Tief beeindruckt haben die Camerata Serena unter Nikolaus Henseler und Solist Thomas Gropper mit Brahms' Requiem im GZH.
Tief beeindruckt haben die Camerata Serena unter Nikolaus Henseler und Solist Thomas Gropper mit Brahms' Requiem im GZH. (Foto: Helmut Voith)
Schwäbische Zeitung
Christel Voith

Mit einer tiefgründigen Aufführung von Johannes Brahms’ Deutschem Requiem hat die Camerata Serena am Sonntagabend die Herzen ihrer Zuhörer im Graf-Zeppelin-Haus berührt. Was würde besser in die kommende Passionszeit und zu den derzeitig allgegenwärtigen Problemen passen als der Eingangschoral „Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden.“

Mit großem Ernst hat Chorleiter Nikolaus Henseler zum Requiem hingeführt, indem er Brahms’ „Tragische Ouvertüre“ in d-Moll op. 81, das dunkle Gegenbild zur „Akademischen Festouvertüre“ op. 80, voranstellte. Ein dramatischer Einstieg, der hineinführte in Tod und Tragik und doch aus dunklem Blech wieder helle Streichermusik emporsteigen ließ. Fasziniert genoss man den kultivierten Klang und die bestechende Präzision des Augsburger Orchesters „La Banda“ und erlebte bereits hier das Ineinanderfließen von Dramatik und Wärme, das auch das Requiem prägt. Eine wunderbare Ruhe im Orchester ging dem Chor voraus, der pianissimo einsetzte und dann die Stimme erhob: „Selig sind, die da Leid tragen.“ Beide Seiten des Requiems – das Leid und die Seligkeit, die Trauer und der Trost – sind hier bereits vereint, Stimmen und Musik flossen ineinander, schwebender Klang verhieß Geborgenheit, das „Selig sind“ drang tief ins Bewusstsein.

Die Gewissheit der Erlösung

Intensiv hatte Nikolaus Henseler mit seinen Sängern gearbeitet, an Tempo und Klangfarbe, an der Harmonie der Stimmen und an der auffallend guten Artikulation, dass man sich ganz dem in den Orchesterklang eingebetteten Gesang hingab. Jede Stimmung kam herüber, so auch die düstere Meditation über die Vergänglichkeit allen Fleisches im zweiten Satz. Eindringlich und mahnend war der Chor, ebenso das kurze Orchesterintermezzo, in großem Crescendo hämmerte sich ins Bewusstsein: „Alles Fleisch, es ist wie Gras.“ Doch dann folgte die Glaubensgewissheit der Erlösung, mit Jauchzen verkündete der Chor die Verheißung ewiger Freude. In innigem, demütigem Gebet führte sich Bariton Thomas Gropper als Solist ein, der Chor meditierte seine Gedanken, und wieder folgte Zuversicht auf die bange Frage nach Trost. Mit freudigem Impetus besang der Chor die „lieblichen Wohnungen“ beim Herrn – mit feinsinnigen Bewegungen vom Dirigenten geleitet.

Mit wunderbar klarem Sopran malte Mechthild Bach die Vision künftiger Freude auf, warm blühte die Stimme auf, schwebte trostreich über dem Chor. Noch einmal präzisierte der Bariton die christliche Hoffnung, ehe er dramatisch das Jüngste Gericht beschrieb. Mit Posaunen und Pauken unterstrich das Orchester die Auferstehung der Toten. Dramatisch wurde das „Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?“ herausgeschleudert. Wie in einem zärtlichen Wiegenlied richtete sich zuletzt der Chor an die Toten, still und tröstend war das Ende. Ein paar Momente blieb es still im Saal, ehe der verdiente Beifall losbrach.

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