Chor und Instrumente sorgen für Romantik
Schwäbische Zeitung
Christel Voith

„Über allen Gipfeln ist Ruh...“ Mit dieser ersten Zeile von Goethes berühmtem Gedicht „Wanderers Nachtlied“ hat Hans-Peter Sailer die Serenade der Camerata serena am Sonntagabend im Graf-Zeppelin-Haus überschrieben, mit diesem Lied in der Vertonung von Moritz Hauptmann hat er auch den Abend eingeleitet.

Es war ein friedvoller, schöner Abend und doch überschattet von Wehmut, denn es war das letzte Konzert des Vokalensembles, das sich mit seiner gehobenen Chormusik einen festen Platz in der Region geschaffen hat. 1987 hat Hans-Peter Sailer das Ensemble initiiert, 25 Jahre hat er es mit großer Freude geleitet, doch nun beendet er die Ära des Projektchores mit Sängerinnen und Sängern, die bis aus Sigmaringen kamen.

Je vier Sopran-, Alt-, Tenor- und Bassstimmen fügten sich am Sonntagabend zu einem feinen Kammerchor, der den zahlreichen Anhängern im Saal noch einmal die Klangkultur erlebbar machte, die die „Camerata serena“ von Anfang an gepflegt hatte. Besonders gedankt sei Ulrike Sailer, die kurzfristig noch für eine erkrankte Altistin eingesprungen war und somit den ganzen Abend über zwischen dem Pult als Flötensolistin und dem der Sängerin hin und her pendelte.

Wunderbarer A-cappella-Gesang

Romantische Abendlieder hat Hans-Peter Sailer zusammengestellt, dazu stimmungsvolle Musikstücke für Flöte und Harfe. Wunderbar strömte der A-cappella-Gesang in den Raum, hüllte mit Wärme ein, sang von Sehnsucht und Liebe und Abschied. Immer neue Stimmen erwuchsen in Camille Saint-Saens’ „Calme des nuits“ wie klösterlicher Gesang aus der Tiefe. Helles Licht leuchtete in Brahms’ Abendständchen auf und verlöschte wieder. Von Qualen und Pein sprach Paul Heyses „Waldesnacht“, in der das „wilde Herz“ Ruhe sucht – Ruhe und Friede sprach aus Brahms’ Vertonung. Im Volkslied „Des Abends kann ich nicht schlafen gehen“ kam die Liebessehnsucht ins Spiel, der Traum vom Besuch bei der Herzallerliebsten, ihm folgte Rheinbergers trauriges Liebeslied zum Mörike-Gedicht, das die Untreue des Schätzleins beklagt. Eine unbestimmte Trauer lag über Brahms’ Vertonung von Friedrich Spees „In stiller Nacht“, dann kehrten die Sänger mit Rheinbergers „Abendfrieden“ zurück in eine friedvolle Nacht und mit Rheinbergers „Abendlied“ stand ein inniges Gebet am Ende.

Eingeflochten in die Lieder waren Duos und Soli für Flöte und Harfe, bezaubernd stimmungsvolle Stücke von Spohr bis Fauré, warm strömte Ulrike Sailers Flötenton, geheimnisvoll lockend mit Debussys Syrinx, träumend mit Bizet, zärtlich mit Fauré Wiegenlied, und ebenso schön und klar klang dazu die Harfe unter Ekaterina Afanasievas sensiblen Händen.

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