Auf Tuchfühlung mit einer kleinen Hästräger-Abordnung: VfB-Cotrainer Adam Swaczyna (rechts).
Auf Tuchfühlung mit einer kleinen Hästräger-Abordnung: VfB-Cotrainer Adam Swaczyna (rechts). (Foto: Günter Kram)
Schwäbische Zeitung
Sportredakteur

Während eines Spiels gibt es Situationen, die untrüglich den Ausgang einer Begegnung voraus erahnen lassen. Und als Zuschauer, zumal als Fan einer Mannschaft, kann man sich darin üben, solche Situationen zu entdecken – oder sich zumindest im Nachhinein bewusst zu machen. Ein solches Momentum war beim 3:0-Heimsieg der VfB-Volleyballer am Samstagabend gegen die Bergischen Volleys gut zu beobachten. Bei eigener Führung (16:13) im dritten Satz hatten die Häfler Aufschlag, der Annahmeriegel auf der anderen Netzseite bugsierte den Ball zurück zum Netz. Den folgenden Angriffsball brachte VfB-Libero Markus Steuerwald nicht unter Kontrolle, der zweite Abwehrversuch seiner Nebenleute missglückte. Nun flog das Spielgerät in entgegengesetzter Richtung zum Netz. Athanasios Protopsaltis gab nicht auf, rannte hinterher, erlief den Ball in fast auswegloser Lage und musste ihn aufgrund der dritten und letztmöglichen Ballberührung seiner Mannschaft per Angriffsbagger zurück ins gegnerische Feld wuchten. Was ihm mit Fortune glückte: Wenige Sekunden später war der Solinger Angriff eine sichere Beute für den VfB-Block. Die Halle bebte, die Besucher riss es von den Stühlen – Standing Ovations für eine gelungene Aktion. Kurz darauf stand es 25:21 und 3:0, die Partie war gelaufen, der VfB thront weiterhin ungeschlagen an der Tabellenspitze der Volleyball-Bundesliga.

Knapp eine Stunde nach Spielschluss blickte Siggi Rehm am VIP-Tisch der Volleyballfreunde im Obergeschoss der ZF-Arena angestrengt ins Display seines Handys. „Jetzt muss es Lüneburg machen. Sonst wird’s schwierig“, murmelte er zu den Stammtischkollegen. Soeben hatten die Berlin Recycling Volleys den ersten Matchball zum 22:24 abgewehrt. Kurze Zeit später ein kurzes Kopfnicken am Tisch – vollbracht. Lüneburg besiegte den amtierenden Deutschen Meister glatt in drei Sätzen, womit sich Trainer Luke Reynolds, wie am Montag bekannt wurde, um seinen Job – und den langjährigen VfB-Meistercoach Stelian Moculescu zum Comeback des Jahres brachte.

Den 15. Saisonsieg der Häfler Volleyballer im 15. Bundesligaspiel verfolgten offiziell 1150 Zuschauer – Negativrekord in der laufenden Saison. Nicht gefruchtet hatte das Angebot der VfB-Verantwortlichen an die Fasnetsgemeinde. Immerhin winkte den Mitgliedern der Zünfte freier Eintritt gegen den Tabellenletzten. Doch nur ganz vereinzelt zeigten die Hästräger Flagge. Gar nicht blicken ließen sich die Mitglieder der Lumpenkapelle. Sie hatten am Fasnetssamstag wohl Besseres vor.

Auch Vital Heynen suchte man am Samstagabend in der ZF-Arena vergebens. Der VfB-Cheftrainer hatte am Wochenende geschäftlich in Polen zu tun, ließ sich von Co-Trainer Adam Swaczyna an der Seitenlinie vertreten und erschien erst zu Wochenbeginn wieder am Bodensee zur Übungseinheit nach dem trainingsfreien Sonntag. Ein Ausblick auf die Zukunft? Heynen ist ja seit letzter Woche Nationaltrainer Polens. Kann gut sein, wenn man Heynen so zuhört: „Wenn ich mit einer Mannschaft ins dritte Jahr gehe, müssen die Spieler genau wissen, was sie tun. Ich muss sie dann nicht mehr so kontrollieren“, sagte er. „Ich war nicht nervös“, sagte Swaczyna nach getaner Arbeit. Keine Berührungsängste zeigte der 29-jährige Pole beim Abklatschen mit den Fans.

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