Die Stadt saniert den Bahnhof Fischbach für 250 000 Euro. Eine neue Bühne ist schon eingerichtet, die Veranstaltungshalle ist neu gestrichen und auch eine zweite Garderobe wurde eingebaut. Licht- und Tontechnik sind noch auf altem Stand.

Der Bahnhof Fischbach hat seinen Glamour wieder. Denn in den rostroten Innenanstrich der Veranstaltungshalle wurden glitzernde Partikel eingearbeitet. Das ist aber nicht der einzige Clou, denn in der Renovierung des Bahnhofs hält sich die Stadt Friedrichshafen an das frühere Farbkonzept, das der ehemalige Bahnhof-Wirt zusammen mit der Künstlerin Ursula Kinderlen ausgearbeitet hat. „Das Rostrot an den Wänden ist Rostschutzfarbe von der Deutschen Bahn“, verrät Jürgen Dietz vom städtischen Liegenschaftsamt. Er hat bei der Renovierung die Fäden in der Hand.

Der Name Bahnhof Fischbach verpflichtet. Auch sonst wurden deshalb, wie damals, nur originale Farben der Bahn verwendet. Das Gelb zum Beispiel. „Das habe ich vorher noch an einem vorbeifahrenden Bahnwaggon gesehen“, sagt Dietz. Im Bahnhof schmückt dieses Gelb einen Flur im Erdgeschoss, der zur neuen Garderobe führt. Früher war sie ein Spül- und Abstellraum, heute zieht sich ein breiter Spiegel über die Wand, darunter ein ebenso langer Schminktisch. Auch Dusche und Toilette für die Künstler gibt es hier. „Wir brauchen eine zweite Garderobe, für größere Veranstaltungen“, sagt Dietz. Wenn Männer und Frauen getrennte Garderoben hätten, sei das sicher auch von Vorteil.

An der bisherigen Garderobe wurde nichts verändert. „Es gab schon den Wunsch, die Wände neu zu streichen“, sagt Dietz. Aber das komme nicht infrage, denn an diesen Wänden prangt die Geschichte des Bahnhofs Fischbach. Unzählige Künstler, die hier auftraten, haben ihren Namen draufgeschrieben. Manche leben schon gar nicht mehr.

Sanierung kostet 250 000 Euro

250 000 Euro wurden für die Sanierung bewilligt. Davon sind 120 000 schon ausgegeben. Licht- und Tontechnik sind noch auf altem Stand, sollen aber mit dem Rest des Geldes erneuert werden. Ob die Mittel dafür wirklich ausreichen, müsse man sehen, meint Dietz. Not am Mann sei in Sachen Bühnentechnik aber nicht. „Viele Sachen sind in die Jahre gekommen, aber man kann sie noch ein, zwei Jahre betreiben“. Das gut 25 Jahre alte Lichtmischpult zum Beispiel. Auch die Bühnenbeleuchtung funktioniert, ist aber noch nicht auf LED umgestellt. Ganz neu ist dagegen die Bühne. Sie besteht. wie bisher, aus einzelnen Elementen und ist damit erweiterbar. Das ist insbesondere für die Tanz- und Theaterproduktionen wichtig, die das Kulturbüro im Bahnhof Fischbach veranstaltet. Im Ganzen ist die Bausubstanz solide. Jürgen Dietz zeigt auf den mattschwarzen Fußboden vor der Bühne. „Das ist der alte Gussasphalt. Der ist immer noch topp.“

Der Notausgang aus der Veranstaltungshalle öffnet sich nach wie vor auf eine Plattform, auf der man auch in der Pause ein Zigarettchen rauchen kann. Zur Sicherung vor Stürzen befindet sich am Rand nun eine massive Balustrade. Bislang war hier nur eine Gliederkette. Unten sorgen herausnehmbare Pfosten dafür, dass der Zugang vom Notausgang zur Straße frei bleibt und nicht zugeparkt wird.

Nicht behindertengerecht

Behindertengerecht ist der Bahnhof Fischbach aber noch immer nicht. Über die schräge Rampe, die zur Kasse hinabführt, ist die für Rollstuhlfahrer geeignete Toilette erreichbar, aber von diesem Untergeschoss hoch zur Veranstaltungsebene führt kein Weg. Der Einbau eines Aufzugs ist nicht geplant. Sofern sie keine Begleitperson haben, müssen Rollstuhlfahrer im Bahnhof anrufen und werden dann von Mitarbeitern über den Notausgang in den Saal gefahren. Dabei müssen nur zwei Stufen überwunden werden. „So hat man sich bisher beholfen“, sagt Dietz. Ob sich das ändern wird, ist unklar. Denkbar wäre der Bau einer schrägen Rampe vom Notausgang zur Straßenebene, zur Vermeidung der beiden Stufen. „Das wäre die Beachclub-Variante“, erläutert Dietz diese praktikable Lösung

Abgesehen von der Licht- und Tontechnik müssen jetzt nur noch kleinere Dinge gerichtet werden. Nebenan, im Restaurant, werden noch die Fenster ausgetauscht. Sie sollen ein wenig filigraner werden. Sonst sei das historische Bahnhofsgebäude recht gut erhalten. Wenn alle Arbeiten abgeschlossen sind, träumt Jürgen Diez von einem kleinen Sahnehäubchen: einem original Fahrplankasten der Deutschen Bahn. Darin sollen die Veranstaltungen im Bahnhof Fischbach ausgehängt werden. Ob das war wird? Mal sehen, meint er mit einem Grinsen. „Ob man mir dafür eine Dienstreise zur Deutschen Bahn nach Berlin genehmigen würde, ist fraglich.“

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