„Das Forum ist im Werden, alle Glaubensrichtungen sind immer willkommen“

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Ralph Klause vom Ministerium für Soziales und Integration erläutert das Projekt „Lokale Räte der Religionen“.
Ralph Klause vom Ministerium für Soziales und Integration erläutert das Projekt „Lokale Räte der Religionen“. (Foto: Lichtinger)
kili

Rund 50 Gäste hat die städtische Integrationsbeauftragte Natascha Garvin zur Auftaktveranstaltung des neuen Forums der Religionen im Graf-Zeppelin-Haus begrüßt. Gekommen waren Vertreter der christlichen und freien Kirchen, der serbischen und orthodoxen Kirchen, verschiedener islamischer Gemeinden, aber auch Buddhisten und andere Religionsgemeinschaften.

„Das ist ein Startschuss für einen Dialog auf Augenhöhe“, freute sich Yalcin Bayraktar, Leiter des Amts für Soziales, Familie und Jugend der Stadt. Er erhofft sich von diesem Gremium Impulse gegen Diskriminierung, aber auch gegen politischen und religiösen Extremismus. „Die Stadt ist neutraler Moderator und bietet ein Dialogforum. Außerdem leistet sie Geburtshilfe für ein neues Netzwerk und will die Akzeptanz für religiöse Vielfalt erhöhen“, erläuterte er einige Ziele des neuen Forums.

Natascha Garvin zeigte sich beeindruckt von den vielen Teilnehmern, bedauerte aber, dass keine Vertreter des jüdischen Glaubens, der Jesiden und Schiiten gekommen waren. „Das Forum ist im Werden, alle Glaubensrichtungen sind immer willkommen“, appellierte sie. Ralph Klause vom baden-württembergischen Ministerium für Soziales und Integration verwies auf das landesweite Projekt „Lokale Räte der Religionen auf den Weg bringen“. Die religiöse Pluralisierung habe sich so weiterentwickelt, dass den Kommunen oft der Überblick fehle. „Es geht darum, zu sondieren, den Kontakt zu Religionsvertretern herzustellen und Ansprechpartner zu finden“, erklärte er. Damit soll das Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt werden, aber auch gute Projekte auf kurzen Wegen vorgestellt werden.

Einige Teilnehmer schilderten anschließend ihre Erwartungen. Issam Awad aus Syrien wünschte sich ein friedliches Zusammenleben und die Mitwirkung an gemeinsamen Projekten. Hüda Tuzlu setzt sich für einen christlich-islamischen Dialog ein und freut sich auf viele schöne Begegnungen in dem neuen Gremium. Huey Tünay erklärte: „Wir möchten hier gemeinsam leben, voneinander lernen und kommunizieren.“ Jamila Bodenmiller erläuterte die Vorstellungen der Bahai-Religion. „Trotz aller Unterschiede ist die ganze Menschheit eine Einheit“, sagte sie.

Anschließend erarbeiteten die Teilnehmer in verschiedenen Gruppen ihre Vorstellungen für das neue Gremium. Welche Aktivitäten oder Projekte könnte es zukünftig geben, was ist bereits vorhanden, welche aktuellen Themen in Bezug auf das Zusammenleben der verschiedenen Religionen sind derzeit aktuell, was können die Teilnehmer beitragen, um aus dem Forum der Religionen ein erfolgreiches integrationspolitisches Gremium zu machen? Diese Themen gehörten zum Aufgabenspektrum der verschiedenen Arbeitsgruppen. Drei städtische Gremien befassen sich mit Integration: Der Integrationsbeirat mit Mitgliedern, die der Gemeinderat benennt, das Forum der Kultur und das neue Forum der Religionen. Die Neuaufstellung der Integrationsgremien hat der Gemeinderat Anfang 2018 beschlossen, so Yalcin Bayraktar. Das Forum der Religionen Friedrichshafen ist Teil des Modellprojekts „Lokale Räte der Religionen“ der Stiftung Weltethos und dem Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg. Geplant sind vorerst drei Sitzungen pro Jahr.

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