Der Philharmonische Chor glänzt im Graf-Zeppelin-Haus.
Der Philharmonische Chor glänzt im Graf-Zeppelin-Haus. (Foto: Christian Lewang)
Gerd Kurat

Beim großen Konzert im Jubiläumsjahr „150 Jahre Philharmonischer Chor Friedrichshafen“ unter der Leitung von MD Joachim Trost haben die Zuschauer eine hell leuchtende Aufführung von Joseph Haydns „Die Schöpfung“ zusammen mit der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz und drei hervorragenden Solisten erlebt. Die Schöpfungsgeschichte mit ihren bildhaften Naturschilderungen und dem idyllischen Zusammenleben von Adam und Eva vor dem Sündenfall wird gerne aufgeführt, aber selten hört man eine Aufführung wie im Graf-Zeppelin-Haus, bei der sich alle Mitwirkenden auf Augenhöhe treffen.

Der Philharmonische Chor präsentierte sich mit seinen rund 80 Mitgliedern bestens präpariert für das Jubiläumskonzert. Ganz natürlich, sehr ausgeglichen agierten die Sänger in den dynamisch fein austarierten Jubelchören. In bestechender Intonationsreinheit, ausgewiesener Textdeutlichkeit, stabiler Rhythmik, großer Variabilität und punktgenauen Einsätzen, deutlich von Trost eingefordert, bekamen die komplexen Fugenteile beispielhafte Transparenz in unverkrampfter Leistung. Im konzentrierten Gesamtklang mit eingewobenen Soloteilen, frei schwebend, hatten die Konstanzer unter der wohldurchdachten Leitung von Trost in der Einleitung das Chaos vorgestellt. Die vielen Naturlaute, der zackige Hirsch, das Löwengebrüll, der Sonnaufgang oder die Stimmung im Paradies traten lebendig und äußerst farbig durch die vielen Soloinstrumente vor die Augen der Zuhörer. Jede Begleitfigur war deutlich zu hören. Trost wählte zwar ein zügiges Tempo, aber die melodischen Linien waren plastisch herausgearbeitet. Einen entscheidenden Part nehmen die Solisten in der Rolle der Erzengel, im letzten Teil als Adam und Eva, ein. Als Gabriel und Eva war kurzfristig Susanna Martin für die erkrankte Katja Stuber eingesprungen. Ihre schlanke Sopranstimme führte sie leicht und beweglich in sichere, intonationssaubere Höhe. Der erfahrene Tenor Tilman Lichdi ist der geborene Rezitativgestalter. Sein zurückgenommener Erzählton als Uriel im Wechsel mit dramatischer Entfaltung fesselte die Zuhörer ungemein. Der Arie „Mit Würd’ und Hoheit angetan“ gab er reinen C-Dur-Glanz mit verspielten Verzierungen. Wie ein Fels in der Brandung, mit viel Bühnenpräsenz, stand David Steffens als Raphael und Adam auf der Bühne. Seinen voluminösen Bass kann er in eine wunderbare, erstaunliche Tiefe führen. Er hat gleichzeitig aber in der Baritonlage noch Gestaltungskraft, die er im Liebesduett mit Eva zeigte.

Im prächtigen Schlusschor, nach Händel’schem Vorbild, führte Trost nach mächtigen Eingangs-Akkorden, einer grandios beweglichen Doppelfuge mit eingeflochtenen Solistenkoloraturen, alle Beteiligte zum voll klingenden Amen. Lang anhaltender, mehr als verdienter Beifall für eine im Gedächtnis bleibende Aufführung.

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