Chor St. Columban mischt Jazz und Choräle

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Renate Habermaas

Mit einem herausragenden Konzert in der fast vollen Kirche hat der Chor St. Columban unter der Leitung von Marita Hasenmüller das Jubiläumsjahr „50 Jahre St. Columban“ abgerundet. Durch Bob Chilcotts „A Little Jazz Mass“ gefolgt von „Gregorianik & Jazz“ von Thomas Gabriel griff der Chor zu geistlichen Liedern, die zum Teil von Jazzelementen durchzogen waren und kontrastreich mal peppig, mal erhaben leise den Kirchensaal erfüllten.

Kein Zweifel: Der Brite Bob Chilcott legte in seiner „A Little Jazz Mass“ ein unglaubliches Talent zu Tage in seiner Bearbeitung sowie im Erfinden jazziger Momente für geistliche Choräle. Beim Publikum kam die moderne Bearbeitung gut an. „Das Jazzige hat richtig Schwung hineingebracht“, war nach dem Konzert zu hören, das auch junge Besucher angezogen hat. Mit dem Auftritt der Sopranistin Anja Zirkel und der Jazzband gelang es dem Chor im zweiten Teil des Konzerts, gregorianische Gesänge mit Jazz zu mischen.

Spannende Dramaturgie

Kontrastreich war auch der Gegensatz der leisen, klaren Töne in den Soloparts von Anja Zirkel, denen Passagen von unerwarteter packender Dynamik des Chors entgegengesetzt wurden und so zuließen, dass sich eine spannende Dramaturgie aufbaute.

Ganz besonders dieser Teil des Gesangs und die an ein Zwiegespräch erinnernde Passage mit Wechsel zwischen Sopranistin und Saxofon fand bei den Zuhörern großen Anklang. „Obwohl ich kein Jazzfreund bin und unter gregorianischen Gesängen etwas anderes erwartet habe, war ich angenehm überrascht von den Interpretationen“, meinte eine Zuhörerin am Ende des Konzerts. In der Vertonung des bekannten Psalms 23 bewies der Chor seine Wandelbarkeit in der Dynamik, stieg bei der Passage „Er deckt mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde“ in einen vielstimmigen Gesang ein mit vollem Klang und unterstützte eindrucksvoll gesanglich die Tragweite dieses Verses. Dabei folgte der Chor aufmerksam Hasenmüllers Dirigat, die am Pult mit ganzem Körpereinsatz Dynamikanweisungen und Choreinsätze vorgab. Viele Zuhörer werden den Ausruf „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“ aus der Vertonung des Psalm 22 in Erinnerung behalten. Der Chor stieg immer wieder in neu interpretierte Episoden dieses Aufschreis ein, von klagend bis hin zum verzweifelten Schrei, um dazwischen zu singen: „Gib mir Antwort, Gott“. Das Schlusslied mit dem Solo von Luca di Benedetto war kaum verklungen, da folgte ein großer und langer, wohlverdienter Applaus.

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