Bürger löchern Friedrichshafens Stadtspitze

Lesedauer: 7 Min

Was bewegt die Menschen in dieser Stadt? Die Fragen, die die Häfler nach der Bürgerinformation durch Oberbürgermeister Andreas Brand im Graf-Zeppelin-Haus (GZH) stellten, drehten sich um Flughafen, Seewald, Zoll-Areal und Stadtentwicklung, aber auch um Klinkum, Uferpark, alte Häuser und zwei Magnolienbäume.

Die Anwesenden hatten die Gelegenheit, Fragen zu stellen oder Anregungen zu geben. Das, so der OB, sollte beantwortet, aber auch an den Gemeinderat weitergegeben werden. Eine gute Gelegenheit, sich zu beteiligen. Doch viele waren es nicht, die sich zu Wort meldeten.

Flughafen, Klinikum, Zoll-Areal

Ein Bürger wollte wissen, ob die Stadt bereits Pläne für den Flughafen nach der Germanie-Pleite habe, ob es Pläne für das alte Zoll-Areal und die Innenstadtgestaltung gebe und was mit dem Klinikum passiere.

OB Brand bejahte die Fragen nach der Existenz der Pläne, ohne diese jedoch zu offenbaren. Das sei noch nicht so weit. „Dass die Germania insolvent ist, dafür kann niemand etwas“, sagte er und meinte, dieses Thema sei beherrschend in den vergangenen Tagen für ihn und seine Bürgermeister-Kollegen gewesen. Einem Zusammenschluss der Häfler und der Ravensburger Klinik erteilte er eine Absage und gab deutlich zu verstehen, dass man in Tettnang und Weingarten noch nicht so weit gekommen sei, wie das geplant war, dass es trotzdem eine gute Zukunft für den Medizin-Campus Bodensee gebe. Und eine Gestaltung in der Innenstadt, hier antwortete Baubürgermeister Stefan Köhler, werde man aufgreifen. Diese Innenstadt zu stärken, sei jedoch Sache aller Bürger dieser Stadt. Statt online solle man lieber vor Ort einkaufen.

Uferpark und Windhag

Ein Häfler fragte nicht, er gab Anregungen. Bei der Gestaltung des Uferparks solle die Stadt den ersten Abschnitt zwischen Gondelhafen und Klangschiff namentlich Europa widmen. Das auch als Zeichen für die Europawahl. Und für den Windhag regte er an, einen verkehrsberuhigten Bereich einzurichten, weil hier sehr viel los sei. Der Windhag diente als Umleitungsstrecke für die Kreisverkehrsbaustelle zwischen Sparbruck und Schnetzenhausen.

Für die Namensgebung seien die Stadt und der Gemeinderat noch offen, „wir werden das mal mitnehmen“, meinte der OB zum Uferpark. Stefan Köhler will im Windhag abwarten, bis der Bau der neuen Häuser dort beginnt und dann entscheiden. Die Anregung Bernards, den Gestaltungsbeirat öffentlich tagen zu lassen, hat die Stadt von sich aus bereits in die Satzung dieses Gremiums aufgenommen. Der Gestaltungsbeirat setzt sich aus Architekten zusammen, die Anregungen zu Bauvorhaben geben sollen.

Der dritte Fragesteller hatte ebenfalls den Uferpark im Fokus. Er bat darum, bei aller Euphorie den Alltag nicht aus den Augen zu verlieren. Wenn zwischen Gondelhafen und Klangschiff das Ufer geöffnet werde, bestehe dort die Gefahr, dass sich dort – wie schon am GZH – ein Strandbad etabliere. OB Brand wollte keine rigorosen Verbote, er meinte nur, man werde einen vernünftigen Ausgleich finden. Beide Standpunkte bekamen Beifall aus dem Publikum.

Fallenbrunnen und Seewald

Während es einem Bürger um ein Gesamtkonzept für den Fallenbrunnen ging, stellte ein anderer das Erreichen der Klimaziele bei Teilrodung des Seewaldes in Frage. Stefan Köhler erklärte das Konzept Fallenbrunnen, in dem sich in nächster Zeit wieder einiges tue. Das Regionale Innovations- und Technologiezentrum (Rotz) gehe bald in Bau und mit dem Konzept, Wohnen und Arbeiten zu verbinden, würden von der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft rund 10 000 Quadratmeter Wohnfläche geschaffen werden. „Wichtig ist, dass wir uns Zeit nehmen für diesen Bereich“, so Köhler.

Zum Seewald sprach Oberbürgermeister Andreas Brand die Notwendigkeit an, verschiedene Interessen abwägen zu müssen. Das werde bei allen anstehenden Untersuchungen berücksichtigt.

Ein-Euro-Ticket und Rotach

Wichtige andere Punkte waren die Frage nach dem Ein-Euro-Ticket für den Stadtverkehr und die Zukunft der Rotach. Andreas Brand ging auf das Ticket mit Gegenfragen ein: „Wer bezahlt das? Auf was anderes verzichten wir?“ Dieses Thema müsse zudem auch mit dem Verkehrsverbund Bodo besprochen werden.

Die Rotach, die von mehreren Bürgern angesprochen wurde, solle renaturiert werden. Die Frage an den OB: „Wieviele Parkplätze ist die Industrie bereit, dafür aufzugeben?“ Inhaltlich ging Brand nicht auf die Rotach ein, nahm aber die Frage mit und sicherte zu, sie zu beatworten, weil in Sachen Hochwasserschutz an der Rotach noch nichts endgültig entschieden sei. Zu teure Parkhäuser konnte Brand relativieren, es käme darauf an, wann geparkt werde. Und die zweite Riedlepark-Tunnelröhre wolle man ebenfalls so schnell wie möglich realisieren.

Eine Bürgerin dankte abschließend der Stadt. Vor ihrem Haus seien zwei Magnolienbäume auf öffentlichem Grund gepflanzt worden, und sie danke dafür sehr. „Das müssen sie öfters machen.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen