Schwäbische Zeitung

„Ich habe Silber gewonnen, nicht Gold verloren. Ich bin gefahren, was ging, mir sind keine gröberen Fehler passiert. Es war mein Maximum“, diktierte Florian Blab nach der vorletzten Entscheidung der WM 2008 seelenruhig in die Notizbücher der Journalisten. Die Minuten zuvor sahen bei weitem keinen so lockeren Ailinger. Nachdem das Schlusssignal seiner Kür ertönt war, noch bevor Blab vom Rad gestiegen war, ballte er erstmals seine Fäuste. Unmittelbar danach noch zweimal. Eine fast optimale Kür mit neun Drehsprüngen ließen den 22-Jährigen hoffen. Hoffen, nach Silber 2006 in Chemnitz nun vor 4000 Zuschauern Gold zu gewinnen. Sein Gesicht vergrub er während der Vorstellungen von Hartmann und Schnabel, die nach Blab auf die Wettkampffläche gingen, in einem Handtuch. Nach Hartmann ballte er erneut die Fäuste, nach Schnabel verließ er sofort den Platz des Führenden. „Auf dem Sofa, das ist ein sehr unangenehmer Platz,“ ließ der Student wissen. „Lieber wäre ich nochmal gefahren.“ Am Samstag hatte der 22-Jährige ein deutliches Ausrufezeichen gesetzt. Mit 195,50 Punkten reichte Blab in Dornbirn gegenüber dem abgelösten Titelträger Hartmann (197,30) und dem zweifachen Weltmeister Schnabel (197,90) etwa zwei Punkte weniger ein, fuhr mit 189,19 jedoch am meisten aus (185,32 beziehungsweise 188,46). „Das war eigentlich nebensächlich, das geht bei uns so oder so immer eng zu. Ich wusste natürlich, was ich anders, besser machen muss,“ so der WM-Vierte von 2007, der in der Qualifikation etwa beim Maute-Sprung abgestürzt war.

Mental noch Luft nach oben

Dieter Maute, Kunstrad-Bundestrainer und seit seinem kreierten Sprung eine Legende in seiner Sportart, bezeichnete tags zuvor den Kampf als „völlig offen“. Der 41-Jährige sieht in Blab einen ehrgeizigen jungen Mann, „der noch ein paar Jahre vor sich hat. Vor allem im mentalen Bereich hat er noch Luft nach oben“. Dass er von dem deutschen Trio die niedrigste Punktezahl eingereicht hat, rief in Maute nur ein Achselzucken hervor. „Dann hat er auch dort noch genügend Spielraum.“ Florian Blab kann als einer der wenigen mit dem Drehsprung ordentlich Bonuspunkte sammeln, schon in der Qualifikation absolvierte er ihn zehnmal. In der Entscheidung reichte es noch zur neunfachen Ausführung, „eine Zehnte hätte sieben Zehntel gebracht. Das war eine Bauchentscheidung“. Und freilich eine Zeitfrage, wie auch er meinte – bei 30 Übungen, die es in fünf Minuten zu fahren gilt. Die wird der Ailinger auch 2009 in Tavira/Portugal bei der nächsten WM absolvieren, wenn er einen erneuten Angriff auf den Titel macht. David Schnabel ließ noch offen, ob er weitermacht. Der nunmehr dreifache Weltmeister, der für den geringsten Punktabzug geehrt wurde, war mit seiner Kür zufrieden, Euphorie sieht aber anders aus: „Ich bin schon Küren gefahren, bei denen ich weniger als einen Punkt Abzug hatte.“ Florian Blab zollte er aber großen Respekt: „Er hat alles auf seine Drehsprünge ausgelegt, damit riskiert er viel. Er muss ihn natürlich zehnfach bringen, ich kann reagieren.“ Kurze Pause. „Aber vielleicht ist 2009 sein Jahr.“

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