Demontage der „Landshut“ nicht ohne Probleme

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Landshut kommt an den Bodensee

Jetzt ist sicher, worüber schon lange spekuliert wurde. Die Lufthansa-Maschine "Landshut", die 1977 von Terroristen entführt wurde, soll jetzt in Friedrichshafen ausgestellt werden.

Schwäbische Zeitung

Zugeparkt und von Korrosion angegriffen steht die „Landshut“ derzeit in Brasilien und wartet auf die Demontage für den Transport nach Deutschland. Techniker müssen eine Menge kniffliger Probleme lösen – mit acht Tonnen Werkzeug.

Ein gutes Dutzend Experten der Lufthansa-Technik ist nach Angaben eines der Initiatoren der Aktion, Buchautor und Historiker Martin Rupps, derzeit in Brasilien um das Flugzeug vom Typ Boeing 737 auseinanderzubauen und damit fit für einen Rückflug nach Deutschland im Bauch einer Antonov Transportmaschine zu machen.

„Das Team ist mit Leidenschaft an der Arbeit“, sagt Rupps, der selber die Gelegenheit hatte, die „Landhut“ in Brasilien zu besuchen. Doch trotz allem mutmaßlichen Arbeitseifer stehen die Techniker vor etlichen Problemen, zunächst recht trivialer Natur: So steht das Flugzeug derzeit zugeparkt inmitten anderer Flugzeugwracks auf dem Flughafen Fortaleza.

Strom, Wasser, Toiletten

Doch selbst wenn die Lufthansa wieder Platz hätte, reicht der derzeitige Standort nicht aus, um die geplanten Arbeiten – vor allem eine Demontage der Flügel — abzuschließen. Offenbar mangelt es an Strom oder Versorgung wie Wasser und Toiletten für die Technik-Experten. Deshalb sollen zunächst die Platten Reifen des alten Flugzeugs wieder repariert und aufgepumpt werden.

Im nächsten Schritt soll die „Landshut“ dann an einen Platz geschleppt werden, wo sich die weiteren Arbeiten komfortabler erledigen lassen. Dann erst dürften die Techniker das Flugzeug behutsam auseinanderbauen – was gewiss nicht problemlos funktionieren kann. Das Aluminium der Flugzeughaut ist beispielsweise korrodiert, Vögel und Insekten nisten laut Medienberichten in Cockpit und Öffnungen der Maschine.

Schon vor Wochen war deshalb klar, dass ein pünktlicher Rücktransport des Flugzeugs zum 40. Jahrestag ihrer Befreiung am 18. Oktober 2017 wohl nicht mehr gelingen kann.

Vier Wochen Zeit

Nun bestimmt also der Zustand des Wracks den weiteren Terminkalender des Teams der Lufthansa-Technik. Dort ist man offenbar für alle Eventualitäten gerüstet: 8,5 Tonnen Werkzeug ließen die Demontage-Experten der deutschen Airline, der die „Landshut“ einmal gehört hatte“, jüngst für das Projekt in Brasilien einfliegen.

Innerhalb der kommenden vier Wochen könnten die Arbeiten an der Landshut laut Medienberichten beendet werden. Der Transport selbst dürfte dann nur kurze Zeit in Anspruch nehmen.

Was tut sich in Friedrichshafen?

Unabhängig von den Demontagearbeiten ist die „Landshut“ weiterhin ein Thema in Friedrichshafen. Nach Angaben der Stadtverwaltung soll es frühestens im September Gespräche zwischen Stadt und dem Außenministerium geben. Darin dürfte es auch um Kritik am Projekt seitens der Stadt Friedrichshafen und um mögliche Kooperationen bei dem Projekt gehen. Auch David Dornier, Leiter des Dorniermuseums Friedrichshafens, sucht nach Auskunft des Museums derzeit nach einem Gesprächstermin mit Stadt Friedrichshafen und Stadträten um offene Fragen zu klären.

Was ist die „Landshut“?

Am 13. Oktober 1977 kaperten vier palästinensische Terroristen die „Landshut“. Die Boing 737 war auf dem Flug von Palma de Mallorca nach Frankfurt. An Bord waren 86 Passagiere und fünf Besatzungsmitglieder. Die Forderung der Geiselnehmer: Unter anderem die Freilassung von elf RAF-Terroristen in Deutschland. Nach einem Irrflug landete die Maschine in Mogadischu (Somalia). Noch zuvor wurde Pilot Jürgen Schumann von den Terroristen erschossen.

Am 18. Oktober stürmten Einsatzkräfte der GSG-9 die Maschine und befreiten die Geiseln. Drei der Terroristen wurden bei der Aktion getötet. Die Entführung der „Landshut“ ist der Höhepunkt des sogenannten Deutschen Herbst im September und Oktober 1977. Unmittelbar nach der Befreiung der „Landshut“ brachten sich führende RAF-Mitglieder wie Jan-Carl Raspe, Gudrun Ensslin und Andreas Baader im Gefängnis um. Einen Tag später gab die RAF die Ermordung des BDI-Vorsitzenden Hanns Martin Schleyer bekannt. Der Scheitelpunkt des RAF-Terrors war damit überwunden, der Staaat hatte sich nicht erpressen lassen.

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