Der „Buchdrucker“ setzt den Fichten zu

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Freier Mitarbeiter

Der „Buchdrucker“ breitet sich derzeit stärker als in den Jahren zuvor aus. Die langanhaltende Hitzeperiode sowie das milde Frühjahr haben dem rindenbrütenden Borkenkäfer, wie er auch genannt wird, beste Voraussetzungen geschaffen, sich rasch zu vermehren und dem bis zu 60 Jahre alten Baumbestand auch im Seewald zuzusetzen. „Es ist zwar nicht so schlimm wie im Katastrophenjahr 2003, dennoch ist der Befall der Käfer extrem“, sagt Markus Benner, seit 2017 zuständiger Förster für das Forstrevier Friedrichshafen.

Der Buchdrucker ist auf dem Vormarsch. Der Käfer, der bevorzugt Fichten als sein Fress- und Brutrevier bevorzugt, hinterlässt neben weiteren Wäldern auch im Seewald seine Spuren und bereitet den zuständigen Behörden Sorgenfalten. Im Rahmen einer Ortsbegehung hat Förster Markus Benner erklärt, wie es zu dem starken Befall kommen konnte, wie sich die Invasion des Käfers auf den Bestand auswirkt und wie man die Invasion eindämmen, bekämpfen, beziehungsweise den Schaden begrenzen kann. „Ein langanhaltend warmer und trockener Witterungsverlauf hat das Frühjahr und den bisherigen Sommer 2018 auch in unseren Breiten geprägt. Das Zusammenspiel von hohen Temperaturen, defizitären Niederschlagsmengen sowie intensiver Blüte führt zu massiven Ausfällen unter anderem bei Fichten und Tannen und führt bei der Forstwirtschaft zu erheblichen wirtschaftliche Schäden“, erklärt der Experte im Gespräch mit der Schwäbischen Zeitung.

Mit geschultem Auge braucht es nicht lange, bis Markus Benner im Seewald seine Patienten bereits von weitem erkennt. Rötlich eingefärbte Kronen deuten neben anderen Merkmalen auf einen bereits starken Befall hin. Bei genauerem Betrachten fallen rotbrauner Bohrstaub aber auch viele winzige Löcher am Boden und rund um den Stamm auf. „Die Pflanzen haben durch die extreme Trockenheit nicht mehr die Möglichkeit, ihre Abwehrkräfte zu mobilisieren. Durch das Herausharzen am Stamm wehrt der Baum normalerweise die ersten Angriffswellen der rund vier Millimeter kleinen Tierchen ab. Hat sich die Vorhut des Buchdruckers einmal in den Stamm gebohrt und fühlt sich wohl, locken Sexual- und Aggregationshormone weitere Tiere an. Da sich die Brut in der Rinde entwickelt und der Larvenfraß sternförmig erfolgt, wird die Bastschicht zerstört und somit der Nährstofftransport des Baumes unterbrochen. Bei günstigen Bedingungen wie dieses Jahr oder im Rekordsommer 2003 kann es dabei zu Massenvermehrungen mit bis zu drei neuen Generationen kommen. Auf jeden Fall bedeutet dies das Todesurteil für die bis zu 60 Jahre alten Fichten“, betont Benner, der die befallenen Bäume nach der Begutachtung farblich markiert.

Insekten Brutraum entziehen

Schließlich gelte es, mit Hilfe eines sogenannten Vollernters, die kranken Riesen schnellst möglich einzuschlagen, sie zu entasten und anschließend für den Transport in Stücke zu zersägen. Durch diese Maßnahme könne man den Insekten ihren Brutraum entziehen. Gerade einmal eineinhalb Minuten dauert es übrigens, bis der Baum zerlegt ist und für den Abtransport bereitliegt. Das geschlagene Holz werde man laut Benner einer Wiederverwertung zuführen, die Kahlstellen entsprechend aufforsten. „Ziel bei der Wiederbepflanzung ist es, standartgerechte Bäume einzusetzen. Wurden nach dem Krieg vorwiegend Fichten wegen des benötigten Bauholzes gepflanzt, fördert man heute, je nach Standort, robustere Mischwaldbestände.“ Und Benner hat noch einen Rat: „Wir raten Waldbesitzern, aber auch Besitzern von Privatbeständen in Gärten dringend, ihre Fichten regelmäßig und gründlich auf Stehendbefall zu kontrollieren sowie befallenes Holz rasch aufzuarbeiten und abzufahren.“

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