„Man kann hier wirklich viel entdecken“, sagt Pfarrer Hannes Bauer. Er präsentiert die Teile des Friedensteppichs auf dem Boden
„Man kann hier wirklich viel entdecken“, sagt Pfarrer Hannes Bauer. Er präsentiert die Teile des Friedensteppichs auf dem Boden der Kirche. (Foto: Harald Ruppert)

„Wenn ein Kind geboren ist, braucht es eine Wohnung. Kleider, eine Spielzeugkist’, Bonbons als Belohnung.“ Diese Zeilen aus einem Gedicht von Peter Maiwald sind Teil des Ravensburger Friedensteppichs. Zehn Wochen lag wird er in der Bonhoeffer-Kirche in Friedrichshafen zu sehen sein. Damit wird der Kirchensaal einmal mehr zum Ausstellungsraum. Die Eröffnung im Rahmen des Gottesdienstes am Sonntag, 8. April, um 10 Uhr, wird von Sven Hanagarth musikalisch mitgestaltet. „Er sagt, er möchte einen ’Klangteppich’ legen“, sagt Pfarrer Hannes Bauer mit einem Schmunzeln über die zur Ausstellung passende Metapher.

Hannes Bauer hat den Friedensteppich nach Friedrichshafen geholt. Zum ersten Mal ist der insgesamt 50 Meter lange, aus jeweils 2,50 Meter langen Teilstücken bestehende Teppich auf Reisen. „Bisher wurde er nur in Ravensburg gezeigt, in der evangelischen Stadtkirche und in der Kirche St. Jodok“, sagt Bauer. Jedes Teppich-Teilstück setzt sich wiederum aus 40 mal 40 Zentimeter großen Stücken zusammen. Bemalt, bestickt, behäkelt und beklebt wurden sie von Jungen und Alten, von Schulklassen und Einzelpersonen, von Wohngemeinschaften, Familien und Vereinen.

Der Teppich soll wachsen

Zusammengebracht wurden sie von Ilsa Knoll. Die ehemalige Lehrerin und Textilkünstlerin lebt im Mehrgenerationenhaus am Gänsbühl in Ravensburg, einem Kreuzungspunkt von Menschen aller Couleur. Diejenigen, die am Teppich mitgewirkt haben, eint eines: „Jede dieser Personen wollte mit den Händen ein Stück Frieden gestalten, durch Tun teilhaben und sich mit anderen Friedenstätern verbinden“, schreibt Ilsa Knoll, die die Stücke zusammengenäht hat. Einen Abschluss kennt das Projekt nicht: „Der Teppich ist nicht fertig. Er kann weiterwachsen“, so Knoll. Wer sich daran beteiligen will, kann Stoffstücke zur eigenen Gestaltung bei ihr abholen.

Hannes Bauer ist von der gestalterischen Vielfalt des Friedensteppichs beeindruckt und auch von dem Arbeitsaufwand, den in ihn eingegangen ist. „Das hier zum Beispiel“, sagt er und zeigt auf einen Fries von Zeichnungen. Zeichnungen? Von wegen! Die Linien der sehr bewegten Menschenporträts entstanden mit Faden an der Nähmaschine. „Man kann hier wirklich viel entdecken“, meint Hannes Bauer und geht um die Teppiche herum, von denen er neun auf dem Boden ausgelegt hat. Da ist etwa das kleine, aber sehr aufwändige Motiv einer Friedenstaube: Es wurde Stich für Stich in den Stoff gestickt. Andere haben auf einen bunten Hintergrund das „Peace“-Zeichen gemalt oder die UNICEF-Kinderrechte mit Zeichnungen kombiniert – vom Recht auf den Besuch einer Schule über das Recht auf Schutz vor Ausbeutung bis zum Recht auf Schutz vor Kriegen. Die Wirklichkeit sieht anders aus und ist ebenfalls auf dem Friedensteppich präsent: als Fotografie eines Mädchens, in dessen Gesicht sich die Erfahrungen des Krieges niedergeschlagen haben. Ein Meisterwerk ist jenes Teppichstück, das Menschen auf der Flucht vor einem lodernden Bombenfeuer zeigt. Die Formen wurden aus Stoff ausgeschnitten oder mit der Nähmaschine geschaffen – und sie wirken keineswegs naiv.

Predigt zum Thema Frieden

„Frau Knoll war sehr bewegt, dass der Teppich in einer Kirche gezeigt wird, die den Namen Bonhoeffers trägt; und die auch noch in der Stauffenbergstraße liegt“, sagt Hannes Bauer. „Beide waren Menschen, die sich mit dem Thema Krieg und Frieden wirklich intensiv auseinandergesetzt haben.“ In die Einladungskarte zur Ausstellung hat Hannes Bauer denn auch einen Text von Dietrich Bonhoeffer aufgenommen: „Es gibt keinen Weg zum Frieden auf dem Weg der Sicherheit. Denn der Friede muss gewagt werden. Friede ist das Gegenteil von Sicherung. Sicherheiten fordern heißt Misstrauen haben, und dieses Misstrauen gebiert wiederum Krieg.“ Hannes Bauer will zur Eröffnung der Ausstellung am Sonntag einen „ausgesprochenen Friedensgottesdienst“ halten. Bis 10. Juni ist der Friedensteppich in der Bonhoeffer-Kirche zu sehen. In dieser Zeit werden immer wieder andere Teilstücke präsentiert.

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