Camerata serena überrascht beim Neujahrskonzert mit Klavierspiel und Sologesang

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Nikolaus Henseler zeigt sich beim Neujahrskonzert der Camerata serena als sensibler Pianist. (Foto: Helmut Voith)
Christel Voith

Mit einem außergewöhnlichen Neujahrskonzert hat der Verein „Camerata serena“ am Samstagabend im Graf-Zeppelin-Haus überrascht. Das exquisite Kammerkonzert mit vier Pianisten und einem Bariton war eine Neuigkeit, von der man sich Fortsetzungen wünscht, so beglückt und beschwingt haben die Zuhörer das Konzert verlassen.

Nikolaus Henseler, der das Vokalensemble im Oktober 2012 übernommen hat, stellte sich hier als Pianist vor und brachte Musikkollegen mit: hier am bekanntesten die Pianistin Elisa Ringendahl, die jetzt an der Musikschule in Villingen unterrichtet, ebenso wie Pianist Stéphane Bölingen, der wiederum seinen Gesangspartner, den Bariton Manuel Kundinger mitbrachte. Die vierte Pianistin war Tamara Geißner, die an der Musikhochschule Trossingen ihren Master macht.

Eine spannende Mischung aus Klavierwerken, Transkriptionen und Arien hat Henseler zusammengestellt: „Wir versuchen Sie abwechslungsreich zu unterhalten, nicht zu bespaßen“, sagte er in seiner Begrüßung. Ein großer Gewinn war auch Henselers geistreiche Moderation, die die Besonderheit der ausgewählten Werke hervorhob.

Es war ein Abend mit einer Dramaturgie der Gegensätze, ein prickelnder Cocktail, wild und süß, mit hervorragenden Interpreten. Dabei stahl der begnadete Bariton Manuel Kindinger den anderen fast die Show, so intensiv war sein Gesang, so geschmeidig und kraftvoll die Stimme und so lebhaft das Mienenspiel, ob als aufgebrachter Figaro, als ganz in Liebestrunkenheit versunkener Herodes oder als verführerischer Erminio mit „dunkelroten Rosen“. Herrlich passte dazu Papagenos Vogelfängerarie als erste und das funkelnde „Funiculi funicula“ als letzte Zugabe, bei der sich alle Pianisten ums Klavier drängten.

Sie alle hatten auf eigene, sensible Art beeindruckt, angefangen bei Nikolaus Henseler, der den Abend mit Chopin eröffnete und mit Haydns tiefgründiger D-Dur Sonate einen neuen Zugang zu dem Komponisten schuf. Nach gemeinsam mit dem Sänger interpretierten innigen Schubertliedern ließ Stéphane Bölingen mit Egon Petris Transkription von J.S. Bachs Arie „Schafe können sicher weiden“ das lichte, trostvolle Versprechen dieser Musik ganz intensiv erleben, während Tamara Geißner danach mit Maurice Ravels Sonatine in fis-Moll in unergründliche Tiefen und kristalline Traumwelten entführte und nach der Pause in Händels Suite Nr. 2 F-Dur Feierlichkeit und Nachdenklichkeit mit vitalen Emotionen verband.

Als große Tongemälde interpretierte Elisa Ringendahl zwei von Franz Liszts „Etudes d’exécution transcendantes“: die Etude f-Moll ein stürmischer Angsttraum, ein wilder Fieberwahn. Glühende Leidenschaft, die in Franz Liszts Liebeslied, das Bölingen anschloss, zum Versprechen wurde.

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