Bodenseekreis kommt beim Hantavirus glimpflich davon

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 Rötelmäuse (Clethrionomys glareolus) gelten als Verbreiter von Hantaviren.
Rötelmäuse (Clethrionomys glareolus) gelten als Verbreiter von Hantaviren. (Foto: Lehtikuva Kimmo Taskinen/dpa)
ad und Hantaviren: 2019 im Kreis nur zwölf Krankheitsfälle registriert - Für ganz Baden-Württemberg sind die Zahlen jedoch hoch

Der Hantavirus, der durch die Rötelmaus verbreitet wird, trat im vergangenen Jahr wieder häufig in Baden-Württemberg auf, der Bodenseekreis kam allerdings mit nur zwölf Krankheitsfällen glimpflich davon. Die meisten Fälle gab es in Stuttgart mit 132. Das Landesgesundheitsamt hat jetzt die Zahlen für das vergangene Jahr vorgelegt. Danach war 2019 mit insgesamt mehr als 830 Fällen in Baden-Württemberg „ein starkes Hantavirus-Ausbruchsjahr“, schreibt das Regierungspräsidium Stuttgart in einer Pressemitteilung.

Die Zahlen schwanken stark von Jahr zu Jahr. 2018 waren es insgesamt nur 65 Fälle, 2017 aber fast 1000 Fälle in Baden-Württemberg und 2012 sogar 1797 registrierte Krankheitsfälle. Im Bodenseekreis gab es 2018 nur einen gemeldeten Erkrankten, 2017 waren es 35.

Eine mögliche Ursache für die starke Verbreitung im Jahr 2019 könne der trockene Sommer im Jahr 2018 sein, denn dadurch reiften bei bei Buchen und Eichen viele Früchte, die wiederum die Hauptnahrungsquelle der Rötelmaus seien, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Durch die hohe Futterrate konnten sich die Mäuse zusätzlich dementsprechend stark vermehren. Da 2019 die Bäume deutlich weniger Früchte trugen, geht das Landesgesundheitsamt davon aus, dass zumindest für 2020 ein niedrigeres Infektionsrisiko bestehe. Somit dürfte dann auch die Zahl der Erkrankungen deutlich geringer ausfallen als im Jahr 2019.

Die regionale Verbreitung der infizierten Rötelmäuse bestimme auch die geografische Verteilung der Erkrankungen. Im vergangenen Jahr traten die häufigsten Fälle entlang der Schwäbischen Alb auf. Teile von Oberschwaben, das Rheintal und der Schwarzwald waren weniger betroffen. Wöchentlich waren dies 2019 bei 835 Fällen fast 59 Personen, die sich infizierten. Betroffene waren hauptsächlich zu 71 Prozent Männer im Alter von 20 bis 59 Jahren. Der Schwerpunkt zeigte sich aber bei Männern von 40 bis 49 Jahren. Bei weit mehr als der Hälfte war ein Krankenhausaufenthalt notwendig. 63 Prozent wiesen eine Nierenerkrankung auf. Todesfälle sind jedoch im Zusammenhang mit dem Hantavirus nicht aufgezeichnet.

Die Mäuse übertragen den Erreger über ihre Ausscheidungen wie Kot und Urin, weshalb ein direkter Kontakt definitiv zu vermeiden sei, betont das Landesgesundheitsamt. Der Erreger könne aber auch schon durch bloßes Einatmen übertragen werden, wenn zum Beispiel Staub aufgewirbelt werde. Dies passiere nicht selten, wenn die Garage oder der Schuppen aufgeräumt werde, nennt die Behörde als Beispiele und empfiehlt, lieber vorher einmal den ganzen Boden befeuchten und eine Staubschutzmaske tragen.

Sollte ein Mensch sich dennoch infiziert haben, macht sich der Virus mit Symptomen ähnlich wie bei einer normalen Grippe bemerkbar. Er löst plötzlich hohes Fieber aus, Kopf- und Glieder- sowie Bauch- und Rückenschmerzen. Nicht selten kann Blut im Urin vorkommen, und bei einem Teil der Patienten entwickelt sich eine Nierenerkrankung. Dann könne auch eine Dialyse notwendig sein. In der Regel bilde sich die Nierenerkrankung wieder zurück. Bei einem Verdacht auf den Hantavirus sollten die Betroffenen dringend zum Arzt gehen, rät das Landesgesundheitsamt.

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