Bombe: Mitarbeiter haben Drohung liegenlassen

Lesedauer: 7 Min
Einsatzkräfte während der Suche nach der Bombe.
Einsatzkräfte während der Suche nach der Bombe. (Foto: Egger)
Linda Egger, Martin Hennings und Hagen Schönherr

Zwei Tage nach der Bombendrohung gegen das Medienhaus am See sucht die Polizei weiter nach dem Täter. Zum Stand der Ermittlungen halten sich die Beamten aber bedeckt. Klar ist jetzt dafür, warum die Drohung einen Tag liegen blieb, ehe die Polizei informiert wurde. Offenbar hatten Mitarbeiter die Lage zunächst selbst bewertet.

Wann und wo genau der Drohbrief eingegangen ist, der am Donnerstag für einen Großeinsatz von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten gesorgt hat, ist, bleibt bislang im Dunkeln. Sicher ist, dass Mitarbeiter des Medienhauses irgendwann am Dienstagabend von dem Schreiben erfahren hatten, in dem ein Unbekannter 100 000 Euro forderte und mit einer Explosion drohte.

+++ Lesen Sie hier einen Kommentar des Autors +++

Offenbar waren die Entdecker des Schreibens zunächst davon ausgegangen, dass das Ganze harmlos ist. Denn erst eineinhalb Tage später, also am Donnerstagmorgen um 9.15 Uhr, wurde die Polizei informiert. Ein Fehler, wie Stadtsprecherin Monika Blank am Freitag erneut einräumt. „Die Mitarbeiter des Medienhauses hätten schneller reagieren und sofort die Polizei einschalten müssen“, sagte sie auf Nachfrage der „Schwäbischen Zeitung“. Anscheinend war der Brief am Donnerstagmorgen im Kreise der Mitarbeiter erneut diskutiert worden.

Dass da was schiefgelaufen ist, habe das Team des Medienhauses mittlerweile erkannt und bei der Polizei um eine Information fürs richtige Verhalten im Wiederholungsfall gebeten. Auch andere Abteilungen der Verwaltung, darunter des Graf-Zeppelin-Haus, haben ihre Mitarbeiter nach dem Vorfall im k42 für solche Gefahrenlagen sensibilisiert, heißt es aus der Stadtverwaltung.

Wer hat was gewusst?

Damit dürfte die Sache noch nicht ganz vorbei sein. Auch die Polizei interessiert sich für die Zeit, die zwischen Auffinden des Drohbriefs und der Alarmierung vergangen war: „Wir prüfen auch die Frage: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst“, sagte Polizeisprecher Jens Purath am Freitag der SZ. Details dazu gibt er nicht bekannt, wiederholt eine Mahnung vom Donnerstag: „Ich kann sagen: Im Fall einer solchen Bedrohung ist die Polizei unverzüglich zu benachrichtigen.“

Zentrale Frage bei den Ermittlungen nach der Bombendrohung, die sich zum Glück am Ende als substanzlos herausstellte, ist aber weiter die Suche nach dem Täter. Ob und welche Spuren die Polizei derzeit verfolgt, gibt sie derzeit noch nicht öffentlich bekannt. „Zum jetzigen Zeitpunkt geben wir keine weiteren Informationen heraus. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Dabei spielen auch ermittlungstaktische Überlegungen eine Rolle“, sagt Purath.

Auch für die Geschäftsleute im Gebäude „K42“ war der Donnerstag ein furchteinflößender Arbeitstag. Schon während sie sich auf die Öffnung des Ladens vorbereitete, seien ihr die vielen Polizisten und Feuerwehrmänner draußen aufgefallen, schildert Irene Locher, Mitarbeiterin des Modehauses Huchler. Kurz darauf hätten die Einsatzkräfte sie über die Bombendrohung informiert. „Man erschrickt gewaltig“, sagt sie, „aber es lief alles sehr ruhig und planvoll ab“.

Auch die benachbarte Buchhandlung Ravensbuch war betroffen. Erste Kunden habe man hinaus schicken müssen, erklärt Filialleiterin Martina Kraus. Im ersten Moment sei sie schon etwas besorgt gewesen, sagt sie: „Das ist natürlich nichts alltägliches.“ Auch habe man an diesem Tag enorme Umsatzeinbußen zu verzeichnen, da der Laden erst um kurz nach 14 Uhr nach Aufhebung der Absperrung geöffnet werden konnte.

„In drei Minuten geht eine Bombe hoch“

Die Bombendrohung vom Donnerstag war nicht der erste Fall dieser Art in der Region. Mal liefen in der Vergangenheit Drohungen ähnlich ins Leere wie jetzt, mal kam es wirklich zur Explosion. Unvergessen ist der Bombenanschlag vom 25. Juli 1986, bei dem RAF-Sympathisanten einen VW Golf vor dem damaligen Dornier-Werk Immenstaad in die Luft sprengten. „In drei Minuten geht die Bombe hoch“, sagten die Täter damals bei einem Anruf an der Pforte. Das stimmte fast auf die Minute, nur durch Glück wurde niemand verletzt.

Eine Bombendrohung am 12. Januar 2009 gegen das Bodensee-Center Friedrichshafen entbehrte dagegen jeder Grundlage. Damals ging eine Droh-SMS beim Landeskriminalamt München ein, um 20 Uhr würde eine ferngesteuerte Bombe explodieren. Das Gebäude wurde sofort geräumt, Straßen gesperrt – und keine Bombe gefunden. Bis heute hat die Polizei, wie eine SZ-Nachfrage am Freitag ergeben hat, keine Hinweise auf den Täter, der seine Drohung offenbar von einer Telefonzelle im Kreis Ravensburg verschickt hatte.

Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen