Das Rote Kreuz hilft Migranten bei der Jobsuche

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 Reinhard Nedela (zweiter von links) erläutert DRK-Kreisgeschäftsführer Jörg Kuon (links), dessen Stellvertreter Karl-Heinz Jaek
Reinhard Nedela (zweiter von links) erläutert DRK-Kreisgeschäftsführer Jörg Kuon (links), dessen Stellvertreter Karl-Heinz Jaekel und Natalie Ammon die Plattform „JobKraftwerk“. (Foto: Harald Ruppert)

Das Deutsche Rote Kreuz intensiviert im Bodenseekreis die Beratung von Menschen mit Migrationshintergrund. Auch in der Hilfe bei der Jobsuche tut sich was: In der Initiative „JobKraftwerk“ hat das DRK einen effizienten Partner gefunden.

150 Personen sollte ein Migrationsberater im Jahr beraten. Im Bodenseekreis waren es beim DRK im vergangene Jahr hingegen 273. Das ist weniger als der Bundesschnitt von 370, aber trotzdem deutlich zu viel. Jetzt wird die Migrationsberatung aufgestockt. Bislang teilen sich Natalie Ammon (Friedrichshafen) und Sabine Große (Uhldingen-Mühlhofen) 1,3 Stellen. Nun kommt eine Vollzeitstelle hinzu.

Zwar hat das DRK seine Flüchtlingsarbeit im vergangene Jahr beendet, aber die Migrantenberatung kommt auch Geflüchteten zugute. Sie steht allen offen, die eine mindestens einjährige Aufenthaltserlaubnis haben, sowie Asylbewerbern mit guten Bleibeperspektiven - das gilt für Geflüchtete aus Iran, Irak, Eritrea, Somalia und Syrien. Auch Zuwanderer aus EU-Staaten und Spätaussiedler werden beraten. „Wir betrachten nicht nur die Einzelperson, sondern beraten auch die Familienangehörigen“, sagt Natalie Ammon. Die thematischen Schwerpunkte sind vielseitig: Das DRK zeigt berufliche Perspektiven auf, gibt Tipps zur Anerkennung von beruflichen und schulischen Qualifikationen, leistet Hilfe bei Bewerbungen, informiert über die Regelungen zum Familiennachzug und zum Erwerb der deutschen Staatsbürgerschaft. Eine große Rolle spielt die Vermittlung in Sprach- und Integrationskurse und die Unterstützung beim Umgang mit den Behörden. Das gesamte Angebot der Migrationsberatung ist freiwillig und kostenlos. Wegen des Andrangs muss mit einer Wartezeit von drei bis vier Wochen gerechnet werden.

Manchmal bleibt es bei einer einmaligen Beratung, aber oft schlagen die Hilfesuchenden mit einem ganzen Bündel von Problemen auf und die Betreuung dauert mehrere Monate. Unter den Geflüchteten, die 2015 nach Deutschland kamen, sprechen viele schon recht gut Deutsch, berichtet Natalie Ammon. Andere bringen Personen ihres Vertrauens mit, die übersetzen. Ohne Deutschkenntnisse funktioniert im günstigsten Fall die direkte Verständigung auf Englisch.

Für Natalie Ammon ist es ermutigend wenn es gelingt, Menschen in Praktika und Ausbildungen zu vermitteln oder eine Familienzusammenführung zu ermöglichen. Auch Einbürgerungen konnten schon erfolgreich auf den Weg gebracht werden.

Der wichtigste Schlüssel zur Integration ist neben der Sprache aber eine berufliche Tätigkeit. Davon ist Reinhard Nedela überzeugt. Der Computertechniker hat 2015 den Arbeitskreis Flucht und Asyl in Markdorf mitgegründet und lebt inzwischen in Salem. Er arbeitet ehrenamtlich mit dem DRK zusammen, indem er den Mitgranten bei den Bewerbungsunterlagen hilft. Dazu nutzt er die Internetplattform „JobKraftwerk“. „Damit kann man einen professionellen, gut strukturellen Lebenslauf erstellen. Auch auf dem Smartphone“, sagt Nedela. Das ist wichtig, weil fast jeder Geflüchtete ein Smartphone hat, aber wenige einen PC bedienen können, geschweige denn einen besitzen. Bereits in VHS-Kursen ist es Nedela gelungen, innerhalb von drei Stunden die Lebensläufe von bis zu 14 Kursteilnehmern in Form zu bringen. Die fertigen Unterlagen bleiben gespeichert und können dauernd aktualisiert werden. „JobKraftwerk“ führt Bewerber und Arbeitgeber zusammen. „Eine Firma im Bodenseeraum kann sich auf der Plattform anmelden und dort das Berufsbild eingeben, das sie braucht“, sagt Nedela. Und da „JobKraftwerk“ in vier Sprachen gleichzeitig funktioniert - Arabisch, Farsi, Englisch und Deutsch - herrschen optimierte Kommunikationsverhältnisse. Findet ein Arbeitgeber das anonymisiert veröffentlichte Profil eines Arbeitssuchenden, kann er per E-Mail um Kontaktaufnahme bitten. Karl-Heinz Jaekel, Abteilungsleiter Sozialarbeit beim DRK, ist von dem Projekt begeistert. „Das ist differenziert und umfassend“, sagt er. Zugleich sei es eine Puzzlearbeit, das Leben von Geflüchteten auf Kenntnisse und Fähigkeiten hin abzufragen. Ein anderer Weg bleibt oft aber nicht. Denn ein qualifiziertes Ausbildungssystem mit Abschlusszeugnissen gibt es in den Fluchtländern in der Regel nicht.

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