Das Amtsgericht befasst sich mit einer gemeinschaftlich begangenen Körperverletzung.
Das Amtsgericht befasst sich mit einer gemeinschaftlich begangenen Körperverletzung. (Foto: Oliver Berg)
Kirsten Lichtinger

Vier Männer stehen derzeit wegen des Vorwurfs der gemeinschaftlich begangenen Körperverletzung vor dem Tettnanger Amtsgericht. Sie sollen bei einer Prügelei im März vergangenen Jahres in einem Mehrfamilienhaus in Friedrichshafen einen 25-Jährigen angegriffen haben. Der 25-Jährige hatte sich mit einem Messer gewehrt und einen der Angeklagten lebensgefährlich verletzt. Am zweiten Verhandlungstag am Dienstag sagten zwei Polizeibeamte als Zeugen aus, um zu klären, wer die Auseinandersetzung angezettelt hatte und ob der 25-Jährige wirklich erst aus Notwehr zum Messer gegriffen hatte.

Ein Zeuge der Schlägerei, ein Mitbewohner, hatte am ersten Verhandlungstag zu Protokoll gegeben, dass der 25-Jährige als Erster das Messer gezogen habe. Bei seiner ersten Aussage bei der Polizei hatte er laut Ermittlungsakten noch angegeben, dass die Angeklagten die Prügelei begonnen hätten. Diese Aussage bestätigte der zuständige Kriminalhauptkommissar am Dienstag: Es hätten sich weder bei der ersten noch bei der zweiten Vernehmung des Zeugen Widersprüche ergeben. Auch die Auswertung der Videokamera habe diesen Ablauf bestätigt, sagte der Ermittlungsleiter. Die Kamera sei allerdings lediglich im Außenbereich des Hauses angebracht.

Auch die Aussagen des Opfers hätten sich mit der des Mitbewohners, in dessen Wohnung der Mann am Tatabend geflüchtet sei, gedeckt. Insgesamt sei die Aussage des Mitbewohners, dass die jungen Männer die Prügelei begonnen hätten, schlüssig und nachvollziehbar gewesen.

Weiterhin im Dunkeln blieb das Motiv der vier Angeklagten. „Wir vermuten, dass man dem Opfer allseits eine Abreibung verpassen wollte“, erklärte der Polizeibeamte vor Gericht. Dazu passe auch die Auswertung eines Chatverlaufs des Mobiltelefons eines der Angeklagten kurz vor der Tat. In dem Haus sei jetzt „aufgeräumt, ich steche alle ab, andere sind unterwegs“, habe es darin unter anderem geheißen.

Außerdem sei mindestens ein Schuss gefallen, sagte ein weiterer Polizeibeamter aus, der mit der kriminaltechnischen Ermittlung betraut war. Ein Gutachten wies an den Händen von zwei Angeklagten Schmauchspuren nach. Allerdings wurde die Waffe nicht gefunden, die Spurensicherung fand in der Wohnung des Zeugen lediglich eine Patronenhülse, deren Patrone wohl mit Pfeffer gefüllt war. Auch das Messer, mit dem das Opfer einen der Angeklagten verletzt hatte, wurde nicht gefunden. Die Zustände in dem Mehrfamilienhaus seien chaotisch gewesen und die Spurensicherung dementsprechend schwierig, berichtete der Beamte. Da mehrere Zeugen, darunter ein weiterer Mitbewohner und die Lebensgefährtin eines der Angeklagten der Vorladung des Gerichts nicht gefolgt waren, wurde ein weiterer Verhandlungstag für Freitag angesetzt.

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