Bei westafrikanischer Mandingo-Musik bebt das Zelt

Lesedauer: 4 Min
Abou Diarra überzeugt mit einem Instrument wie einst Hendrix.
Abou Diarra überzeugt mit einem Instrument wie einst Hendrix. (Foto: mt)
Michael Tschek

Wem es gelang, sich eine Karte für das Konzert von Abou Diarra zusammen mit der Donko-Band im kleinen Zelt zu erhaschen, der hat sich glücklich schätzen können. Die aus dem westafrikanischen Mali stammenden Musiker versprühten mit einem elektrisieren Mix aus Jazz, Blues und Afrofunk lebensfrohe Musik im ausverkauften Kleine Zelt.

Allen voran der 43-jährige Abou Diarra, der musikalische Leidenschaft auf seiner N´Goni, einer mehrsaitigen Langhals-Spießlaute, förmlich zelebrierte. Zusammen mit seiner Band verknüpfte er alte Weisen des Mandigue-Volkes seiner Heimat mit moderner Musik, die Elemente des Reggae, Blues, Gospel und Jazz enthielt. „Bevor Du das Feuerwerk und die Sterne findest, komm herein, nimm einen Drink und verbringe einen Abend mit Abou Diarra und Donko-Band“, heißt es in einer Ankündigung zu den Konzerten der Musiker. Und in der Tat, die Ankündigung war am Samstagabend im vollbesetzten Zelt mehr als zutreffend. Gleich nach den ersten Songs „Seguin“ und „Né Nana“, letzterer aus dem vierten Album „Koya“, das Abou Diarra nach seiner Mutter benannt hat, kam sofort prickelnde, groovige Stimmung im Zelt auf.

Die sollte sich im Laufe des Konzertes – zutreffender eigentlich war die Bezeichnung Session – denn zu Abou Diarra gesellten sich am Bass, Klavier, Drums, Percussions und Mundharmonika vier etablierte westafrikanische Musiker, die vor Leidenschaft für Mandingo-Musik und afrikanischen Blues nur so strotzen. Da war einmal Vincent Bucher, der seiner Mundharmonika, versteckt in der Hand, Töne entlockte, das immer wieder sowohl bewunderndes Raunen als auch Beifallskundgebungen beim Publikum hervorrief.

Ein Hauch Deep Purple

Immer wieder begeisterte dabei das ausgetragene Konkurrenzspiel zwischen Buchers Mundharmonika und Abou Diarras N´Goni, die an ähnliche Begegnungen zwischen Ritchie Blackmores Gitarre und John Lords Orgel von Deep Purple erinnerte. Und immer wieder in den Mittelpunkt rückte Abou Diarra, der zu Recht den Spitznamen „N‘ Goni Jimi Hendrix“ trägt. Nicht nur, dass er mit seiner Langhalslaute eine Gitarre, einen Bass oder eine Harfe ersetzen konnte, nein, er behandelte sie wie einst der exzentrische Ausnahmemusiker Hendrix. So kniete er beim Spielen ehrfürchtig vor ihr nieder, entlockte ihre Saiten streichelnd sanfte Töne, um danach aufzuspringen, um sie im Duett mit Vincent Bucher blind auf dem Rücken zu spielen und als absoluten Höhepunkt seinem Instrument mit dem Mund die Töne zu entlocken.

Je länger die Session andauerte desto mehr übertrug sich die Leidenschaft der Musiker auf ihre Zuhörer, die es dann nicht mehr auf den Stühlen hielt, um im Takt von Reggae, Blues und Afrofunk einfach mitzutanzen, mitzuwippen, mitzuklatschen. Mit dem Song „Don´t leave the Table“ (Verlasse nicht den Tisch) verabschiedete sich die Band dann doch vom Bühnentisch im Kleinen Zelt. Sehr zum Bedauern des Publikums, das mit Abou Diarra und Band gerne noch länger gegroovt hätte.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen