Bilanz 2013: Flughafen Friedrichshafen bekommt die Nase hoch

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Christian Wulf, Sprecher des Flughafens, Geschäftsführer Gerold Tumulka und Marketing-Verantwortlicher Stefan Liebenz (von links) sehen den Flughafen in einer positiven Entwicklung und hoffen, den Passagierschwund aufhalten zu können. (Foto: Ralf Schäfer)
Schwäbische Zeitung

Gut 9000 Passagiere weniger als im Vorjahr, das klingt nach einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage des Flughafens in Friedrichshafen. Tatsächlich aber kann sich die Gesellschaft operativ selbst tragen, das Ergebnis vor Steuern (EBIT) liegt bei nur noch -71000 Euro und der Jahresfehlbetrag ist von 1,94 Millionen auf 1,19 Millionen Euro gesunken.

Was auf den ersten Blick wie Zauberei aussieht, ist laut Gerold Tumulka das Resultat guter Arbeit des gesamten Flughafen-Teams. Nicht die reine Passagierzahl ist aussagekräftig in Sachen Wirtschaftlichkeit, sondern die Erlöse pro Passagier. Und die sind von 2011 bis heute von 18,48 Euro auf 19,92 Euro gestiegen. Diese Zahlen wird es in Memmingen allerdings nicht geben. Hier sind die Passagierzahlen ebenfalls zurückgegangen, allerdings weitaus drastischer. Von 869937 Passagieren im Jahr 2012 auf 838971 im vergangenen Jahr. Keine Angaben sind über die Erlöse zu finden. Gerold Tumulka will diese Zahlenvergleiche nicht kommentieren. Er setzt auf die Strategie des Häfler Flughafens, zum einen mit Sparmaßnahmen unnötige Ausgaben zu senken, zum anderen Fluggesellschaften zu akquirieren, die einen entsprechenden Erlös pro Passagier ermöglichen. Das geht mit Low-Cost, mit den Billigfliegern, nicht.

Nicht die Passagierzahl zählt

Für die wirtschaftliche Bewertung des Betriebs sagt die Passagierzahl nicht viel aus. Diese Zahlen sind von 2011 auf 2013 von 571709 über 545121 auf 536030 gesunken. Die erlöse hingegen konnten von 10,564 Millionen auf 10,678 Millionen Euro gesteigert werden. Dazu kommt ein um 650000 Euro geringerer Personalaufwand, der laut Tumulka sich aus Kündigungen resultiert, sondern sich durch effektivere Auslastung ergebe. Unter dem Strich wächst das Betriebsergebnis im gleichen Zeitraum von roten 1,09 Millionen auf den genannten Fehlbetrag von 71000 Euro.

Die Gründe für die Passagiereinbrüche deutet der Flughafenchef nur an, er verweist auf die anhaltende Schwäche der Intersky, die „das Ergebnis verhagelt hat". Im Bundesvergleich ist die Verkehrsentwicklung am Flughafen Friedrichshafen mit einem Minus von 1,6 Prozent noch moderat. Karlsruhe Baden-Baden verliert 17,7 Prozent, in Memmingen liegt die Negativentwicklung bei 3,6 Prozent. Allein München und Zürich schreiben positive Zahlen bei der Verkehrsentwicklung.

Auch das spielt der Strategie der Flughafen Friedrichshafen GmbH in die Karten. Hier setzen die Verantwortlichen auf die Anbindung starker Drehkreuze, in diesem Fall sind das Frankfurt und Istanbul. Turkish Airlines sind mit vier Verbindungen pro Woche gestartet, in diesem Jahr werden es fünf werden und im kommenden Jahr sind bereits tägliche Flüge an dieses International bedeutende Drehkreuz in der Türkei angekündigt.

Den Rückgang der Starts und Landungen bezeichnet Tumulka als positiv, der bedeute auch weniger Lärm. Aufgefangen werde das durch größere Röhrenvolumen, sprich größere Flugzeuge. Und den Blick in die Zukunft wagen die Flughafen-Verantwortlichen mit positiven Erwartungen. Schon im ersten Quartal seien die Passagierzahlen um acht Prozent gestiegen, was bei gleichen Erlösen auch wirtschaftlich ein gutes Ergebnis sei. Endgültig aber kann erst im Sommer, dessen Geschäftsverlauf durch die späte Osterzeit erst im Mai beginnt, eine Aussage über das Geschäftsjahr und die Aussicht darüber gemacht werden, ob der Flughafen 2014 erstmals schwarze Zahlen schreibt.S

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