Das Leben geht immer irgendwie weiter

Das Buchcover
Das Buchcover (Foto: pr)
Schwäbische Zeitung
Redakteur

Die Idee entstand aus einer Notlage, aus dem Wunsch, ein Ventil zur Verarbeitung der eigenen Situation zu finden und aus dem Wunsch, ein Tagebuch zu schreiben. Sylvie Roger, das Pseudonym einer Häflerin, legt mit dem Buch „Toms verlorene Jugend“ ein ergreifendes und beeindruckendes Werk vor, eine Beschreibung ihrer selbst, ihrer Familie und schließlich ihres Sohnes Tom, der Drogen zu seinem Verhängnis hat werden lassen. Auch sein Name ist geändert, ebenso wie die der anderen Figuren, die in dem Buch vorkommen. „Ich wollte sie und mich schützen und trotzdem offen über alles sprechen. Ich habe einfach ein Ventil gebraucht“, sagt die Mutter, für die das Buch weit mehr als nur ein Druckablassventil ist. Im Gespräch über das Schreiben, über ihren Sohn und ihre Geschichte nimmt das Schreiben des Buches eine zentrale Rolle ein und besetzt beinahe den Platz der Lebenserhaltung.

Wenn Eltern durch Unfall, Schicksal oder wie auch immer zu bezeichnende Momente in Lebenssituationen geraten, aus denen sie sich nicht helfen können, in denen sie auch wenig Hilfe von außen erfahren, dann stellt die Eigenverarbeitung dieser Erlebnisse in den meisten Fällen den Strohhalm dar, der im Fluss der Ereignisse vor dem Untergang rettet. So in etwa hat auch Sylvie Roger es erfahren, als sie mit dem Schreiben begann. Ihr Sohn, um den und dessen Drogensucht es hier geht, hat das nie verstanden, hat es nicht gewollt, dass sie seine Geschichte schreibt. Auch das ein Grund, weswegen sie anonym und unter Pseudonym schreibt.

Es ist nicht das literarische Meisterwerk, um das ging es auch gar nicht. Es ist aber ein sehr dichtes und gefühlvolles Werk, das die Autorin hier vorlegt und mit dem sie Menschen ansprechen will. Als Zielgruppe hat Sylvie Roger nicht nur andere Eltern im Sinn. Sie spricht Drogenabhängige an, deren Angehörige, die in Co-Abhängigkeit geraten, sie will Jugendliche erreichen, die durch die Intensität des Buches erfahren, was so etwas bei Eltern und Jugendlichen selbst auslösen kann. Und Eltern, die sich schlicht informieren wollen. Hier liegt kein Ratgeber vor, aber das Buch hat Rat und macht Mut.

Es erzählt die Geschichte eines Jugendlichen, der abrutscht, der Drogen nimmt, und der in den Abwärtssog gerät, die Geschichte eines Menschen, der körperlich an den Drogen zerfällt. „Plötzlich saß Tom im Rollstuhl, immer mehr Dinge kamen dazu, immer größer wurde die Belastung.“ Trauer, Freude, Scham – das Wechselbad der Gefühle findet sich auf den Seiten des Buches, wie es im echten Leben für ein stetes Auf und Ab sorgte. Hoffnung und Ernüchterung hätten sich abgelöst, sagt Sylvie Roger. Und doch hat die Autorin durchgängig vermieden „Negativsprache“ zu nutzen, wie sie sagt.

Auf das, was sie dort schreibt, müssen sich die Leser einlassen, sie müssen es aushalten. Und am Ende der Lektüre ist dieses Buch in der Lage, Hoffnung und Trost zu geben, es schafft Licht im Dunkel der Realität und motiviert vor allem Menschen in ähnlichen Situationen dazu, Ähnliches zu tun. Sich ein Ventil zu suchen, eine Art Umgang mit dem Ereignis zu finden, sei besonders wichtig. Für sie steht derzeit die weitere Geschichte im Mittelpunkt.

Das zweite Buch soll in einem Jahr erscheinen, es ist die Fortsetzung einer Geschichte, an dessen Ende die Erkenntnis der Autorin steht, dass das Leben weiter geht. „Es ist eben nur eine Frage, wie wir damit umgehen.“ Sie wünscht sich, dass ihr Buch Mut macht und Betroffene dazu bringt, nicht aufzugeben. Bei denen, die dieses Buch lesen, wird sie diesen Wunsch erfüllt sehen.

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