Bittelmeyer ist neuer Betriebsratschef bei Rolls-Royce

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Thomas Bittelmeyer.
Schwäbische Zeitung
Gunnar M. Flotow

Der Betriebsrat von Rolls-Royce Power Systems hat ein neues Führungsduo: Bei der konstituierenden Sitzung wählten die Arbeitnehmervertreter am Dienstagmorgen Thomas Bittelmeyer von der Freien Liste zum Vorsitzenden. Sein Stellvertreter ist Andreas Bemerl von der Christlichen Gewerkschaft Metall (CGM).

Von den 33 Betriebsräten votierten 20 für Thomas Bittelmeyer, 13 Stimmen entfielen auf seinen Konkurrenten von der IG Metall, Achim Zinser. Dieses Ergebnis ist durchaus bemerkenswert, da die Betriebsräte von Freier Liste und CGM gemeinsam nur auf 19 Stimmen kommen. Ein Vertreter der IG Metall muss also für Bittelmeyer gestimmt haben. Gemeinsam mit Andreas Bemerl – der sich mit 19:13 Stimmen bei einer Enthaltung ebenfalls gegen Zinser durchsetzte – wird der 43-Jährige in den kommenden vier Jahren die Geschicke des Betriebsrats lenken. Wie er die CGM auf seine Seite brachte? „Mit der CGM haben wir einfach die größte Schnittmenge gefunden“, erklärte Thomas Bittelmeyer nach einer Wahl, die „ruhig und professionell“ abgelaufen sei.

„Wie angekündigt haben wir sowohl mit der Freien Liste als auch mit der IG Metall das Gespräch gesucht“, sagte CGM-Mann Andreas Bemerl. „Es gab Signale von den Vertretern der IG Metall, dass sie gerne mit uns sprechen würden – doch das wurde ihnen verboten.“ Weil es bundesweit – zumindest offiziell – keine Zusammenarbeit zwischen IG Metall und CGM gebe, habe die IG Metall in Friedrichshafen offenbar keinen Präzedenzfall schaffen wollen, glaubt Bemerl. Er findet die Haltung der IG Metall „ganz, ganz schlimm“, denn sie zeige, dass die Gewerkschaftsdiziplin an erster Stelle steht und die Belange der Belegschaft nur eine nachgeordnete Rolle spielen.

„Stimmt nicht“, konterte Lilo Rademacher, die 2. Bevollmächtigte der IG Metall, im Gespräch mit der Schwäbischen Zeitung. Es habe keine Order von oben gegeben, vielmehr hätten die IG-Metall-Vertrauensleute bei Rolls-Royce „basisdemokratisch“ entschieden, eine stabile Mehrheit mit der Freien Liste zu suchen. Eine Zusammenarbeit mit der CGM habe einfach nicht zur Diskussion gestanden. Warum sich Bittelmeyer den Avancen entzogen habe? „Er hat das in den eigenen Reihen nicht vermitteln können“, sagt Lilo Rademacher. Durch seine Wahl sieht sie den Wählerwillen „verfälscht“, weil nun nicht die stärkste Gruppe den Betriebsratschef stelle.

Erwartungsgemäß sieht Thomas Bittelmeyer das anders. „Freie Liste und CGM haben als die Betriebsrat lenkenden Gruppen eine klare Mehrheit zur Fortsetzung ihrer Arbeit bekommen. Die IG Metall hat zwar die meisten Stimmen, aber eben nicht die Mehrheit.“ Als die wichtigsten Projekte, die der Betriebsrat in den nächsten Wochen angehen müsse, nannte er Verbesserungen beim ERA-Leistungsentgelt und der Betriebsrente.

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