Rotraut Binder (Mitte) hat sie alle um sich geschart, die in 20 Jahren eine vor allem menschlich beeindruckende Zwischenbilanz
Rotraut Binder (Mitte) hat sie alle um sich geschart, die in 20 Jahren eine vor allem menschlich beeindruckende Zwischenbilanz (Foto: Siegfried Großkopf)
Schwäbische Zeitung
Siegfried Großkopf

Berührend und fröhlich hat der „Freundeskreis Polozk“ im Beisein vieler Gäste aus Weissrussland am Mittwoch im Graf-Zeppelin-Haus seinen 20. Geburtstag gefeiert. Fünf Jahre nach Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde zwischen den beiden Städten aus der Taufe gehoben, haben die Ehrenamtlichen um Rotraut Binder und dem im Februar verstorbenen Karl Bachmann trotz der trennenden 2200 Kilometer unendlich viel Hilfe transportiert.

Vor allem aber wurden menschliche Beziehungen geknüpft, gepflegt und ausgebaut. Für ihre entsprechenden Verdienste auf Polozker Seite zeichnete OB Andreas Brand Taissia Boguschevitsch aus.

Zehn Frauen des Polozker Frauenrates saßen in der ersten Reihe, als Rotraut Binder unter dem von Juliana Syskowitsch aus Polozk gemalten Jubiläumsbild mit den Wahrzeichen beider Städte neben vielen anderen die Oberbürgermeister beider Städte sowie Ex-OB Martin Herzog mit Gattin Cornelia begrüßte, der sein vor fünf Jahren gegebenes Versprechen eingelöst hat, und zwischenzeitlich bereits zweimal in Polozk war.

Blumengeschmückt blieb der Platz von Karl Bachmann leer. „Er fehlt uns unendlich, aber in unserem Herzen ist er bei uns, in Friedrichhafen und Polozk“, betonte Rotraut Binder vor den zwei Puppen, die Frauen aus Polozk vor fünf Jahren gebastelt hatten, die sie und Karl Bachmann als Duo an der Spitze darstellen. Für ihn nahm seine Frau Natallia die Verdienstnadel von OB Nikolaj Schevtschuk entgegen.

Dem Häfler Gemeinderat sei es beim Partnerschaftsbeginn vor 25 Jahren darum gegangen, Brücken zu schlagen. An dieser Verständigung der Völker habe man mitarbeiten wollen. Im Laufe der Jahre sei der Verein größer und bekannter geworden. Doch immer noch müsse man erklären, dass Polozk/Belarus weder in Polen noch in Sibirien liege. Das Problem des Freundeskreises: Die jüngeren Mitglieder fehlen.

Die Vorsitzende zeigte sich begeistert von der Gastfreundschaft in der Partnerstadt und rief zu Besuchen auf. Die nächste Bürgerreise ist für Ende August geplant. In den 20 Jahren der Partnerschaft seien Respekt und Verständnis gewachsen, mehr und mehr werde gemeinsam geplant. Akzeptanz und Unterstützung finde man auch in den Rathäusern, selbst nach Wechseln an der Spitze, dankte Rotraut Binder den Oberbürgermeistern und freute sich, dass vertrautes Personal erhalten blieb. Fahrten nach Polozk seien noch nie in erster Linie Vergnügungsreisen gewesen, sondern von viel Arbeit geprägt.

In angenehmer Erinnerung

Gleichzeitig blieben sie dank der Gastfreundschaft immer in angenehmer Erinnerung. „Die Menschen in der Partnerstadt stehen im Mittelpunkt unseres Handelns,“, sagte Rotraut Binder. Was in den Köpfen und Herzen ankomme, sei wichtiger als Materielles. Sie dankte der Dolmetscherin Elvira Müller, die im Freundeskreis engagiert ist, und dafür sorgt, dass Gesagtes richtig wiedergegeben wird - und „Rotraut“ nicht als „Rote Krawatte“ übersetzt wird, wie von einem Büro geschehen.

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