Der Chemie einmal tief in die Augen blicken

Lesedauer: 3 Min
Viele Gäste kamen zur Buchpräsentation von Mai Thi Nguyen-Kim in die Buchhandlung Ravensbuch.
Viele Gäste kamen zur Buchpräsentation von Mai Thi Nguyen-Kim in die Buchhandlung Ravensbuch. (Foto: Kirsten Lichtinger)
Kirsten Lichtinger

Mehr als 180 Gäste waren am Donnerstagabend in die Buchhandlung Ravensbuch gekommen, um sich von der Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim unterhaltsam über die alltäglichen Aspekte der Chemie und ihrer Auswirkungen zu informieren.

„Die Veranstaltung ist ausverkauft“, sagte Heike Krauß von Ravensbuch. Über so viel Aufmerksamkeit würde sich mancher Chemielehrer glücklich schätzen. Einige von ihnen hatten die Chance genutzt und ihre Schüler zur Buchpräsentation „Komisch, alles chemisch“ geschickt. Dabei plauderte die 31-jährige Autorin locker über ihre Leidenschaft für die Wissenschaft allgemein und die Chemie im Besonderen. Mit ihrem Buch biete sie den Lesern die Möglichkeit, „der Chemie einmal tief in die Augen zu blicken“. Außerdem wolle sie die Faszination für diese Wissenschaft wecken, aber auch dazu beitragen, dass möglichst viele Menschen Forschung verstehen können. Die Freude an der Komplexität und am Widerstehen von einfachen Antworten zu vermitteln zählte ebenfalls zu ihren Motiven, das Buch zu schreiben.

„Das Leben im Alltag wird bereichert und die Liebe zu Zahlen und Fakten wächst“, sagte die junge Wissenschaftlerin. Sie klärte die Zuhörer auf über die chemische Zusammensetzung der zurzeit angesagten MMS-Lösung (Miracle Mineral Supplement). „Das soll alles Mögliche heilen, darunter Ebola, Krebs und Fußpilz“, erklärte sie mit einem Schmunzeln. Chemisch gesehen sei es ein Desinfektions- oder Bleichmittel. Auch die Wirkung von sogenanntem Smartwasser bezweifelte sie. „Das kann man teuer im Supermarkt kaufen, ist aber nur destilliertes Wasser“, so Nguyen-Kim.

Sie beschrieb, dass Kochen und Chemie eng zusammenhängen und kochen ohne Chemie nicht möglich sei. „Jeder gute Chemiker ist auch ein guter Koch“, lautete ihre Schlussfolgerung. Welche Leidenschaft Chemiker antreibt und mit welchem Aufwand wissenschaftliche Studien durchgeführt und ausgewertet werden, auch bei unappetitlichen Ausdünstungen der Menschen, präsentierte sie ihren Zuhörern mit viel Witz.

Allerdings: Das am meisten stinkende Molekül der Welt komme in der Natur nicht vor und müsse künstlich hergestellt werden, tröstete sie das Publikum. „Für mich ist die Chemie der Schlüssel zu einer unsichtbaren Welt“, warb sie für diese Wissenschaft.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen