Buchsbaumzünsler: Friedrichshafen hat den Schädling im Griff

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Raupe auf einem Finger
Ein kleiner Nimmersatt: die Raupe des Buchsbaumzünslers. (Foto: dpa)
Vivien Götz

Alle Jahre wieder muss der Buchsbaum dran glauben: Zwischen April und Oktober fressen die Raupen des Buchsbaumzünslers die Buchsbäume kahl. In der Vergangenheit haben sie auch in Friedrichshafen viel Schaden angerichtet. Inzwischen scheint die Stadt das Problem allerdings im Griff zu haben. Momentan beschränke sich die Verbreitung hauptsächlich auf private Gärten, auf den städtischen Anlagen gebe es keine Probleme, so die Pressestelle der Stadt.

2016 sah das noch ganz anders aus. Damals mussten Teile der Uferanlagen chemisch behandelt werden, da die Raupen des asiatischen Kleinschmetterlings hier ganze Hecken befallen hatten. Der Schädling wurde laut NABU zu Beginn des 21. Jahrhunderts nach Europa eingeschleppt, weil hiesige Baumschulen begannen, in Asien gezogene Buchsbäume einzukaufen. Da der Buchsbaumzünsler in Europa kaum Fressfeinde hatte, verbreitete er sich rasant.

Stadt Friedrichshafen ersetzt befallene Büsche

Sind Buchsbaumsträucher einmal mit dem Zünsler befallen, müssen sie jedes Jahr aufwändig behandelt werden, um den Schädling zu bekämpfen. Die Stadt Friedrichshafen ersetzt befallene Büsche deshalb meist durch Pflanzen, die vom Zünsler nicht befallen werden. In den vergangenen Jahren mussten Buchsbaumhecken auf dem Hauptfriedhof in Friedrichshafen und am Dorfplatz in Raderach ausgetauscht werden, erklärt die Pressestelle. Auf das Spritzen chemischer Mittel würde die Stadt inzwischen verzichten.

Im kleinen Umfang habe man bei der Bekämpfung des Zünslers mit Algenkalk gute Erfahrungen gemacht. Ob Algenkalk großflächig einsetzbar sei, müsse sich noch zeigen, für den Privatbereich werde die Anwendung aber absolut empfohlen, so die Pressestelle.

Die Larven des Buchsbaumzünslers fressen nicht nur die Buchsbäume kahl, sondern überziehen die Sträucher, die sie befallen, auch mit einem Gespinst, das an dichte Spinnweben erinnert. Der BUND empfiehlt, bei der Bekämpfung des Zünslers auf Gifte und Insektizide zu verzichten, da diese auch Bienen und Schmetterlingen schaden würden. Die Maden abzusammeln und zu vernichten sowie die Gespinste herauszuschneiden, seien laut BUND die schonendsten Möglichkeiten, um erste Schritte gegen den Buchsbaumzünsler zu unternehmen.

Bei der Stadt habe man außerdem die Erfahrung gemacht, dass Büsche, die radikal zurückgestutzt wurden, sich im nächsten Jahr gut erholen würden, heißt es bei der Pressestelle. Dennoch bleibt die Bekämpfung des Zünslers arbeitsintensiv und aufwändig.

Auch der BUND rät dazu, Buchsbäume doch eventuell durch resistentere Pflanzen zu ersetzen, falls man der Plage nicht Herr werden könne.

Einen kleinen Lichtblick für alle Buchsbaumliebhaber gibt es dennoch: Inzwischen taucht der Buchsbaumzünsler immer öfter auf dem Speiseplan heimischer Arten auf, wie auch die Pressestelle berichtet. Wespen, Gartenrotschwänzchen und Stare scheinen auf den Geschmack zu kommen und lassen sich die Raupen schmecken. Bleibt also nur zu hoffen, dass immer mehr Tiere den Buchsbaumzünsler als schmackhafte Mahlzeit für sich entdecken.

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