BBC Philharmonic spielt im Graf-Zeppelin-Haus zusammen mit Kian Soltani am Violoncello (links) unter der Leitung von John Storgå
BBC Philharmonic spielt im Graf-Zeppelin-Haus zusammen mit Kian Soltani am Violoncello (links) unter der Leitung von John Storgårds. (Foto: Christian Lewang)
Katharina von Glasenapp

Die Reihe der Sinfoniekonzerte im GZH ist am Sonntag mit dem BBC Philharmonic, einem der zahlreichen britischen Spitzenorchester, eröffnet worden. Unter der Leitung seines finnischen „Chief Guest Conductor“ John Storgårds musizierte es Werke von Britten und Bruckner und begleitete den jungen Vorarlberger Meistercellisten Kian Soltani in Haydns D-Dur-Konzert.

Ein Gruß aus der Heimat in kleinerer Streicherbesetzung eröffnete den langen Konzertabend: Benjamin Brittens „Simple Symphony op. 4“ klingt ebenso charaktervoll wie seine anspielungsreich mit Alliterationen spielenden Satzangaben (Boisterous Bourée, Playful Pizzicato…) vermuten lassen. Rhythmisch pointiert, beweglich und transparent im Klangbild lässt Storgårds die Streicher aufspielen, im bekannten Pizzicato-Satz klingt die Streichergruppe wie ein großes Banjo und im langsamen Satz entfaltet sich die Streicherkultur im großen Atem eines hymnischen Gesangs.

Preise und Auszeichnungen

Im benachbarten Vorarlberg ist der 27-jährige Cellist Kian Soltani aufgewachsen, von hier pendelte er ab seinem 12. Lebensjahr regelmäßig nach Basel zum Studium bei Ivan Monighetti, Preise und Auszeichnungen häuften sich in den vergangenen Jahren und inzwischen ist der junge Musiker mit den persischen Wurzeln international gefragt. Trotzdem wirkt er sehr natürlich, bodenständig und stimmt mit dem Orchester und seinem Dirigenten einen intensiven musikantischen Dialog an. Haydns zweites Konzert hebt behaglich im Orchestervorspiel an, der Solist nimmt die Themen auf, reichert sie mit Varianten und Verzierungen an. Kian Soltani drängt sich nicht auf, ist geborgen im Orchester als Primus inter pares, das Cello klingt warm und silbrig, in hoher Lage wie eine Gambe oder eine Bratsche. Filigran und doch raumgreifend ist die Solostimme, in der Kadenz verdichtet sich der spielerische Umgang mit dem thematischen Material zu einem mehrstimmigen Jubel. Kraftvoll und leicht zugleich ist Soltanis Spiel, im langsamen Satz spinnt er die Melodie gesanglich aus. Im Rondofinale wird er zum Anführer in einem beschwingten Tanz voller Dur-Moll-Wechsel und Dramatik. Dass der Solopart mit seinen Registerwechseln, Sprüngen und Läufen höchst anspruchsvoll ist, fällt in seinem entspannt souveränen Spiel gar nicht auf. Für den herzlichen Beifall bedankte sich Kian Soltani mit einer fein in sich kreisenden Sarabande von Johann Sebastian Bach, die zwischen Strenge und Freiheit vermittelte.

In großer Besetzung füllte das BBC Philharmonic nach der Pause das Podium im GZH: Natürlich, denn Bruckners sechste Symphonie wartet mit großen Klangblöcken für Blech- und Holzbläser und dem entsprechend großen Streicherapparat auf. John Storgårds macht den Puls der grundierenden Streicher und die Dreiklangsfanfaren erfahrbar, immer mehr verdichtet sich der Klang in den Steigerungen, mündet der Rhythmus in die Brucknertypischen Triolenfiguren der gleißenden Blechbläser. Storgårds hat ein gutes Händchen für die Dimensionen und die Abmischung der Klänge, auch im straffen Galopp eines Satzschlusses wird er nie plakativ. Den großen streicherbetonten Gesang des langsamen Satzes formt er sogar ohne Stab, vermittelt Trost und Seligkeit in großer Ruhe. Wie so oft bei Bruckner jagen im Scherzo die Motive auf und ab, sammeln sich die Hörner zu kräftigen Jagdfanfaren, bevor im Finale alle Kräfte auf bezwingende Weise gebündelt werden. In einem großen architektonischen Bogen führt der Dirigent die Orchestergruppen zusammen, bis Trompeten und Posaunen alles überstrahlen: Überwältigung zu später Stunde.

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