Die Aktiven der Amnesty International-Gruppe Friedrichshafen vor dem Bücherlager im Haus Spektrum (von links): Eberhard Wolf, E
Die Aktiven der Amnesty International-Gruppe Friedrichshafen vor dem Bücherlager im Haus Spektrum (von links): Eberhard Wolf, Elvira Mozkus, Christa Morstadt, Wilfried Herter, Virginia Storz, Erika Setzer, Wolfgang Semmt und Marc Schuller. (Foto: Harald Ruppert)

Freiwillige, die beim Auf- und Abbau des Bücherflohmarkts helfen wollen, können sich telefonisch melden – bei Wolfgang Semmt unter 0 75 45 / 90 10 22 oder bei Eberhard Wolf unter 0 75 41 / 4 88 01 67. Interessierte sind bei den Treffen der Ortsgruppe willkommen. Sie finden im Drei-Wochen-Rhythmus im Haus Spektrum in der Ehlersstraße statt. Der nächste Termin ist am Montag, 29. Oktober, 20 Uhr. Weitere Infos im Internet unter

www.amnesty-friedrichshafen.de

Die Ortsgruppe Friedrichshafen von Amnesty International veranstaltet am Samstag, 13. Oktober, den 90. Bücherflohmarkt in der Alten Festhalle. Eine runde Zahl, mit der aber auch ein dickes Problem verbunden ist: Den Aktiven der Ortsgruppe droht die Organisation des Bücherflohmarkts über den Kopf zu wachsen. Es fehlt an helfenden Händen. „Es wäre gut, wenn wir das Ganze auf mehr kräftige Schultern verteilen könnten“, sagt Ortsgruppenleiter Wolfgang Semmt. „Beim letzten Bücherflohmarkt stand die Frage im Raum, ob wir ihn überhaupt weiter veranstalten können“, ergänzt Marc Schuller.

500 Unterschriften pro Flohmarkt

Die Bücherflohmärkte finden schon seit den 1980ern in Friedrichshafen statt – erst einmal jährlich, dann zweimal und mittlerweile dreimal im Jahr. Ohne ihn wäre Friedrichshafen um eine Attraktion ärmer; und auch um eine gute Sache, denn die Ortsgruppe unterstützt mit den Einnahmen aus dem Bücherverkauf ihre weltweit tätigen Researcher. Diese kritischen Geister ermitteln verlässlich jene Menschenrechtsverstöße, gegen die Amnesty International protestiert. Das geht nicht ohne die Unterstützung der Bevölkerung. Und so sind die Besucher des Bücherflohmarkts aufgerufen, mit ihrer Unterschrift gegen Regime zu protestieren, die Menschen verschwinden lassen, sie ohne Anklage einkerkern, foltern oder hinrichten. „Wir sammeln bei jedem Bücherflohmarkt rund 500 Unterschriften. Dafür müsste man in der Fußgängerzone eine ganze Weile herumstehen“, sagt Marc Schuller.

Wenig Zeit für den Aufbau

Was kann man tun, um die Ortsgruppe bei der Organisation des Flohmarkts zu unterstützen? Das zentrale Problem ist fehlende Hilfe beim Auf- und Abbau. Für den Aufbau müssen am Vorabend des Bücherflohmarkts Hunderte von Bücherkisten aus den beiden Lagerräumen im Haus Spektrum zur Alten Festhalle gefahren werden. Dafür stehen zwei Lieferwagen bereit, die Amnesty anmietet. Für den kompletten Aufbau bleiben nur drei Stunden Zeit, von 19 bis 22 Uhr. Früher geht es nicht, weil vorher die Halle von einer Turngruppe genutzt wird. Und später als 22 Uhr darf es nicht werden, weil der Hausmeister der Halle sonst bis zum nächsten Morgen seine vorgeschriebenen Ruhezeiten nicht einhalten könnte. In diesen drei Stunden muss also alles wie am Schnürchen klappen. Gesucht werden daher Helfer ohne Kreuzbeschwerden, die ganz praktisch mit anpacken wollen. Unerwünscht sind dagegen Schnäppchenjäger, die sich in der Rolle des Helfers frühzeitig in die Halle stehlen wollen, um die interessantesten Bücher abzugreifen. Außerdem werden Freiwillige gebraucht, die in der Festhalle paarweise die Biertische und Bierbänke verschnüren, auf die dann die Bücherkisten gestellt werden.

Der Aufbau hat ein festes System, in das man aber rasch eingewiesen ist. Freiwillige können sich gern vorab anmelden. Kurzentschlossene können sich aber auch einfach am Freitagabend vor dem Bücherflohmarkt um 19 Uhr bei der Alten Festhalle einfinden. Am Ende des Flohmarkts, samstags ab 16 Uhr, sind die Freiwilligen nicht minder gefragt. Auch für den Abbau bleiben nur drei Stunden, um die Festhalle zu räumen und die Bücher zurück ins Haus Spektrum zu schaffen.

Im Haus Spektrum ist der Lagerplatz arg begrenzt. Die Ortsgruppe muss unter den zahlreichen Buchspenden deshalb kritisch aussortieren, nach dem Kriterium der Verkaufbarkeit. Unterschieden wird zwischen antiquarischen Büchern und der „Kiloware“. Für den antiquarischen Teil des Bücherflohmarkts ist potenziell alles interessant, was bis zu den 1950er-Jahren oder 1960er-Jahren erschienen ist. Für die Kiloware nennt Marc Schuller die Faustregel: „Wenn das Buch nicht so aussieht, dass man es gern mit ins Bett nehmen würde, kommt es in den Altpapiercontainer.“ Bücher mit Wasserschäden oder muffigem Kellergeruch, mit umgeknickten Seiten, reingekritzelten Anmerkungen oder Stempeln aus öffentlichen Bibliotheken werden ebenfalls ausgesiebt. „Wir können nur um Verständnis bitten, dass wir eine Auswahl treffen müssen, weil wir mit Buchspenden überrannt werden“, sagt Wilfried Herter.

Politiker aus Gambia im GZH

Zusammen mit dem Flüchtlingsrat Baden-Württemberg lädt die Amnesty-Ortsgruppe an diesem Samstag, 6. Oktober, um 17 Uhr zu einem Vortrag mit anschließender Diskusionsrunde ins Graf-Zeppelin-Haus ein. Das Thema ist die Situation der gambischen Geflüchteten in Baden-Württemberg sowie die Migrations- und Afrikapolitik der Europäischen Union und Deutschlands. In diesem Rahmen berichtet der Politiker Halifa Sallah aus Gambia von der Situation in seinem Heimatland. 2017 endete in Gambia eine 22-jährige Militärdiktatur. Halifa Sallah war Sprecher und Berater des aktuellen Präsidenten Adama Barrow. Er ist zur Zeit Parlamentsabgeordneter und Generalsekretär der linksgerichteten Partei People’s Democratic Organisation for Independence and Socialism. Ein Ministeramt in der derzeitigen Regierung lehnte er ab. Weitere Teilnehmer auf dem Podium sind unter anderem Barbara Missalek (Amnesty International) und Lucia Braß (Flüchtlingsrat Baden-Württemberg).

Freiwillige, die beim Auf- und Abbau des Bücherflohmarkts helfen wollen, können sich telefonisch melden – bei Wolfgang Semmt unter 0 75 45 / 90 10 22 oder bei Eberhard Wolf unter 0 75 41 / 4 88 01 67. Interessierte sind bei den Treffen der Ortsgruppe willkommen. Sie finden im Drei-Wochen-Rhythmus im Haus Spektrum in der Ehlersstraße statt. Der nächste Termin ist am Montag, 29. Oktober, 20 Uhr. Weitere Infos im Internet unter

www.amnesty-friedrichshafen.de

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