Das Bildungshaus ist zu klein, um alle Kinder in Kindergarten und Grundschule unterzubringen. Jetzt sind Lösungen gefragt.
Das Bildungshaus ist zu klein, um alle Kinder in Kindergarten und Grundschule unterzubringen. Jetzt sind Lösungen gefragt. (Foto: RAS)

Das noch im Bau befindliche Bildungshaus Berg ist zu klein, es fehlt Platz für die Grundschüler. Sozialbürgermeister Andreas Köster will nach eigenem Bekunden nicht in der Vergangenheit nach Fehlern suchen, sondern eine tragfähige Lösung für die Zukunft erarbeiten. Einige Ailinger Ortschaftsräte haben derweil am Mittwoch ihrem Ärger Luft gemacht.

Bürgermeister Köster hatte zuvor in der Sitzung des Kultur- und Sozialausschusses (KSA) in dieser Angelegenheit gründliches Handeln zugesagt. Er wolle auf Schuldzuweisungen verzichten und noch im Herbst eine gesamtstädtische Schulentwicklungsplanung vorlegen. Die Fronten sollten sich nicht verhärten, forderte er. In der Vergangenheit nach Verantwortlichen zu suchen, „die heute nicht mehr im Amt sind“, bringe nichts.

Das Problem besteht darin, dass sich das im Rohbau befindliche Bildungshaus als zu klein entpuppt hat. Die gestiegenen Schülerzahlen seien, so die Stadtverwaltung, bei der Planung des Hauses 2014 noch nicht absehbar gewesen. Dem gegenüber stehen Entwicklungspläne für die Ortschaft Berg aus dem Jahr 2013, in denen bereits künftige Baugebiete eingezeichnet sind und aus denen, so die Argumentation einiger Mitglieder des Ailinger Ortschaftsrates, die steigenden Schülerzahlen ablesbar gewesen wären. Die Stadtverwaltung argumentiert jedoch so, dass man aufgrund von demografisch bedingt sinkenden Schülerzahlen – in Berg hingegen von steigenden – im Resultat schließlich von gleichbleibenden Zahlen ausgegangen sei. Und dafür sei das Bildungshaus nicht zu klein veranschlagt gewesen.

Der Kultur- und Sozialausschuss nahm am Mittwoch die Erklärung der Verwaltung von Bürgermeister Andreas Köster zur Kenntnis und begrüßte es, dass die Stadt die Schulentwicklungsplanung aufgrund neuer Zahlen und Prognosen für die gesamte Stadt vorstellen will. Das soll im Herbst geschehen. Für Berg sollen Notlösungen oder Provisorien gefunden werden, um alle Kinder auch in Berg beschulen zu können.

Ortschaftsräte sind verärgert

So harmonisch wie in der KSA-Sitzung ging es im Ortschaftsrat Ailingen, der auch für Berg zuständig ist, nicht zu. Hier klagten vor allem SPD und CDU über das bisherige Vorgehen der Stadtverwaltung. „Es wurde uns in einer Sitzung der Fraktionsvorsitzenden vorgegaukelt, dass die Kubatur im Bildungshaus Berg dem entspricht, was auch im Riedlepark-Kinderhaus gebaut wird. Das ist bei Weitem nicht so. Und bei uns hat sich Unmut breitgemacht“, sagte Heinz Tautkus (SPD). Als klar gewesen sei, dass „der Zug in die falsche Richtung fährt, hätten sich die Dezernate zusammensetzen müssen, um kostensparend eine Lösung zu finden“. Gemeint sind das Baudezernat unter Leitung von Stefan Köhler und das Sozialdezernat unter damaliger Leitung von Peter Hauswald.

Der Gemeinderat habe stattdessen einen Kostendeckel für das Bildungshaus festgelegt, „da haben wir am falschen Ende gespart“, so Tautkus. Jochen Meschenmoser (Freie Wähler) vertrat die Meinung, dass in dieser Sache vieles durcheinandergeworfen werde, der Oberbürgermeister habe sich schließlich für das Bildungshaus stark gemacht. Der Ortschaftsrat habe sich darauf verlassen, was die Verwaltung versichert habe: Das Raumprogramm reiche aus. Jetzt müsse man eben Lösungen für die Situation finden. Er schlug vor, in dem Wohn- und Geschäftshaus, das in unmittelbarer Nähe des Bildungshauses gebaut wird, Schulräume zu schaffen.

Auch Hubert Knoblauch (CDU) erzählte von der Überzeugungsarbeit der Verwaltung: „Damals hieß es, dass zwei Klassen reichen würden. Wir haben das hinterfragt, wir sind überzeugt worden, dass das ausreicht.“ Es sei immer die Notwendigkeit betont worden, alle vier Jahrgänge in Berg zu unterrichten. Knoblauch pflichtete Tautkus bei, der für seinen Beitrag viel Beifall bekam. Allein Gabriele Pferd (SPD), die sich im KSA von den Aussagen ihres Fraktionskollegen Tautkus distanziert hatte – Heinz Tautkus hatte gegenüber der Schwäbischen Zeitung gesagt: „Wir fühlen uns von A bis Z verarscht“ – appellierte auch im Ortschaftsrat zusammen mit den Freien Wählern, nach vorne zu schauen und Lösungen zu suchen statt Schuldige.

Appelle der Schulleiterin

Ailingens Schulleiterin, Sarah Fesca, die auch für die Außenstelle Berg zuständig ist, kommentierte im KSA, wie im Ortschaftsrat. Sie hält nur einen Standort für sinnvoll, also nicht zuätzlich zum Bildungshaus noch weitere Räume in der alten Schule oder sonst wo; und appellierte an Politik und Verwaltung, neben reinen Schulräumen auch die nötigen Sozialräume zu schaffen. Die Schulsozialarbeit an der Grundschule Ailingen befasse sich gerade zu 30 Prozent mit Berger Kindern.

Erst vergangene Woche hätten sich zwei Mütter auf dem Schulhof geschlagen, die Kinder zugeschaut. „Entweder es gibt einen Sozialarbeiter im Stadtteil oder die Schulsozialarbeiter müssen in den Schulen all das auffangen, was da entsteht“, sagte Fesca. Das alles ist viel mehr als nur ein paar Schulräume, eine Mensa und Busse. Die Stadt muss sich überlegen, was da zu tun ist.“

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