Bodensee-Oberschwaben-Bahn bangt um Existenz – das sind die Reaktionen unserer Leser

 Schwäbische-Leser diskutieren kontrovers über das drohende Aus der Bodensee-Oberschwaben-Bahn.
Die beiden direkt gewählten CDU-Bundestagsabgeordneten Axel Müller (Wahlkreis Ravensburg) und Volker Mayer-Lay (Wahlkreis Bodensee) werfen dem Land Rechtsverstöße vor. (Foto: Bodensee-Oberschwaben-Bahn)
Redakteurin

Das drohende Aus der Bodensee-Oberschwaben-Bahn (BOB) erhitzt die Gemüter. Denn die Regionalbahn kann die Ausschreibungsbedingungen des Landes nicht erfüllen (wir berichteten). Die Reaktionen der Leser auf „schwaebische.de“ sind vielfältig.

„Da macht man es sich im Verkehrsministerium einfach“, kommentiert Leonhard M. Und weiter: „Angesichts der Leistungen, die der größte deutsche Player im Bahnsektor die letzten Jahre erbracht hat und die immer noch miserabler werden, sollten die sich in Stuttgart aber lieber zweimal überlegen, ob nicht ein breiteres Feld an Anbietern sinnvoller wäre.“

Mit großem Partner zusammenschließen

Sabine J. schreibt: „Und wieder wird ein gut funktionierender regionaler Betrieb europäisch kaputt gemacht. Die Politik hält sich vornehm zurück und lässt die BOB im Regen stehen. Schon mal auf den Gedanken gekommen, dass die Ausschreibung falsch ist?“

Ob der zugesicherten Unterstützung des Landes aus dem Jahr 2018 bedauert Christoph G., dass man im Landesverkehrsministerium „offensichtlich an Demenz leidet“. Für ihn ist klar: „Jammern hilft nicht, denn die Ausschreibungen laufen“.

Er hofft darauf, dass die BOB einen großen Partner findet und die Strecke Aulendorf-Friedrichshafen weiter betreiben kann. Denn „überall in der Region, wo Bahntochter DB-Regio die Verkehre betreibt, gibt es Chaos.“

Bietergemeinschaft bilden

Er berichtet von der Schweizerischen Bundesbahn (SBB) Deutschland, die im Landkreis Konstanz „sehr zuverlässig“ zwischen Engen und Konstanz den Seehas betreibt. Ab Dezember übernehme die SBB-Tochter auch die Strecke zwischen Singen und Schaffhausen, auf der die DB-Regio „eine katastrophale Performance“ hingelegt habe, weshalb der Vertrag zwischen dem Land und der DB-Regio vorzeitig beendet worden sei. Deshalb hält er eine Bietergemeinschaft zwischen SBB-Deutschland und BOB für „ein starkes Team“.

Ähnlich sieht das auch Agathe S.: „S-Bahnen aus der Schweiz und Österreich kommen heute schon bis Lindau. Warum sollten die nicht bis Ulm weiterfahren?“, fragt sie. Und weiter: „Nebenbei haben die beiden Bahnen wesentlich besseres Fahrzeugmaterial als das, was aktuell bei uns rumfährt.“

Damit stützt sie den Eindruck von Stephan U., der „die fahrenden Schrotthaufen der BOB“ satt hat. „Blau angepinselte Uralt-S-Bahnen, die woanders längst ausgemustert waren oder immer wieder alte Dieseltriebwagen, die nicht mehr auf die elektrifizierte Strecke gehören. Das ist nicht zeitgemäß. Weg damit!“, schimpft er.

Liegt die Schuld beim Verkehrsminister?

Unter dem Pseudonym „Sekretariat“ hält ein weiterer Leser dagegen: „Die Deutsche Bahn setzt trotz Elektrifizierung Dieselzüge ein. Die BOB muss alte S-Bahnen kaufen, um elektrisch zu fahren. Die BOB fährt. Und fährt. Und fährt. Ich will lieber mit der BOB fahren als mit DB, Abellio und SWEG liegen bleiben. Das hatte ich im Sommer genug. Wenigstens zwischen Aulendorf und FN funzt es durch die BOB. Ich habe nämlich keinen Dienstwagen.“

Andere suchen die Schuld bei Verkehrsminister Winfried Hermann und ziehen den Vergleich zur Abellio-Rail Baden-Württemberg. So sei die Strecke Tübingen-Heilbronn an „den Pleiteverein Abellio“ vergeben worden und habe sich dann unter einen Rettungsschirm der Südwestdeutschen Landesverkehrs-GmbH (SWEG) begeben müssen. „Das war weiß Gott kein Ruhmesblatt“, meint Leser Harald B.

Leser: BOB hatte genügend Zeit

Ulrich B. ist anderer Meinung: „Bei aller Nostalgie: Die elektrische BOB ist kaum mehr als eine blaue Hülle, in der die DB steckt.“ Es sei einfach und billig, auf Minister Hermann einzuprügeln. Doch von der Abellio-Pleite seien auch andere Bundesländer betroffen und keines habe so schnell eine Lösung geschaffen wie Baden-Württemberg.

Er ist der Meinung die BOB habe genügend Zeit bekommen, um sich Partner zu suchen – „offenbar ohne Erfolg“. Ein Blick über den Tellerrand beziehungsweise die Ländlegrenzen zeige zudem, dass Ausschreibungsnetzgrößen von acht Millionen Zugkilometern üblich seien.

Um zu überleben hätten sich deshalb in der Schweiz zahlreiche Privatbahnen wie die Bergbahn Rheineck-Walzenhausen oder die Mittelthurgaubahn zu größeren Unternehmen zusammengeschlossen.

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