Bürger interessieren sich für automatisiertes Fahren

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ARCHIV - 25.04.2018, Niedersachsen, Hannover: Testingenieur Dennis Scholl fährt in einem Auto mit dem von Continental entwickelt
ARCHIV - 25.04.2018, Niedersachsen, Hannover: Testingenieur Dennis Scholl fährt in einem Auto mit dem von Continental entwickelten System "Cruising Chauffeur" über die Autobahn A2 und nimmt dabei die Hände vom Lenkrad. In Braunschweig werden am 05.09.2018 die Ergebnisse des Projekts Next Generation Car zu automatisiertem und vernetztem Fahren präsentiert. (Foto: dpa)

Wie weit ist die Technik der Fahrzeuge, die auf der Teststrecke für automatisiertes Fahren unterwegs sein sollen und wer haftet eigentlich dafür, wenn es doch zu einem Unfall kommt? Diese Fragen beschäftigen die Häfler. Bei einer Bürgerinformation am Dienstagabend im ZF-Forum hatten sie Gelegenheit, diese Fragen zu stellen.

Die Stadt Friedrichshafen, ZF Friedrichshafen und das Institut für Weiterbildung, Wissens- und Technologie-Transfer (IWT) haben die Teststrecke für automatisiertes Fahren gemeinsam initiiert. Auf der Teststrecke werden Fahrzeuge unterwegs sein, die von den Behörden bereits zugelassen sind. Sie fahren nicht autonom, sondern automatisiert. Das heißt, dass in jedem Fahrzeug ein speziell ausgebildeter Fahrer sitzt, der jederzeit die Kontrolle über das Fahrzeug hat und die Möglichkeit hat, einzugreifen. Auf der Strecke soll nicht nur die Technik von ZF erprobt werden, auch andere Firmen dürfen sie nutzen.

Bei dem Bürgerinformationsabend stellten Bürgermeister Stefan Köhler und der Leiter des Stadtbauamts, Wolfgang Kübler, sowie David Pietsch, Innovationsmanager beim IWT, und Torsten Gollewski, Leiter der Vorentwicklung der ZF, das Projekt gemeinsam vor und beantworteten im Anschluss die Fragen der Bürger. Rund hundert Häfler nutzten diese Gelegenheit und kamen an dem Abend ins ZF-Forum.

Kübler erklärte, dass zunächst die Ampelanlagen umgerüstet werden. Sie müssen mit den Fahrzeugen kommunizieren können, damit diese wissen, wann die Ampel rot ist oder sie fahren können. Bis Ende Oktober werden die Ampelanlagen an der Ailinger/Charlottenstraße, am Colsmanknoten, die Fußgängerampel an der Riedleparkstraße und die Feuerwehrausfahrt an der B 31-neu mit sogenannten Roadside Units umgerüstet. Bis April 2019 sollen auch die restlichen Ampeln auf der Strecke umgebaut sein. Außerdem stimmt der Gemeinderat am Montag darüber ab, ob die Anlagen zusätzlich mit Blindensignalen ausgestattet werden sollen. Im Rathaus steht zudem ein Verkehrsrechner, der die Ampeln steuert. Damit dieser auch Daten mit den Fahrzeugen austauschen kann, muss dieser ebenfalls erweitert werden. Die Gesamtkosten liegen bei rund 237 500 Euro.

Damit weiter an der Technik gefeilt werden kann, ist es für die Ingenieure sehr wichtig, sie auf der Straße zu testen. „Wir haben in Friedrichshafen eigentlich alle wichtigen Verkehrssituationen. Deswegen ist die Teststrecke auch so interessant für uns“, sagte Gollewski. „Wir wollen Sicherheit und Redundanz in das System bringen.“ Nicht nur Pkw stehen dabei auf dem Programm, sondern auch größere Fahrzeuge wie Trucks. Außerdem stellte Gollewski einen Kleibus vor, in dem die modernste ZF-Technik verbaut sei. Der kleine Bus fährt rein elektrisch und ist mit der neuesten Kameratechnologie, Radar sowie Lidar ausgestattet. Mit einem Lidar können optische Abstands- und Geschwindigkeitsmessungen vorgenommen werden. Außerdem ist in dem Bus ein Computer verbaut, der alle wichtigen Algorithmen zum automatisierten Fahren kenne.

Sicherheit steht nicht infrage

Die Bürger zeigten sich interessiert an den Plänen von Stadt, IWT und ZF. Auch wenn sie einige Fragen hatten, stellte keiner von ihnen die grundsätzliche Sicherheit für Verkehrsteilnehmer infrage. Ein Bürger wollte wissen, wer haftet, falls doch ein Unfalls passiert. Gollewski erklärte, dass auch beim automatisierten Fahren die gängigen Verkehrsregeln gelten. Nimmt das automatisierte Fahrzeug von ZF also einem anderen die Vorfahrt, haftet in diesem Fall ZF für den Unfall. Auch wie ein automatisiertes Fahrzeug an der Feuerwehreinfahrt reagiert, wenn die Mannschaft dort plötzlich zum Einsatz aufbricht, interessierte die Bürger. „Die modernen Rettungsfahrzeuge geben ein Signal ab, auf dieses reagiert das automatisierte Auto dann“, sagte Gollewski. Er hat eine genaue Vorstellung davon, wohin die technische Entwicklung gehen soll: „Wir bringen den Autos das Hören bei“, sagte er. Später soll zu der Strecke auch ein Teil der Fußgängerzone hinzukommen. Auch wenn durch die Karlstraße eigentlich keine Autos fahren dürfen und auch keine Busse unterwegs sind, sei die Strecke wichtig für die Erprobung. „Es gibt andere Städte, in denen es gängig ist, dass Busse durch die Fußgängerzone fahren. Auch das müssen wir austesten“, sagte Gerhard Gumpoltsberger, Leiter Innovation Projects bei der ZF Friedrichshafen, der in der Fragerunde der Bürger die Redner unterstützte. Auch für das virtuelle Umfeld der Fahrzeuge sei die Teststrecke in der Fußgängerzone von großer Bedeutung.

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