Bis zur letzten Regatta mit Medaillenchancen

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Simon Diesch und Philipp Autenrieth halten Kurs.
Simon Diesch und Philipp Autenrieth halten Kurs. (Foto: Lars Wehrmann)
Volker Göbner

Einen großen Schritt in Richtung Olympia gemacht haben Simon Diesch (24, Württembergischer Yacht-Club) und sein Augsburger Vorschoter Philipp Autenrieth (28, Bayerischer YC). Die Mannschaft ist bei der Europameisterschaft der 470er in Sanremo (Italien) auf Rang acht gesegelt. Als bestes deutsches Herren-Team haben sie sich damit auch für den deutschen Startplatz für die vorolympische Testregatta im August in Japan qualifiziert.

Diesch/Autenrieth waren sechs Tage vor der EM zum Training an der Riviera vor Sanremo. „Das Revier ist uns ja nicht unbekannt“, sagt Simon Diesch, „da waren super Bedingungen. Bei der EM wurde es dann eher sehr speziell.“ An einem Tag war gar kein Wind, an einem anderen dann zu viel Wind. So wurden insgesamt nur sechs Wettfahrten und das Medaillenrennen gesegelt. „Das waren sehr gute und faire Rennen, immer vier Windstärken oder mehr“, urteilt Diesch. Nur am ersten Tag konnten drei Rennen nacheinander gesegelt werden. Mit den Plätzen 15, 7 und 9 kam das Team nach zögerlichem Auftakt gut in Fahrt. Mit einem weiteren fünften Platz platzierte sich die Crew schon einmal in den Top-Ten.

Nach nur vier Wettfahrten wurden die 70 Mannschaften in Gold- und Silber-Gruppe geteilt. Da wehte es dann mit durchschnittlich fünf Beaufort. „Das waren gute Segelbedingungen“, freute sich Diesch. Die Crew lieferte sich mit den Weltranglisten-Ersten Mathew Belcher/Will Ryan (Australien) ein Duell an der Spitze der Gold-Gruppe, baute den Vorsprung vor dem Feld auf gut hundert Meter aus. In der zweiten Hälfte des Rennens waren die Deutschen sogar vorne, konnten die Australier im Ziel aber um etwa eine halbe Bootslänge nicht halten. Die ersten Masten waren da schon gebrochen, die Segler wurden nach dem Rennen zurück an Land geschickt. Zwei Stunden später, bei noch unveränderten Bedingungen, ging es wieder aufs Meer. Bei nun deutlich über sechs Windstärken wurde das nächste Rennen gesegelt. Mehrere Boote kenterten. „Vor uns ist auch der Bronzemedaillengewinner von Rio baden gegangen“, schilderte Vorschoter Autenrieth. Die beiden Binnensegler kamen als Sechste ins Ziel, zeigten einmal mehr ihre Starkwindqualitäten.

Der folgende Tag wurde bei Sturm mit Warten an Land verbracht. Somit gingen Diesch/Autenrieth von Rang sieben aus ins „Medal Race“ der besten zehn Teams. Da zählen die Punkte doppelt – und weil die Abstände nach nur sechs Wettfahrten noch sehr eng waren, wäre von Platz zwei bis zehn alles möglich gewesen. „Wir sind auf Sieg gefahren“, nahmen sich die beiden vor. Doch ihr Start war – bei nunmehr sehr leichtem Wind – eher verhalten, dann segelten sie ein „solides Rennen“.

Bestes Ergebnis in zwei Jahren

Als Sechste kamen sie ins Ziel, rutschten aber durch die Konstellation der anderen Teams in der Gesamtwertung noch um einen Platz auf Rang acht zurück – dennoch das beste Ergebnis bei internationalen Meisterschaften in den zwei Jahren ihrer gemeinsamen Olympia-Kampagne. „Wir sind zufrieden mit dem Medal Race und dem Gesamtergebnis“, fasste Simon Diesch die EM zusammen.

Zwar segelten Belcher/Ryan bei der EM auf Platz eins, doch der Titel Europameister blieb dem besten europäischen Team vorbehalten, den schwedischen Titelverteidigern Anton Dahlberg und Frederik Bergström auf Rang zwei. Die bislang in der Weltrangliste besser platzierte norddeutsche Crew Malte Winkel/Matti Cipra (Plau/Schwerin) wurde vor allem an dem Starkwindtag davongeblasen und beendete die EM nur auf Rang 18. Das Ticket für die Testregatta in Japan ging somit an Diesch/Autenrieth.

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