riesengroß ist, davon durfte sich die Schwäbische Zeitung beim Besuch eines Vorbereitungstreffens überzeugen.

Es ist Samstagnachmittag. Gemeindereferentin Barbara Kunz hat die Kommunionkinder aus der Seelsorgeeinheit Friedrichshafen Mitte nach St. Columban ins Gemeindehaus Arche eingeladen. Als erwachsene Begleiter der Kinder sind nicht nur Mama und Papa, sondern auch Großeltern oder Taufpaten willkommen. Zum Abschluss von insgesamt vier samstäglichen „Gemeinschaftstagen“ befasst man sich in der Kommunionsvorbereitung heute mit der „Karwoche“. Ein konzeptioneller Ansatz, der von Barbara Kunz entwickelt wurde und die früher in den Gemeinden üblichen „Mütter-/Eltern-Gruppen“ abgelöst hat. Eine Entwicklung, die natürlich auch der Tatsache geschuldet sei, dass sich durch die Berufstätigkeit vieler Mütter deren zeitlichen Kapazitäten verändert hätten, sagt die Gemeindereferentin.

Beim letzten Mal wurde über den biblischen Zachäus gesprochen, einen richtigen Halsabschneider, der als Zöllner den Leuten den letzten Cent aus der Tasche zog. Aber auch einer, der wusste, dass er ein Sünder war und deshalb zunächst gar nicht verstehen konnte, dass Jesus in seinem Haus Gast sein wollte. „Ihr werdet von Gott geliebt, so wie ihr seid“, so die Erklärung der Mitglieder des Kommunionsvorbereitungsteams, zu dem in St. Columban auch die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen Gabi Schmidt, Ilse Baum, Christiane Stracke und Monika Hartnegg gehören. Auch heute wird wieder viel reflektiert. Mit sichtlicher Andacht gehen Kinder und Erwachsenen der Frage nach, was es mit der „Eucharistie“, der großen christlichen Danksagung, auf sich hat. Ein „goldener Tisch“ wird vorbereitet. Gründonnerstag und das „letzte Abendmahl“ werden thematisiert. Es wird auch gesungen.

Auch Väter mischen mit

„Ich habe schon den Eindruck, dass nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern von dieser Form der Kommunionsvorbereitung angetan sind“, sagt später Barbara Kunz. „Schon im vergangenen Jahr haben wir sehr viele positive Rückmeldungen bekommen – und es beteiligen sich mittlerweile auch mehr Väter.“ Natürlich gehen bei den Erwachsenen die Gedanken zurück an die eigene Erstkommunion. „Ich bin nicht unbedingt eine regelmäßige Kirchgängerin“, räumt Nadja Breunig ein. „Aber diese Art der Vorbereitung auf die Kommunion läuft in einer sehr angenehmen Atmosphäre ab, nicht so steif wie früher.“

Eine Ansicht, die auch Peter Di Benedetto teilt. „Einfach toll, viel schöner als damals bei uns“, sagt er. „Für mich ist die Erstkommunion ein Fest, das man bewusst feiern sollte, nicht nur aus Tradition. Die christliche Prägung ist für die Kinder wichtig. Ob man jetzt katholisch oder evangelisch ist, ist nicht ent-scheidend“, betont Simone Kaldenbach, die selbst Protestantin ist. Auch ihr Sohn Julius hat eine klare Meinung. „Die Vorbereitung war klasse. Ich freue mich auf die Kommunion, weil das für mich was Neues ist“, sagt er. Logisch, dass er aber auch dem großen Fest mit der ganzen Verwandtschaft in einem schönen Restaurant entgegenfiebert.

Beichte ohne Beichtstuhl

Und wie ist die Sache mit der Beichte? „Wir schauen schon darauf, dass jedes Kommunionkind beichtet. Aber das geschieht in einem offenen Beichtgespräch und nicht in einem Beichtstuhl mit Trenngitter“, erläutert Barbara Kunz. „So hätte ich es mir bei uns auch gewünscht. Ich habe eher gemischte Gefühle, wenn ich an meine Erstbeichte denke“, erinnert sich Michaela Emser.

Ihre erste Beichterfahrung hat die neunjährige Saralena bereits hinter sich. „Na ja, zuerst war es ein komisches Gefühl. Aber dann habe ich festgestellt, dass ich mit dem Pfarrer über alles reden kann“, erzählt sie. „Ich könnte mir vorstellen, das wieder mal zu machen – aber ich habe ja bereits alles gesagt, was ich zu beichten hatte.“

Klassisch in Weiß

Bleibt die Kleiderfrage. Dass die Erstkommunionskinder während der Messfeier mittlerweile in allen Kirchengemeinden Friedrichshafens liturgische Einheitsgewänder tragen, scheint auch bei Eltern und Kindern anerkannt zu sein. Was aber natürlich nicht heißen muss, dass man sich fürs anschließende Familienfest nicht doch was besonders Schickes ausgesucht haben mag. „Ich werde ein klassisches, weißes Kleid anziehen. Es ist ein Erbstück aus der Familie und wurde schon von meiner Ur-Uroma getragen“, erzählt Saralena mit strahlenden Augen. „Ich freue mich aber auch aufs Eis zum Nachtisch.“

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