Vorsicht: Polizei und Landratsamt empfiehlen, diesen Zettel zu ignorieren. (Foto: flo)

Viele Kluftinger – und wahrscheinlich nicht nur sie – fanden am Wochenende einen seltsamen Zettel in ihrem Briefkasten: „SAMMLUNG Wir möchten Sie darüber informieren, dass eine ungarische Familie eine Sammlung oganiziert. Wir nehmen alles was sie nicht brauchen. Wir trasportieren Ihr Auto kostenlos, das außer Verkehr gesetzt wurde!!!“, steht darauf zu lesen.

Es folgt eine Aufzählung von rund 50 Gütern, die man heute, am 28. November, zwischen 7 Uhr und 12 Uhr doch bitteschön vor die Haustüre stellen solle, zum Beispiel: „Bedwasche“, „Komputer Maschine“, „Besteck Tafelgeschirr“, „Tanne Möbel Eiche Möbel“, „Rasenmaher oder auch – was auch immer das sein mag – „Kolter“. Der Sammler hinterlässt unten rechts auf seinem Schrieb noch einen Smiley und den Hinweis „Bitte keine Spermüll oder Abfall“.

Trotz dieses Hinweises steht für die Polizei fest, dass es sich um eine Sperrmüllsammlung handelt – und somit illegal ist. Der Vermerk „auch defekt“, der hinter vielen Gütern aufgeführt werde, sei ein ziemlich eindeutiges Indiz. Bei dieser Sammlung könnte es sich um eine neue Masche von reisenden Händlern handeln, die versuchen, eine lukrative Einnahmequelle wieder zum Sprudeln zu bringen: den Handel mit Sperrmüll.

Seitdem das Landratsamt vor einigen Jahren die Sperrmüllabfuhr neu organsiert hat, ist diese Einnahmequelle nämlich versiegt. Früher wurde der Sperrmüll zu einem bestimmten Termin straßenweise abgeholt. Zu den normalen Begleiterscheinungen gehörten damals Lieferwagen mit osteuropäischen Kennzeichen, die organisiert – und vorwiegend in den Abendstunden – die Sperrmüllberge anfuhren. Was noch irgendwie brauchbar erschien, wurde eingeladen und verscheppert. Oft wurden Sperrmüll oder Schrott auch irgendwo wieder ausgeladen, wenn etwas Besseres an der Straße stand.

Wie verfährt die Polizei, wenn sie einen dieser Sammler antrifft? „Wir würden eine fahrzeugrechtliche Überprüfung vornehmen, denn oft sind die Lieferwagen total überladen“, sagt Markus Sauter, Sprecher der Polizeidirektion Friedrichshafen. „Außerdem würden wir überprüfen, ob der Fahrer vom Landratsamt eine Erlaubnis hat, Sperrmüll zu sammeln – doch diese Erlaubnis würde er niemals bekommen.“ Der Sammler habe damit zu rechnen, dass er zur Deponie Weiherberg begleitet wird, wo er den Sperrmüll entsorgen müsste – gegen Rechnung selbstverständlich.

Eine Genehmigung nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) liege für die Sammlung der „ungarischen Familie“ nicht vor, bestätigt Robert Schwarz, Sprecher des Landratsamts, auf Anfrage der Schwäbischen Zeitung. Er weist darauf hin, dass „hier auch Dinge und Stoffe abgefragt werden, die als gefährlicher Abfall gelten und daher nicht in einer Straßensammlung gesammelt werden dürfen – beispielsweise Computer, denn diese enthalten in der Regel Schwermetalle“. Die nicht angezeigte Sammlung stelle eine Ordnungswidrigkeit dar und könne mit einer Geldbuße von mehreren Tausend Euro geahndet werden.

Das Abfallwirtschaftsamt appelliert deshalb an die Bürger des Bodenseekreises, sich an solchen illegalen Sammlungen nicht zu beteiligen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen