Bauprojekte gehen langsamer voran als geplant

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 Zu den Bauprojekten, die sich länger hinziehen als geplant, zählt unter anderem die Keplerstraße, die noch bis Frühjahr 2019 ei
Zu den Bauprojekten, die sich länger hinziehen als geplant, zählt unter anderem die Keplerstraße, die noch bis Frühjahr 2019 einseitig gesperrt bleiben wird. (Foto: Ralf Schäfer)

Die Stadt wird im laufenden Jahr voraussichtlich 5,4 Millionen Euro weniger für Baumaßnahmen ausgeben als im Haushaltsplan vorgesehen war. So richtig überraschend kommt das nicht. Schon im Rahmen der Haushaltsberatungen hatte die Verwaltung an mehreren Stellen darauf hingewiesen, dass aufgrund der voll ausgelasteten Baubranche einerseits und fehlender personeller Ressourcen in der Verwaltung andererseits manches nicht zeitnah leistbar sein werde.

„Vielleicht haben wir uns zu viel vorgenommen“, räumte Oberbürgermeister Andreas Brand in der jüngsten Sitzung des Finanz- und Verwaltungsausschusses ein. Damit dürfte er auch auf die Vielzahl an Anträgen angespielt haben, die die Ratsfraktionen zum Haushalt gestellt und das Haushaltsvolumen dementsprechend erhöht hatten. Ähnlich liest sich das, was die Pressestelle der Stadt auf Anfrage der SZ formuliert: Die bei der Haushaltsplanung angesetzte Anzahl an Projekten und die damit verbundenen Bauvolumina seien „sehr ambitioniert“.

In ihrer Stellungnahme weist die Stadtverwaltung zum einen darauf hin, dass verwaltungsintern Ressourcen fehlen, weil zum Teil Stellen nicht oder später als geplant besetzt werden konnten, zum anderen auf die volle Auslastung der Baubranche. „In der Folge konnten zum Teil Baumaßnahmen nicht oder später als geplant umgesetzt werden“, schreibt die Pressestelle – und nennt als Beispiele den Umbau der Keplerstraße, die Brücke über die Eckenerstraße, das Seehasenfest-Fundusgebäude, den Umbau der Friedhofskapelle und den Kreisverkehr in Spaltenstein. Für letzteren war der Baubeschluss ursprünglich vor den Sommerferien geplant, auf der Tagesordnung stand er letztlich erst am vergangenen Montag, weshalb die Bauarbeiten voraussichtlich erst im Frühjahr 2019 abgeschlossen werden können.

Was jene Baumaßnahmen betrifft, die bereits fertig geplant sind, weist die Stadtverwaltung aber auch darauf hin, dass ein Verzicht auf manche Projekte die Situation nicht unbedingt verbessern würde. „Da viele Verzögerungen auf der ausführenden Seite der Baufirmen eintreten, nützt eine Reduzierung von Seiten der Stadt nichts. Die Baufirmen erhalten ja auch Aufträge von anderen Kommunen und aus dem privatwirtschaftlichen Bereich. Wenn diese Auftraggeber ebenfalls die gute Konjunktur für Investitionen nutzen, dann wäre es aus Sicht der Stadt Friedrichshafen unklug, hier einseitig zurückzufahren“, heißt es in der Stellungnahme aus dem Rathaus.

Was das Einhalten zeitlicher Vorgaben zum Abarbeiten von Baumaßnahmen aus Sicht der Stadtverwaltung zusätzlich erschwert, sind Maßnahmen, die während des Jahres noch hinzukommen und den Aufwand dementsprechend erhöhen. Ein Beispiel dafür ist der am Montag beschlossene barrierefrei Umbau der Ampelanlagen entlang der künftigen Teststrecke für automatisiertes Fahren. Da mit einer Entspannung in der Bauwirtschaft vorerst nicht zu rechnen ist, geht die Stadtverwaltung davon aus, dass es auch 2019 Verzögerungen geben wird. Dass sich die Situation noch verschärfen wird, glaubt man im Rathaus aber nicht.

Stadt Friedrichshafen nicht allein

Die beschriebenen Schwierigkeiten hat die Stadt Friedrichshafen nicht exklusiv. „Wir können als Stadt Ravensburg die bauwirtschaftlichen und personellen Themen für unsere Stadt durchaus bestätigen“, teilt Alfred Oswald, Pressesprecher der Stadt Ravensburg, auf Anfrage mit. Im laufenden Jahr würden durch die Bauverwaltung mehr als 25 Millionen Euro umgesetzt, was einen personellen Kraftakt darstelle. Denn erfahrungsgemäß liege das leistbare Volumen für Baumaßnahmen bei rund 15 Millionen Euro. Fünf Millionen Euro an beschlossenen Mitteln könnten 2018 nicht umgesetzt werden.

Aus Konstanz berichtet Walter Rügert, er ist Pressereferent der dortigen Stadtverwaltung, dass es durch die sehr gute Auslastung in den Handwerksbetrieben teilweise erforderlich gewesen sei, Arbeiten mehrfach auszuschreiben. Dies habe zu Verzögerungen geführt – und dazu, dass kleinere Maßnahmen nicht wie gewünscht ausgeführt werden konnten.

Dass die Summe der geplanten, aber noch nicht abgerufenen Ausgaben für Baumaßnahmen zum Ende dieses Jahres höher sein wird als in früheren Jahren, bestätigt Rügert. Das hänge aber auch damit zusammen, dass die Kosten gestiegen seien. Die Summe der Haushaltsausgabenreste sei zwar höher, die Zahl der Maßnahmen, die dahinterstecken, aber ähnlich wie in den Vorjahren.

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