Bei „Landshut“ hält sich Friedrichshafen raus

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Noch steht sie in Brasilien, ab Samstag ist sie in Friedrichshafen zuhause: die „Landshut“. Zwischen Rathaus und Dornier-Mueum
Noch steht sie in Brasilien, ab Samstag ist sie in Friedrichshafen zuhause: die „Landshut“. Zwischen Rathaus und Dornier-Mueum sorgt der schrottreife Flieger für einige Irritationen. (Foto: AFP)
Schwäbische Zeitung
Regionalleiter

Oberbürgermeister Andreas Brand hat einer möglichen finanziellen Förderung des „Landshut“-Projektes eine klare Absage erteilt. Eine Unterstützung des bisherigen Dornier-Museums werde nach wie vor ergebnisoffen geprüft. Die Sachlage sei durch die Ankunft des Wracks aus dem Terrorherbst 1977 am kommenden Samstag aber noch komplizierter als bisher.

Klartext vom Häfler Rathauschef: „Wir können als Stadt nicht zulassen, dass ein nationales Projekt von vier Projektpartnern rekommunalisiert wird.“ Anders ausgedrückt: Der OB geht davon aus, dass alle Kosten, die rund um die „Landshut“ auflaufen, vom Auswärtigen Amt, der Kulturbeauftragten der Bundesregierung, dem Springer-Verlag und dem Dornier-Museum getragen werden. Man sei zwar informiert, aber an der Entscheidungsfindung nicht beteiligt worden, so Brand. Die „Landshut“ sei also kein Thema der Stadt.

Das Flugzeug war 1977 Schauplatz einer Flugzeugentführung. Terroristen wollten inhaftierte RAF-Gesinnungsgenossen freipressen und ermordeten den Piloten der Boeing 737. Die Spezialeinheit GSG 9 befreite die anderen Geiseln. Ab 2019 soll die „Landshut“ im Dornier-Museum zu sehen sein, am Samstag trifft das Wrack am Bodensee sein.

Bis jetzt ist Oberbürgermeister Brand zum dazugehörigen Bürgerfest nicht (oder noch nicht) eingeladen. Ob er vor Ort sei, sei noch offen, sagte Brand bei einem Pressegespräch am Montag. „Sicher ist jedenfalls, dass man nicht einfach auf einen Knopf drücken kann und sofort ist ein städtischer Vertreter vor Ort.“

Vergangene Woche hatte Museumsdirektor David Dornier die Gemeinderäte über den Sachstand beim „Landshut“-Projekt nichtöffentlich informiert. Dabei habe er von bis zu 50000 zusätzlichen Besuchern durch die neue Sehenswürdigkeit gesprochen, so Brand.

Die Stimmung zwischen Rathaus und Dornier-Museum kann man durchaus als angespannt bezeichnen. David Dornier hatte am Freitag gegenüber der Presse beklagt, dass die von seiner Familie im Jahr 2016 gestellte Frage nach einer finanziellen Beteiligung von Stadt oder Zeppelin-Stiftung bis heute nicht beantwortet sei. Ein Million Euro Verlust mache das Haus im Moment pro Jahr.

Bei der Stadt ist man über die Informationspolitik der treibenden Kräfte hinter dem „Landshut“-Projekt verschnupft. Zudem heißt es, dass die Ausstellungspläne zum Terrorherbst die Gemengelage rund um das defizitäre Museum noch schwieriger machten. Schließlich habe man trotz eines intensiven Blicks in die Bücher das Firmenkonstrukt rund um das privat initiierte und finanzierte Haus am Flughafen noch nicht völlig durchschaut.

OB verhandelt ergebnisoffen

Fakt ist, dass die Familie Dornier schon 2016 um Hilfe durch die Stadt gebeten hat. Man wolle oder könne die Last, die das Museum verursacht, nicht mehr alleine stemmen, hieß es, später auch in öffentlichen Stellungnahmen. Eine Schließung des Hauses sei eine Option. Der Gemeinderat hat dem OB den Auftrag erteilt zu verhandeln. Ergebnisoffen.

Wann eine Entscheidung über das Ansinnen der Dorniers getroffen wird, ist unklar. Und auch ihr Inhalt. Er wolle dem Rat nicht vorgreifen, sagte Brand. Klar sei allerdings, dass man nicht isoliert über das „Problem Dornier-Museum“ sprechen könne, sondern immer bedenken müsse, welche Vorbildfunktion eine Entscheidung habe. „Entscheiden wir in Einzelfällen, nach Wetterlage sozusagen? Oder behalten wir eine berechenbare Linie bei?“, fragte Brand.

Einen Termin für eine öffentliche Beratung des Themas gebe es nicht, so Brand. Grundsätzlich sei die Frage, ob man alle offenen Punkte im Zuge eines Gesamtkonzepts für die künftige Museumslandschaft der Stadt verabschieden oder einzelne Projekte zeitlich vorziehen wolle. Die mögliche Förderung des Dornier-Museums durch die Stadt sei jedenfalls kein Thema, das mit einem einfachen „Ja“ oder „Nein“ zu entscheiden sei.

Die Ankunft des „Landshut“-Rumpfs ist am Samstag, 23. September, gegen 9 Uhr geplant. Die beiden Flügel sollen um 13 Uhr eintrudeln. Das Dornier-Museum öffnet um 8 Uhr seine Pforten.

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