Canisius-Kirche wird 90 Jahre: Maria Bart erinnert sich

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Maria Bart hat als Kind den Neubau der Canisius Kirche erlebt. Hier zeigt sie auf ein Bild des geschmückten Altarraumes aus den
Maria Bart hat als Kind den Neubau der Canisius Kirche erlebt. Hier zeigt sie auf ein Bild des geschmückten Altarraumes aus den 1960er Jahren. (Foto: Brigitte Geiselhart)
Brigitte Geiselhart

Sich mit dieser Frau unterhalten zu dürfen, ist eine große Freude. Sie weiß viel, hat viel zu erzählen – und jede Menge Geschichten parat. Kaum zu glauben, aber wahr: Maria Bart ist 96 Jahre alt – und damit älter als die Canisius-Kirche, die in diesem Jahr noch ihren 90. Geburtstag feiern darf. Und gerade mit dieser Kirche und ihrer Gemeinde fühlt sich Maria Bart besonders verbunden – war sie hier doch jahrzehntelang als „Seelsorgehelferin“ tätig und in vielfacher Weise engagiert.

„Die Seelsorgehelferin entspricht dem heutigen Berufsbild einer Gemeindereferentin“, klärt die rüstige Dame auf. Aufgewachsen ist sie zusammen mit ihrer Familie in der Wendelgardstraße. Schon ihr Vater war ein gebürtiger Häfler. „Meine Verwandtschaft kann sogar bis ins alte Buchhorn zurückverfolgt werden“, sagt sie und erzählt davon, dass sie als kleines Mädchen Schlitten gefahren sei – auf der ehemals großen Wiese, wo heute die Kirche steht. Die Kirchweih durch Bischof Sproll im November 1928 hat sie als Siebenjährige an der Hand ihrer Mutter erlebt, war schon von jungen Jahren an in der katholischen Jugend aktiv, kann sich in den Vorkriegsjahren an Robert Mayer als „Bubenvikar“ und Josef Hirsch als „Mädlevikar“ erinnern und daran, dass man frühzeitig kommen musste, um beim Sonntagsgottesdienst um 7.30 Uhr einen Sitzplatz zu bekommen. „Einmal pro Monat wurde in der Canisius-Kirche Hochamt gefeiert“, weiß sie. „Dekan Steinhauser hat nicht mehr genehmigt, weil er Angst hatte, dass sonst seine Nikolauskirche nicht voll werden würde“, fügt sie schmunzelnd an.

Blaues Kleid mit weißem Kragen

Natürlich sind auch die Fliegerangriffe am 28. April 1944 – und ihre verheerenden Auswirkungen auf die Canisius-Kirche – unauslöschlich in Maria Barts Gedächtnis eingebrannt. „Die Canisiuss-Statue am kleinen Tischchen vorn in der Kirche hat den Angriff überlebt. Für mich war sie lange Zeit wie eine Reliquie“, sagt sie. Zerstört war hingegen das Nazi-Parteihaus, dort wo heute das Technische Rathaus steht. „Und diese Vaterunserkiste steht noch.“ Auch solche Äußerungen von Parteigenossen mit Blick auf die Canisius-Kirche hat sie nicht vergessen.

Das Kriegsende sollte auch für Maria Bart den Wendepunkte mit sich bringen. Nach dem Abschluss von Hauswirtschaftsschule und Handelsschule hatte sie von 1938 bis 1946 als Stenotypistin bei der ZF gearbeitet – 1943 war in den Kriegswirren ihre Abteilung nach Langenargen verlegt worden. Der ehemalige Vikar und Kaplan Valentin Mohr war mittlerweile zum Stadtpfarrer ernannt worden. Weil das Pfarrhaus nicht mehr bewohnbar war, kam der Pfarrer in Maria Barts elterlichem Haus in der Wendelgardstraße unter. Seine Schwester Rosa schlief mit Maria im gleichen Zimmer. „Pfarrer Mohr fragte mich, ob ich mich für eine Laienkatechetische Arbeitsstelle begeistern könnte“, erzählt Bart weiter. „Seelsorgehelferin war ein neuer Beruf. Die Leute kannten bis dahin nur Priester und Ordensschwestern.“ Als „Schwester Maria“ – mit dunkelblauem Kleid mit weißem Kragen oder Schleier als „eine Art Uniform“ – war sie bekannt, hatte viele karitative Aufgaben zu erledigen, war auch Religionslehrerin in der Pestalozzi-Grundschule und in der Merianschule. Keine Frage, Maria Bart und die Canisius-Gemeinde gehören zusammen. Und sie freut sich auf den 90. Geburtstag „ihrer“ Canisisus-Kirche. „Wissen Sie noch?“ Diese Frage wird sie bei den Feierlichkeiten wohl mehr als einmal hören.

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